• vom 28.09.2017, 06:00 Uhr

Nationalratswahl

Update: 29.09.2017, 11:40 Uhr

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Ziemlich keine Freunde




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Von Jan Michael Marchart

  • Auch das zweite TV-Duell zwischen Sebastian Kurz und Ulrike Lunacek blieb ohne Annäherung.

Das TV-Duell zwischen Lunacek (links) und Kurz (rechts) war ein unspektakulärer Schlagabtausch. - © apa/Hans Punz

Das TV-Duell zwischen Lunacek (links) und Kurz (rechts) war ein unspektakulärer Schlagabtausch. © apa/Hans Punz

Wien.Erst vor wenigen Tagen haben sich Sebastian Kurz und Ulrike Lunacek auf dem Privatsender Puls4 duelliert. Am Donnerstagabend gab es dann im ORF eine Neuauflage der türkis-grünen Konfrontation. Im ersten Aufeinandertreffen wurde deutlich, dass sich die beiden inhaltlich in vielen Punkten nicht einig werden, politisch trennen sie einfach Welten. Und sie sollten sich auch knapp zwei Wochen vor dem Wahltag nicht mehr viel näher kommen.

Das zeigte sich schnell im Verlauf des ersten Themas des Duells: Frauenpolitik. Es sollte eine kurze Debatte werden. Warum würde eine Frau ÖVP wählen? Vielleicht weil ihr Kurz gefällt, versuchte Lunacek einen Scherz. Die Grünen hätten viel für Frauenpolitik in den letzten Jahrzehnten getan, würdigte Kurz die Verdienste der Grünen und versuchte es mit Höflichkeit. Um dann eine Spitze nachzureichen, dass die Grünen etwa bei Gewaltausübungen gegenüber Frauen im Konnex mit dem Islam "blind" seien. Lunacek wies diese Vorwürfe von sich und konterte mit der Feststellung, dass Kurz bei jedem Thema immer zum Thema Flüchtlinge finde.

Dort landete die Konfrontation auch schnell, wo die Standpunkte der beiden Parteien weidlich bekannt sind. "Ich weiß, Sie reden nicht gern darüber", so Kurz. Es gebe hier aber eben Probleme, daher habe man auch das Verhüllungsverbot beschlossen. Dieses Verbot würden die Grünen zu seinem Unverständnis ablehnen. Das stimme nicht, sagte Lunacek. Die Burka sei ein Stoffgefängnis. Wichtiger als ein Verbot wäre für sie aber ein eigenes Aufenthaltsrecht für Frauen. Dann gab es eine Runde "Ehe für alle". Auch hier sind die Fronten klar. Kurz will nicht, dass gleichgeschlechtliche Partnerschaften "Ehe" heißen. Lunacek sieht darin eine Diskriminierung. Auch kein Knalleffekt war, dass sich die beiden beim Themen Feminismus nicht einig werden. Oder beim Thema Mindestsicherung. Oder beim Freihandelsabkommen zwischen der EU und Kanada, kurz Ceta, zu dem sich Kurz bekennt, Lunacek lehnt es ab. Dann sagte die Grüne, Kurz nehme es "nicht immer mit der Wahrheit so genau". Es ging um das Thema Entwicklungszusammenarbeit. Lunacek meinte, dass auf der Webseite von Kurz, Österreich in einer Grafik weiter vorne liege als in der Realität. Kurz bestritt die Vorwürfe. Die Gelder für die Hilfe vor Ort wären während seiner Amtszeit verdoppelt worden. Die Webseite von Kurz war am Abend kurz offline.

Für eine Koalition sieht Lunacek "kaum Überschneidungsmengen" mit der ÖVP. Dafür müsse sich Kurz ändern. Das sieht dieser natürlich anders. "Belassen wir es dabei", sagte Kurz dann zum Schluss. "Sie freuen sich, wenn viele die Grünen wählen. Ich freue mich, wenn viele die ÖVP wählen." Das könnten die beiden wirklich gemeinsam haben. Was für eine Überraschung.





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Dokument erstellt am 2017-09-28 22:21:06
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