• vom 13.10.2017, 21:21 Uhr

Nationalratswahl

Update: 13.10.2017, 21:23 Uhr

Liste Pilz

"Wir sind die Alternative"




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Von Martina Madner

  • Mit seinem Team und Sympathisanten feiert Peter Pilz einen "wunderbaren Wahlkampf" vor dem Parlament, in das er nach den Wahlen einzuziehen glaubt.

Pilz selbst meint jedenfalls: "Außerdem sind wir die Alternative für die nächste Nationalratswahl."

Pilz selbst meint jedenfalls: "Außerdem sind wir die Alternative für die nächste Nationalratswahl."© Foto: Martina Madner Pilz selbst meint jedenfalls: "Außerdem sind wir die Alternative für die nächste Nationalratswahl."© Foto: Martina Madner

Einmal noch geht Peter Pilz in seinem "transparentesten und billigsten Wahlkampf mit dem tollsten und besten Team, mit dem er je gearbeitet hat", links vor dem historischen Parlament in die Offensive: "Es wird zwar die richtige Regierung abgewählt, aber kriegen werden wir die Falsche." Wegen der FPÖ als Beteiligte der künftigen Regierung sei es umso wichtiger, dass seine Liste "als gut funktionierende Kontrolle" ins Parlament einzieht.

Genau das ist auch das Motiv einer Sympatisantin, die zur Pilzschen Abschluss-Kundgebung gekommen ist. Anna Milan sieht in der Liste Pilz "die neue Bewegung, die mit dem alten Filz abrechnen wird". Er sei schon bislang eine Instanz gewesen, wird das auch künftig sei, sagt sie. Wem sie vor Pilz ihre Stimme gegeben hat, will diese Wählerin nicht sagen. Da ist Robert Fuchs offener, mal seien es die Grünen gewesen, "ich war ja ein alter Aktivist, bei der Anti-AKW-Bewegung". Mal auch die SPÖ, "die habe ich gewählt, um Schlimmeres zu verhindern. Und dann haben sie die Schlüsselministerium laufend mehr aus der Hand gegeben, um an der Macht zu bleiben", sagt er enttäuscht. Vor dem Parlament verteilt er Flyer für die Liste Pilz, ist vom Spitzenkandidaten überzeugt: "Das ist ein Mann mit Handschlagqualität, ein Segen für die zweite Republik." Als Fuchs dem schnell 50 Euro zustecken will, als der von den wenigen Mittel spricht, die man im Wahlkampf zur Verfügung gehabt habe, "gerade mal für ein Plakat", was man mit Engagement wett gemacht habe, lehnt das der Pilz ab. Spenden könne man nur auf offiziellem Wege. Dabei will Fuchs das Geld wirklich anbringen, aber auch Bruno Rossmann sieht etwas ratlos drein, auf den Pilz "als unseren Finanzexperten" verweist.

Der Anfang einer Alternative

Pilz selbst meint jedenfalls: "Außerdem sind wir die Alternative für die nächste Nationalratswahl." Die gelte es in den kommenden fünf Jahren im Parlament vorzubereiten. Vom Umweltschutz redet er zwar nicht. Trotzdem hofft Richard Frisch darauf, dass die Liste es auch bei diesem Thema ist. Und zwar zu den Grünen.

Frisch ist hier, weil er als Alt-68er zu Pilz eine "Ursolidarität" habe, aber auch weil er mit seinen Inhalten grundsätzlich übereinstimme. Als Biologe gehöre einer Generation an, die den Umweltschutz groß gemacht habe. Das vermisst er bei den Grünen heute. "Das Problem ist, dass sie das immer mit anderen Themen vermischen, mit Migration, der Genderpolitik." Das komme auch in den Bundesländern nicht gut an. "Außerdem fehlt den Grünen heute die Fachkompetenz. Wo sind denn die Biologen und Naturwissenschaftler in der Partei." Auch wenn sich Frisch nicht mehr im passenden Alter sieht ¬- er scheint angehender Pensionist zu sein -, um sich aktiv in die Politik einzubringen, sagt er: "Wir fangen damit nun wieder an." Das Team als Programm Pilz scheint viele von anderen enttäuschte Hoffnungen einzusammeln, dabei bleibt er bei den Inhalten oft vage. Parteiprogramm gibt es keines, "die sind das Altpapier von morgen", sagt er. Sein Team, darunter Konsumentenschützer Peter Kolba, die Alleinerziehende Maria Stern und der Rechtsanwalt Alfred Noll, sei zugleich das Programm, sagt Pilz, es stehe "für Freiheit und für Gerechtigkeit".

Im Sommer sei man noch zu viert im Wohnzimmer gesessen, und habe sich die Frage gestellt, ob man ins Parlament kommen könne. Damals lautete die Antwort: "Ja, vielleicht". Im Laufe des Wahlkampfes hätten die vier viele weitere Verbündete gefunden, nicht nur Parlamentarier wie zum Beispiel den früheren grünen Budget- und Steuerrechtsexperte Bruno Rossmann oder die SPÖ-Rebellin Daniela Holzinger, sondern "die Menschen, die eine Veränderung wollen".

Thematisch interpretationsfähig

Solche vermisst Merith Streicher vor allem im Bildungswesen. Sie ist von der SPÖ enttäuscht, "dabei bin ich von klein auf bei den Kinderfreunden sozialisiert worden", sagt sie. Aber: "Die SPÖ von heute ist nicht mehr die Sozialdemokratie mit den Ideen von damals." Als Bildungswissenschaftlerin hofft sie, dass Pilz das Bildungsthema an die erste Stelle setzt. "Ich kenne ihn als Menschen mit Umsetzungscharakter", sagt sie.

Aysel S. wiederum ist das Auftreten des Kandidaten gegen Nationalismus, "egal welcher Art, auch gegen den türkischen wichtig. Nationalismus ist keine Frage der Kultur, es gibt immer mehr Nationalismus, auch unter Migranten ". Da sie in den sozialen Medien bereits mehrmals Drohungen "von Erdogan-Gläubigen" erhalten habe, will sie nicht mit vollem Namen aufscheinen. Pilz wählt sie, "weil jemand zu diesen Vereinen, die Hetze betreiben, endlich Stopp sagen muss."

Wofür er letztlich kämpfen wird, sagt Pilz an diesem Tag nicht ausführlich. Er erwähnt nochmals die Unterhaltsgarantie für Alleinerziehende, die man 70.000 Eltern und Kindern genützt hätte: "Das hätten wir fast geschafft", sagt er. Maria Stern, die das Thema zur Liste gebracht hat, ist auch ganz begeistern, dass es im Nationalrat breit diskutiert wurde, auch wenn das Gesetz letztlich keine Mehrheit fand.

"Aber vielleicht müssen wir so nach der Wahl weniger Kompromisse eingehen", sagt sie optimistisch. Nun ja, Pilz nennt jedenfalls die ÖVP als Schuldige: "Das ist eben eine Partei, die erst viel verspricht, es aber, wenn es ernst wird, nicht hält, sondern lieber den Sozialstaat abschaffen will." Versöhnlicher Ausklang An sein Umfeld gerichtet sagt Pilz: "Es war ein wunderbarer Wahlkampf. Wir haben keine Schmutzkübel angefüllt", sagt er auch – wohl aber seinen Bauch, nicht mit Schnaps, "da waren insgesamt nur vier wirklich unausweichlich." Anders bei regionaler Küche, die konnte und wollte er nicht ablehnen: "Es ist unfassbar, wie viel ich gegessen habe." Ab Montag esse er gar nichts, zumindest aber nicht mehr als Salat, Fruchtsaft und Wasser.

Davor aber noch das wichtigste Anliegen: "Jetzt lassen wir uns halt wählen, ich gehe davon aus, dass wir das schaffen", sagt Pilz.

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