Moskau. Das vor 30 Jahren nach einer Havarie in arktischen Gewässern versenkte, sowjetische Atom-U-Boot K-27 ist eine Umwelt-"Zeitbombe" und muss dringend gehoben werden. Zu diesem Ergebnis kamen Experten einer Expedition zu der Versenkungsstelle laut einem am Dienstag auf dem norwegisch-russischen Info-Portal "Barents-Observer veröffentlichten Bericht.

Das U-Boot K-27 war nach einem schweren Störfall im Jahr 1968, bei dem Radioaktivität freigesetzt und neun Besatzungsmitglieder bei Reparaturversuchen tödlich verstrahlt wurden, eineinhalb Jahrzehnte vor Anker gelegen. 1982 wurde es östlich der Insel Nowaja Zemlija in rund 30 Meter Tiefe versenkt. Dies galt damals als die sicherste Methode, weitere Verstrahlung der Umwelt zu verhindern.
Die K-27 befand sich bei ihrem Unfall noch im Probebetrieb. Das Unterseeboot war mit einer damals neuartigen Flüssigmetallkühlung für die Bordreaktoren ausgestattet. Die Technik wurde in verbesserter Form später auch bei Atom-U-Booten der sogenannten Alfa-Klasse verwendet.
Systematische Entsorgung
Die noch existierenden U-Boote dieser Bauart werden derzeit auf der rund 350 Kilometer östlich von Murmansk gelegenen Basis Gremicha im Rahmen eines international finanzierten Sanierungsprojekts systematisch entsorgt. Davor waren Dutzende sowjetische Atom-U-Boote jahrzehntelang entlang der Nordwestküste der Halbinsel Kola vor sich hingerostet.
Die Kosten für die Entsorgung des U-Bootschrotts werden auf "-zig" Millionen Euro geschätzt. Zu den internationalen Geldgebern zählen Frankreich, Norwegen sowie die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD). Letztere unterstützt das Sanierungsprojekt in Gremicha laut "Barents Observer" mit zwölf Millionen Euro.
Die norwegischen Forscher stellten fest, dass die im Jahr 1982 von den Sowjet-Technikern installierte, provisorische Dichtung bis heute gehalten hat. Die Werte radioaktiven Cäsiums 137 liegen laut der Expeditionsteilnehmerin Hilde Elise Heldal unter fünf Becquerel/Kilogramm und damit unter jenen, die bei der vorangegangenen Expedition zum Wrack der K-27 vor 18 Jahren gemessen worden waren. Heldal versicherte auch vor Journalisten, dass der Rumpf der K-27 derzeit in gutem Zustand sei und keinerlei Rost- oder sonstige Schäden am Rumpf des Wracks von außen sichtbar waren.
Im September war ein Bericht des russischen Umweltministeriums an die Öffentlichkeit gelangt, wonach die nukleare Sicherheit des versenkten U-Bootes nicht mehr gewährleistet sei. Eindringendes Wasser könnte früher oder später eine nicht kontrollierbare nukleare Kettenreaktion verursachen, heißt es darin laut Presseberichten. Es drohe eine atomare Umweltkatastrophe. Daher müsse die K-27 bis 2014 gehoben und die in Metallblöcken eingegossenen Brennstäbe entsorgt werden.
Zu einem ähnlichen Ergebnis kam ein anonymer Mitarbeiter des Gremicha-Projekts. "Wir sind teilweise unter Zeitdruck", zitierte der "Barents-Observer" den Atomspezialisten, "die Ausrüstung zur Entladung der Reaktorkerne wird abgenützt, wenn man nichts unternimmt. K-27 ist das letzte noch existierende U-Boot mit derartigen Reaktoren und wenn es nicht bald zur Zerlegung geborgen wird, könnte es zu spät sein."
Hebung laut Experten technisch möglich
Laut den norwegischen Experten ist eine Hebung und Bergung des Wracks technisch möglich, aber teuer. Russland versuche nun, internationale Aufmerksamkeit für das Problem zu erregen und finanzielle Unterstützungen zu erhalten. Norwegen hat bereits vor zwei Wochen angedeutet, die russischen Behörden bei der Hebung und Entsorgung der K-27 unterstützen zu wollen.
Ähnliche Probleme bereitet ein weiteres Untersee-Wrack, die K-159. Diese sank 2003 in der Barentssee bei einem Abschleppversuch. Auch dabei kamen neun Seeleute ums Leben. Der deutsche Sender ARD, der am Dienstagabend in einer Sendung des "Report Mainz" auf die nuklearen Gefahren durch gesunkene Sowjet-U-Boote aufmerksam gemacht hatte, zeigte Fotos von einer Expedition aus dem Jahr 2007. Darauf sind offene Luken und große Löcher im Rumpf der K-159 zu sehen. Russland hatte vor fünf Jahren daraufhin angekündigt, das Wrack aus 240 Meter Tiefe bergen zu wollen. Bisher ist die Bergung aber nicht erfolgt.
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