• vom 29.09.2017, 15:58 Uhr

Nationalratswahl

Update: 29.09.2017, 16:12 Uhr

Leitartikel

Kurz’sche Diskrepanzen




  • Artikel
  • Kommentare (20)
  • Lesenswert (164)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Reinhard Göweil

  • Leitartikel

Chefredakteur Reinhard Göweil.

Chefredakteur Reinhard Göweil. Chefredakteur Reinhard Göweil.

Sebastian Kurz hat - so sagen es alle Umfragen - die besten Chancen, bei der Nationalratswahl als Sieger hervorzugehen und anschließend Bundeskanzler der Republik Österreich zu werden.

Nun sollte ein Bundeskanzler das Land einen und alles tun, um eine friedliche und prosperierende Gesellschaft in Freiheit zu ermöglichen. Das findet sich auch in seinem türkisen Wahlprogramm. Doch etliche seiner Äußerungen gehen in eine ganz andere Richtung - und diese Diskrepanz macht stutzig.

Werbung

Beispiel Wien: Er lässt kaum eine Gelegenheit aus, die Bundeshauptstadt schlechtzureden. Dass er damit die in der Stadt regierende SPÖ treffen will, mag parteipolitisch verständlich sein. Die Wahl seiner Mittel ist es nicht. Österreicher würden Wien verlassen, dafür würden sehr viele "Ausländer" zuziehen, sagte er jüngst.

Nun ist es für einen Kanzlerkandidaten grundsätzlich keine gute Idee, das Volk in "die" und "wir" einzuteilen. So wird ausschließlich gesellschaftliche Spaltung vorangetrieben. Dass die meisten "Österreicher", die Wien verlassen, ins niederösterreichische Umland ziehen, um im Grünen oder auch nur billiger zu wohnen, ließ Kurz unerwähnt.

Sein ständiger Hinweis auf die Gefahren des "politischen Islam" gibt ihm zwar eine "Law and Order"-Aura - eine gewollte Taktik, ohne Zweifel. Aber dies birgt die Gefahr einer gesellschaftlichen Spaltung. Kurz macht damit als ÖVP-Obmann das Einfallstor für eine undifferenzierte Diffamierung von 700.000 Muslimen weit auf. Angesichts des sensiblen Themas sollte ein Kanzlerkandidat hier sorgfältig auf seine Worte achten, denn die überwältigende Mehrheit dieser Mitbürger steht radikalen Gruppen und Terror genauso fassungslos gegenüber wie der "autochthone" Österreicher.

Kurz’ europapolitische Ansichten konzentrieren sich stark auf Sicherheit (Schutz der EU-Außengrenzen). Das ist richtig, aber auch nur ein kleiner Ausschnitt dessen, was Europa in Zukunft leisten muss, um Wettbewerbsfähigkeit, Wohlstand und Freiheit (auch in Österreich) zu sichern.

Kurzum, die vom ÖVP-Obmann geäußerten Ansichten stehen oftmals im Gegensatz zu den erhofften Zielen, die in ÖVP-Programmen mit "Aufbruch und Wohlstand" oder neue "Gerechtigkeit und Verantwortung" beschrieben werden. Es bleiben 14 Tage, diese Diskrepanz aufzuklären.




20 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-09-29 16:03:11
Letzte nderung am 2017-09-29 16:12:37



Österreich hat gewählt

Hier finden Sie die Ergebnisse aus allen Bundesländern
Zu den Ergebnissen


Werbung



Wissenswertes zur Nationalratswahl 2017 in unserem Live-Blog. Zum Wahl-Blog


Analyse

Über die Türkisen*

Harald Mahrer, Geboren 1973, Studium der Betriebswirtschaft an der WU Wien, ÖH-Vorsitzender WU, Unternehmer im PR-Bereich, Minister seit Mai 2017. Am 17. April 1945, da kämpften in Wien noch die letzten Nazis gegen die heranmarschierende Rote Armee, trafen sich sechs Männer im Schottenstift und... weiter




NRW2017

Über die Blauen

Ob die Freiheitlichen das Land mitregieren können oder sollen, ja, ob sie überhaupt dürfen sollen: Diese Frage polarisiert die Republik wie kaum eine... weiter




NRW17

Über die Roten

1919 zogen die ersten weiblichen Abgeordneten der Sozialdemokratie ins Parlament ein: 1. Reihe: Adelheid Popp, Anna Boschek 2. Reihe: Gabriele Proft, Therese Schlesinger 3. Reihe: Marie Tusch, Amalie Seidel... Wenigstens darüber sind sich alle einig: Die Sozialdemokratie kann auf eine glänzende Vergangenheit verweisen, auch und vor allem in Österreich... weiter




Analyse

Über die Pinken

PK NEOS: PR€SENTATION WEITERER PLAKATSUJETS - © APAWeb / EXPA - Sebastian Pucher Werner Faymann und Michael Spindelegger: Das waren im Vorfeld der Wahlen 2013 die beiden besten Argumente für die Neos... weiter




Die Parteienlandschaft

Über die Grünen

Gemeinderat der Grünen Christoph Chorherr - © Stanislav Jenis Wien. Rettung vor dem drohenden Untergang: Das ist seit jeher das politische Versprechen der Grünen. Dabei kann die Erlösung auf zwei Wegen erfolgen:... weiter







Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Zum Kompromiss verdammt
  2. "Man will alles schnell und sofort - auch Veränderung"
  3. Kogler startet "Projekt Wiedereinzug"
  4. FPÖ will Innenministerium
  5. Starkes Stadt-Land-Gefälle
Meistkommentiert
  1. Ein 100.000 Euro Angebot?
  2. Kern und Kurz schenkten sich (fast) nichts
  3. Start-Ziel-Sieg für Kurz
  4. Wenn das Volk begehrt
  5. Schlagabtausch in der Causa Silberstein


Werbung


Werbung