Travis Beard, 36, verschlug es vor sechs Jahren als Fotojournalist nach Afghanistan. Der Australier mit dem wilden Haarschnitt verliebte sich in das Land und seine Bevölkerung und setzt seither jungen Afghaninnen und Afghanen Flausen in den Kopf. Sein letzter Coup ist das "Sound Central Festival", ein Festival alternativer Musik. Bis vor kurzem noch im Untergrund, wird es dieses Jahr erstmals inklusive Datum und Ort öffentlich angekündigt. Mit der "Wiener Zeitung" sprach Beard über die Gefahren dieses Unterfangens, Kultur in Afghanistan und den Abzug der internationalen Truppen.

"Wiener Zeitung": Was haben die Afghanen an sich, dass Sie für sie Ihr Leben riskieren?
Travis Beard (lacht) Das ist eine gute Frage. Nun, ich finde ja nicht, dass ich mein Leben riskiere. Ich würde eher sagen, ich stelle mich ein paar Herausforderungen. Wir hatten während unserer sechsjährigen Tätigkeit zudem keinen einzigen Sicherheitszwischenfall. Klar ist, dass Afghanistan nach Jahren der Unterdrückung seinen kulturellen Horizont erweitern muss. Es gibt eine Menge sehr talentierter und enthusiastischer Afghanen, die einer Förderung bedürfen. Wenn man sie neuen Stilen aussetzt, können sie viel davon absorbieren und für sich selbst verwenden.
Wo finden Ihre Veranstaltungen statt?
Aufgrund der positiven Antwort auf unsere Projekte hatten wir den Plan, neben dem Festival in Kabul in die fünf Städte Herat, Mazar-i-Sharif, Jalalabad, Kandahar und Bamyan zu expandieren. Es mangelt jedoch hauptsächlich an Sponsoren. Letztes Jahr wurden wir noch großzügig von hauptsächlich westlichen Botschaften unterstützt. Den Abzug merkt man auch hier: Gelder und Unterstützung für kulturelle Projekte wurden drastisch gestrichen. Deshalb setzen wir in Zukunft auf Unterstützung durch lokale, aber auch internationale Firmen. Diese haben ein langfristiges Interesse, so wie wir. Das Festival soll zu einem jährlichen Fixpunkt am afghanischen Kulturkalender werden.
Wie garantieren Sie die Sicherheit Ihrer Besucher?
Wir sind aufgrund unserer bisherigen Erfahrung zuversichtlich, dass das Event ohne Zwischenfälle ablaufen wird. Kabul ist ein wenig wie eine Blase - die Sicherheit ist verglichen zu den afghanischen Regionen besser und generell wird hier mehr akzeptiert. Die Gigs sind zwar Open Air, aber dennoch auf einem gesicherten Gelände. Wie denn auch anders: In Kabul ist alles von Mauern umgeben. Einfach auf der Straße zu spielen oder in einem Park wäre unmöglich.

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