Diesen Sommer tauchte ein Youtube-Video auf, das zeigt, wie die Taliban eine Frau öffentlich hinrichten. Sie musste sterben, weil ihr eine außereheliche Beziehung nachgesagt wurde. Es war bereits die elfte öffentliche Exekution einer Frau in dem Distrikt seit März, wie ein Vertreter der Lokalregierung sagt.
30 Polizisten auf aussichtslosem Posten
"Schauen Sie sich an, wie brutal sie die Frau getötet haben", bemerkt ein Polizist, als er das Video auf seinem Handy abspielt. Seinen Namen will er nicht nennen. "Wir wissen alle, wo diese Mörder und Täter sind, aber wir können da nicht einfach hingehen und sie festnehmen."
Nicht einmal 30 Polizisten zähle die Distrikthauptstadt. Dörfer im Umland zu sichern, sei da kaum möglich. In den vergangenen 18 Monaten seien nur vier Talibankämpfer in der Region gefasst worden, erzählt der Polizist. "Wir kontrollieren lediglich sieben Dörfer in der Nähe der Distrikthauptstadt. Die restlichen Dörfer sind unter der Kontrolle der Taliban. Wir denken nicht einmal daran, dort hinzugehen", sagt er. Auch der Einfluss der Lokalregierung reiche nicht über die Distrikthauptstadt hinaus.
"Alle gehen zu den Taliban"
Kein einziger Zivilist habe in den vergangenen drei Jahren den Gouverneurssitz betreten, um Hilfe zu erbitten. "Niemand kommt zu uns, um seine Probleme zu lösen. Sie gehen alle zu den Taliban." Das Gelände der Regierung ist von Stacheldraht umgeben, Sandsäcke türmen sich entlang der Außenmauern. Im Inneren finden sich die Narben vergangener Kämpfe: ausgebombte Polizeiautos und zerschossene Fassaden. "Mehr als 20 Mal haben wir das Fensterglas des Gouverneurssitzes in einem Monat erneuert", sagt der Polizist.
In den Dörfern der Umgebung haben die Taliban nach seinen Worten eine parallele Infrastruktur geschaffen - mit Verwaltung, Justiz und Schulen. "Aus irgendeinem Grund werden ihre Lehrer besser und pünktlich bezahlt." Die Taliban hätten sogar eigene Lehrpläne. "Die Mädchenschulen wurden geschlossen", fügt er hinzu.
Die Bevölkerung unterstütze die Taliban, räumt Roshana Chalid, die Sprecherin des Gouverneurs der Provinz Parwan, ein. "Leider haben die Dorfbewohner in den vergangenen 40 Jahren keine Bildung genossen." Nun gewönnen die Taliban sie mit Lügen für sich. "Ihnen wurde gesagt, dass der Islam in Gefahr ist."
120 Euro im Monat
Nach einer Militäroperation afghanischer und ausländischer Truppen in der Region im Juni verschwanden die Taliban für einige Zeit, erzählt Chalid. Doch sie kamen zurück. "Wir haben nicht genug Truppen, um dort eine ständige Einheit zu stationieren, die die Taliban davon abhält, zurückzukommen", sagt die Sprecherin. "Wir haben die Zentralregierung bereits zweimal gefragt. Es wurde uns versprochen, aber es ist noch nichts passiert."
Nur 8.000 Afghani monatlich verdiene er als Polizist, umgerechnet sind das gerade einmal 120 Euro, erzählt einer der Beamten in Shinwari. Seit Monaten habe er keinen freien Tag mehr gehabt. "Ich bin so müde. Mein Leben ist schrecklich. Ich denke ständig an den Tod." Sein Blick in die Zukunft ist düster: "Wenn es so weitergeht, dann laufen wir vielleicht bald selbst zu den Taliban über."
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