
Washington/Los Angeles/Berlin. Die gewalttätigen Proteste gegen den Mohammed-Schmähfilm ebten am Sonntag langsam ab. Während in Afghanistan die radikal-islamische Al-Kaida Muslime weltweit zu weiteren Angriffen auf Botschaften und Diplomaten der USA aufriefen, verurteilten viele arabische Medien die Krawalle, die in Libyen, Tunesien, dem Jemen, dem Sudan und anderen Ländern mindestens 15 Menschen das Leben gekostet hatten. "Die Wut hat den Verstand besiegt", hieß es etwa in der ägyptischen Zeitung "Al-Shorouk".
US-Präsident Barack Obama rechnet angesichts der zahlreichen Todesopfer mit einer "anhaltenden Krise mit unvorhersehbaren diplomatischen und politischen Konsequenzen". Nicht nur islamistische Scharfmacher, auch rechtsradikale Aktivisten versuchen, den Schmähfilm "Die Unschuld der Muslime" für ihre Zwecke zu nutzen.
Deutscher Innenminister will Aufführung des Schmähfilms verbieten
In Deutschland etwa hat die rechtspopulistische Splitterpartei "Pro Deutschland" angekündigt, den provokanten Schmähfilm über den Propheten Mohammed in Berlin in voller Länge zu zeigen. Das will die deutsche Bundesregierung will unbedingt verhindern. "Dagegen muss man mit allen rechtlich zulässigen Mitteln vorgehen", sagte Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) dem Magazin "Der Spiegel".
Das ausschnittweise auf Youtube veröffentlichte Video aus den USA hatte in den vergangenen Tagen wütende antiwestliche Proteste in der islamischen Welt entfacht. In Libyen starben beim Sturm auf die US-Vertretung von Benghazi vier Diplomaten. Nach dem Freitagsgebet griff im sudanesischen Khartum eine aufgebrachte Menge auch die deutsche Botschaft an und steckte sie teilweise in Brand.
Der Weltsicherheitsrat rief die betroffenen Staaten auf, ihren internationalen Verpflichtungen zum Schutz der Missionen nachzukommen. "Die fundamentalen Prinzipien müssen gewahrt bleiben", sagte der deutsche UN-Botschafter Peter Wittig, der in diesem Monat Präsident des Gremiums ist. "Wir sind in tiefer Sorge wegen dieser Angriffe."
Der Vorsitzende des Auswärtigen Bundestags-Ausschusses, Ruprecht Polenz, forderte eine Bestrafung der Angreifer von Khartum. "Die sudanesische Regierung muss aufklären, wer zu den Übergriffen aufgestachelt hat, und die Verantwortlichen vor ein Gericht stellen", sagte der CDU-Politiker der "Neuen Osnabrücker Zeitung".
Nebel um islamfeindlichen Film lichtet sich
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