• vom 15.09.2012, 10:26 Uhr

Weltchronik

Update: 15.09.2012, 10:30 Uhr
  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Seuche sucht Westafrika heim

Mit der Regenflut kam die Cholera


Von Carola Frentzen und Kate Thomas (dpa)

  • Miserable hygienischen Zustände begünstigen die Verbreitung der Erreger.

Slum in Freetown: Die Cholera verbreitet sich über verseuchtes Trinkwasser. - APAweb / Reuters / Simon Akam

Slum in Freetown: Die Cholera verbreitet sich über verseuchtes Trinkwasser. APAweb / Reuters / Simon Akam

Addis Abeba/Dakar. Die Cholera ist eine schreckliche Krankheit. Wer von ihr befallen wird, verliert jegliche Flüssigkeit im Körper, leidet unter massivem Durchfall und Erbrechen - und trocknet schließlich aus. Viele rafft das Virus in 24 bis 48 Stunden dahin.

Jetzt geht die Angst in West- und Zentralafrika um, nachdem dort ungewöhnlich starker Regen zu Überflutungen geführt hat. Denn die Cholera wird durch den Erreger Vibrio cholerae übertragen, der vor allem mit verseuchtem Trinkwasser aufgenommen wird. Und in vielen armen Ländern gibt es nach wie vor keine Trennung zwischen Trinkwasser- und Abwassersystemen.

Slums überschwemmt

In der Region sind seit Anfang des Jahres bereits über 55.000 Menschen erkrankt - das sind 34 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum 2011. Etwa 1.100 überlebten die Epidemie nicht. Betroffen sind 15 Staaten, darunter Sierra Leona, Guinea, Liberia, Teile der Republik Kongo und der Demokratischen Republik Kongo sowie zuletzt auch Nigeria und Niger. Der starke Regen hatte zuvor zahlreiche Slums überschwemmt.

Die Cholera schlägt vor allem in dicht besiedelten Gebieten zu, in denen die hygienischen Zustände schlecht sind. Von dort greift sie auf ländliche Regionen über. "Wenn viele Menschen auf engem Raum leben, breiten sich Krankheiten schnell aus", musste auch der 21-jährige Moustapha aus Guinea am eigenen Leib erfahren. "Zuerst hat sich mein Cousin mit der Cholera infiziert und dann ich."

Dabei war Moustapha von seinem Heimatort Beyla in Guinea's östlichen Waldgebieten in die Hauptstadt Conakry gekommen, um dort ein neues, ein besseres Leben zu beginnen. Er wollte endlich ein eigenes Haus haben, mit Strom und fließendem Wasser, er wollte einen gut bezahlten Job und Zugang zu Gesundheitsversorgung. Dass er schon wenige Wochen später mit schwerem Durchfall im Bett liegen würde, damit hatte er nicht gerechnet. Glücklicherweise fand er eine Klinik, die ihm helfen konnte - er wurde geheilt.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) haben sich in der derzeitigen Regenzeit allein in Guinea 3.500 Menschen mit der Krankheit infiziert. Im benachbarten Sierra Leone sind es sogar 16.000. Die Epidemie brach in der Hauptstadt Freetown aus und verbreitete sich von dort über fast alle Landesteile.

Millionen Tote in Europa

Glücklicherweise kann die Cholera heute behandelt werden. In der westlichen Welt kommt sie kaum noch vor. Das war nicht immer so. Früher wütete die Krankheit oft jahrelang und tötete Millionen Menschen, so bei der großen asiatischen Pandemie von 1817 bis 1823 und von 1826 bis 1837, als sie sich von Ostasien sogar bis in die USA verbreitete.

Auch in Europa fielen ab 1830 unzählige Menschen verheerenden Seuchenwellen zum Opfer. So berüchtigt ist die Seuche, dass sie sogar im Mittelpunkt von Romanen und Filmen steht, etwa in Thomas Manns "Tod in Venedig" und in William Somerset Maughams "Der bunte Schleier", der den Kampf eines Arztes gegen die Cholera im China der 1920er Jahre beschreibt. Am Ende stirbt der Mediziner selbst daran.

Therapie mit Antibiotika und Elektrolyten

Was können Ärzte heute tun? Zunächst muss der Flüssigkeitsverlust durch Elektrolytlösungen ausgeglichen werden, die über den Mund oder durch Infusion verabreicht werden können. Zudem wird häufig eine antibiotische Therapie eingesetzt, die die Behandlungszeit deutlich verringern kann. In Afrika ist jetzt schnelles Handeln nötig, um eine Katastrophe noch abzuwenden. Denn in den schwer zugänglichen, entlegenen Regionen des Kontinents kommt die Hilfe oft zu spät.

"Die Regierungen müssen den Notstand ausrufen", forderte zuletzt WHO-Afrikadirektor Luis Sambo. Nur so könne die rasche Hilfe der internationalen Partner gewährleistet werden. Zudem müssten die Gesundheitsbehörden der verschiedenen Länder verstärkt zusammenarbeiten, um die Seuche zu besiegen.




Schlagwörter

Afrika, Seuche, Cholera

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-09-15 10:27:39
Letzte Änderung am 2012-09-15 10:30:53


Chansonnier und Komponist

Trauer um Georges Moustaki

20130523MOUSTAKI - APAweb / EPA/NABIL MOUNZER Paris. Georges Moustaki ist tot. Der berühmte Chansonnier, Schöpfer von Welterfolgen wie "Milord", starb im Alter von 79 Jahren... weiter




"The Doors"-Fans trauern

Ray Manzarek ist tot

20130521manzarek -  EPA/Jan Dzban Ray Manzarek ist tot. Der Organist der US-Band "The Doors" starb in einer Klinik im bayrischen Rosenheim im Alter von 74 Jahren... weiter




Filmemacher starb Horst Königstein im Alter von 67 Jahren in Hamburg

Abschied vom Pionier des Doku-Dramas

Die Manns "Die Manns" und "Speer und Er" tragen seine Handschrift: Horst Königstein, der renommierte Filmemacher und Pionier des Doku-Dramas, ist tot... weiter




Nach der Fußball-Laufbahn wurde er zum Star in der NFL

Ex-Teamspieler Toni Linhart gestorben

Toni Linhart Der ehemalige österreichische Fußball-Teamspieler und NFL-Profi Toni Linhart ist tot. Wie der österreichische Fußballbund (ÖFB) auf seiner Website... weiter




Unglück beim Training für den America's Cup

Olympiasieger Simpson verunglückt

20130510simpson - APAweb / AP, Noah Berger San Francisco. Der Segel-Sport trägt Trauer: Der britische Olympiasieger Andrew "Bart" Simpson ist am Donnerstag bei einem Trainingsunfall in der... weiter



Werbung



Beliebte Inhalte



In Syrien gefallener Hisbollah- Kämpfer wird im Libanon zu Grabe getragen. - reuters
  • Aufhebung des Waffen-Embargos für Syrien: EU streitet, Faymann droht.
  • weiter

Trümmerfeld in Al-Qusayr – die Stadt hat das Pech, strategisch wichtig zu sein. - APAweb / AP / Qusair Lens
  • Deutscher Geheimdienst sieht Assad-Truppen auf der Siegerstraße.
  • weiter

Die laufende Erprobung im Ernstfall beschert Israels Waffenproduzenten einen Vorteil. - ap
  • Armee ist Teil des Bildungsapparats und mit Gesellschaft eng verzahnt.
  • weiter

  • Justizausschuss im Senat gibt parteiübergreifend grünes Licht.
  • weiter

Kinder wühlen im Dreck - sie suchen nach Metall, Plastik und sonstig Verwertbarem. - epa/Carlos Palma
  • Infektionskrankheiten, Panik vor Luftangriffen und Kriminalität.
  • weiter

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan will ein härteres Vorgehen gegen Syrien. - APAweb / Reuters, Umit Bektas
  • USA setzen auf politische Lösung.
  • weiter

Trümmerfeld in Al-Qusayr – die Stadt hat das Pech, strategisch wichtig zu sein. - APAweb / AP / Qusair Lens
  • Deutscher Geheimdienst sieht Assad-Truppen auf der Siegerstraße.
  • weiter

PKK-Mitglieder sammeln Unterschriften für die Freilassung Öcalans am Fuße der Zitadelle in Erbil. - sven
  • Syrien-Konflikt beflügelt Frieden zwischen Kurden und Türken.
  • weiter

Dominik N. und zwei Finnen sind frei. - APAweb / APA, Robert Jäger
  • Dominik N. wird im Heeresspital betreut.
  • weiter

Brot für Deir al-Zor. Ein junges Mädchen verkauft an einer zerstörten Straßenecke Brot. - reuters
  • Zahl der Kriegsopfer und Flüchtlinge droht die Helfer zu überfordern.
  • weiter




Umfrage

Werbung


Chondrocladia lyra, ein fleischfressender Schwamm, lebt über drei Kilometer tief im Pazifik vor der Küste von Kalifornien. Die Art wurde von der Universität von Arizona in Tempe (USA) für die Liste der skurrilsten Entdeckungen 2012 ausgewählt.

Nach Sony (PlayStaion 4) und Nintendo (WiiU) hat nun auch Microsoft seine Vision der zukünftigen Spielkonsolenwelt vorgestellt. Kinect Group Program Manager Scott Evans demonstrierte bei der Präsentation der "Xbox One" gleich einmal den neuen Kinect-Sensor, der nun nicht mehr als Zubehör erhältlich sein wird, sondern fix im Lieferumfang enthalten sein wird. Mailands "neubabylonischer" Hauptbahhnhof

Frankreich: Amandine Bourgeois - "L'enfer et moi" Der Teil einer Installation des pakistanischen Künstlers von Imran Qureshi im Metropolitan Museum in New York.

Werbung