• vom 27.06.2013, 20:20 Uhr

Weltchronik

Update: 27.06.2013, 21:55 Uhr

Terrorismus

Boston-Attentäter formell angeklagt




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  • Anklage umfasst 30 Punkte
  • Verlesung der Anklageschrift am 10. Juli.

Boston-Attentäter Dzhokhar Tsarnaev ist formell angeklagt worden

Boston-Attentäter Dzhokhar Tsarnaev ist formell angeklagt worden© APAweb / Reuters, FBI Boston-Attentäter Dzhokhar Tsarnaev ist formell angeklagt worden© APAweb / Reuters, FBI

Boston. Der überlebende mutmaßliche Bombenattentäter vom Bostoner Marathonlauf, Dzhokhar Tsarnaev, ist wegen vierfachen Mords und des Gebrauchs einer Massenvernichtungswaffe angeklagt worden. Eine sogenannte Grand Jury aus Laienrichtern habe Tsarnaev insgesamt 30 Anklagepunkte zur Last gelegt, teilte die Bundesstaatsanwaltschaft in der US-Ostküstenstadt am Donnerstag mit. Allein auf 17 der Anklagepunkte stünden die Todesstrafe oder lebenslange Haft.

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Der 19-jährige Tsarnaev soll gemeinsam mit seinem 26-jährigen Bruder Tamerlan zwei Bomben im Zieleinlauf des Bostoner Marathons gelegt haben. Bei dem Anschlag Mitte April wurden drei Menschen getötet und mehr als 260 weitere verletzt. Auf ihrer Flucht sollen die aus einer tschetschenischen Familie stammenden Brüder außerdem einen Polizisten erschossen haben.

Bruder bei Verfolgungsjagd getötet

Die Ermittler kamen Tamerlan und Dzhokhar Tsarnaev durch Videoaufnahmen auf die Spur, die Überwachungskameras am Anschlagsort gemacht hatten. Der ältere Bruder wurde wenige Tage nach der Attacke bei einer nächtlichen Verfolgungsjagd mit der Polizei getötet. Dzhokhar Tsarnaev wurde kurz darauf schwer verletzt gefasst.

Die Ermittler vermuten einen radikalislamischen Hintergrund. Ende April hatte die US-Justiz ein Strafverfahren gegen den jüngeren Tsarnaev eingeleitet. Eine Grand Jury entschied nun, dass die Beweise gegen den mutmaßlichen Attentäter für eine Anklage ausreichen. Am 10. Juli soll er zur Verlesung der Anklage erstmals vor Gericht erscheinen, wie die Staatsanwaltschaft am Donnerstag erklärte.

Bomben selbst gebastelt
In der Anklageschrift wird Tsarnaev vorgeworfen, spätestens ab Februar dieses Jahres gemeinsam mit seinem Bruder einen Bombenanschlag geplant zu haben. Am 15. April hätten die Brüder dann zwei Sprengsätze inmitten der jubelnden Menge beim Bostoner Marathon gelegt und diese im Abstand von wenigen Sekunden gezündet. Die Bomben bauten die beiden den Angaben zufolge selbst aus Schnellkochtöpfen, Schwarzpulver und Splittern zusammen.

Als die Bundespolizei FBI die Fahndungsfotos der Verdächtigen veröffentlichte, seien die Tsarnaev-Brüder am 18. April mit fünf weiteren Sprengsätze, einer halbautomatischen Pistole, einer Machete sowie einem Jagdmesser zum Campus der Universität MIT gefahren. Dort hätten sie den Polizisten Sean Collier erschossen, heißt es in der Anklageschrift. Anschließend hätten die Brüder einen Mercedes gestohlen, den Fahrer entführt und ausgeraubt.

Bruder mit Auto überfahren

Nachdem ihre Geisel flüchten konnte, sollen Tamerlan und Dzhokhar Tsarnaev sich den Angaben zufolge eine Schießerei mit Polizisten geliefert haben. Dabei hätten die Brüder vier weitere Bomben auf die Beamten geworfen. Dzhokhar Tsarnaev habe dann auf der Flucht seinen Bruder mit dem Mercedes überfahren. Anschließend habe sich der 19-Jährige im Bostoner Vorort Watertown in einem Boot versteckt, wo er am darauffolgenden Abend festgenommen worden sei.

Bei der Suche nach einem Motiv hatte das FBI vor allem eine sechsmonatige Kaukasus-Reise von Tamerlan Tsarnaev im vergangenen Jahr unter die Lupe genommen. Dort könnte der ältere Bruder mit radikalen Islamisten in Kontakt gestanden haben. Die US-Behörden gehen aber davon aus, dass die Attentäter allein handelten.

Tsarnaev soll Medienberichten zufolge vor seiner Festnahme in seinem Versteck ein Bekennerschreiben verfasst haben. Er habe den Anschlag darin als Vergeltung für US-Militäreinsätze im Irak und in Afghanistan bezeichnet. "Wer einen Muslim angreift, greift alle Muslime an", soll der 19-Jährige an die Innenwand des Boots gekritzelt haben.




Schlagwörter

Terrorismus, USA, Boston

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2014
Dokument erstellt am 2013-06-27 20:23:09
Letzte Änderung am 2013-06-27 21:55:50


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