• vom 13.08.2013, 18:16 Uhr

Weltchronik

Update: 13.08.2013, 21:32 Uhr

Milliardär Elon Musk will Kalifornier künftig in Schwebekapseln befördern

Vision Hyperloop - schneller als ein Flugzeug




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Von WZ-Korrespondent John Dyer

  • Bisher nur als Pilotprojekt geplant - Realisierbarkeit bislang fraglich.



Boston. In San Francisco in die Röhre steigen und eine halbe Stunde später in Los Angeles ankommen - das ist die Idee von Elon Musk, der mit seinem Tesla-Elektroauto immer mehr Erfolg hat und von Ideen nur so strotzt. Er hat Pläne für eine 644 Kilometerlange Tunnelröhre entwickelt, in der mehrsitzige Passagier-Kapseln mit einer Geschwindigkeit von 1200 Stundenkilometern auf Luftkissen reibungs- und erschütterungslos zwischen den beiden kalifornischen Großstädten verkehren sollen. Das Projekt würde sechs Milliarden Dollar kosten. Derzeit plant die Regierung einen Hochgeschwindigkeitszug, der allerdings 69 Milliarden Dollar (52 Milliarden Euro) kosten soll und mit nur 320 Kilometern pro Stunde die Strecke in drei Stunden statt in knapp 30 Minuten schaffen würde.


"Käme die Idee nicht von Musk, würde ich sie einfach verwerfen", sagt Direktor Rod Diridon vom Mineta Transportation Institute in San José, ein Fachmann auf dem Gebiet der Hochgeschwindigkeitszüge. Aber Musk sei ernst zu nehmen und immer für Neuerungen gut.

Möglichst reibungslos
Die Idee des aus Südafrika stammenden Amerikaners Musk klingt bestechend einfach. Er schlägt vor, parallel zur kalifornischen Nord-Süd-Autobahn, der Interstate-5, durch das fruchtbare Central Valley eine Röhre auf Stelzen zu bauen. Darin sollen Kapseln mit Passagieren verkehren, die auf einem Luftkissen dahingleiten. Betrieben werden soll das System mit Solarenergie.

Musk erläuterte seine Idee in einem Interview mit der "Businessweek". "Die Kapsel pumpt Luft aus kleinen Löchern in Trage-Skier. Das gibt es schon häufig in der Industrie", erklärte Musk. "Man kann riesige, schwere Objekte mit geringster Reibung auf Luftkissen bewegen." Zum besseren Verständnis verweist er auf das Air Hockey: "Dabei wird ein Puck über ein Luftkissen auf dem Spielfeld geschoben." Bei Musks Idee kommt das Luftkissen aber aus der Kapsel selber.

Musk bedauerte sogleich, dass er seine Idee so frühzeitig öffentlich gemacht hat. Aber er sei ohnehin mit anderem beschäftigt. Der Unternehmer, dessen Vermögen auf sieben Milliarden Dollar geschätzt wird, schätzt die Kosten für das von ihm "Hyperloop" genannte Projekt auf sechs Milliarden Dollar (4,5 Milliarden Euro). Er selber will aber nur einen Prototyp bauen und die Ausführung anderen überlassen. Für den Prototyp habe er beim Elektroauto-Pionier Tesla und in seinem Raumfahrtunternehmen SpaceX genügend gute Ingenieure, betont er.

Silicon Valley braucht Neues
Der Gedanke für den "Hyperloop" sei ihm beim Flug von seinem Wohnort Bel Air bei Los Angeles zur Tesla-Fabrik in Palo Alto bei San Francisco gekommen, berichtet Musk. Und er sei enttäuscht gewesen, weil die Planung für die Hochgeschwindigkeitsverbindung zwischen Los Angeles und San Francisco auf alte Technik zurückgreife. "Wie kann es sein, dass wir in der Heimat des Silicon Valley und des JPL (Jet Propulsion Laboratory) - wo wir die unglaublichsten Dinge tun wie das weltweite Wissen zu indizieren oder Rover auf den Mars zu schicken - einen Schnellzug bauen, der zu den teuersten und langsamsten der Welt gehört?"

Er wolle gar nicht von Teleportation sprechen (Transport einer Person oder eines Gegenstandes von einem Ort zum anderen, ohne dabei physisch den dazwischen liegenden Raum zu durchqueren) - "das", so Musk, "soll bitte jemand anderer machen". Sondern ihm gehe es um die einzige Alternative - einer Röhre über oder unter der Erde für Höchstgeschwindigkeitstransport von Passagieren. Die Fahrt werde sich "super" anfühlen, ruhig und ohne Erschütterungen, ist der umtriebige Techniker überzeugt.

Beten für den Erfolg
Professor James Moore von der Ingenieursfakultät der Universität von Southern California erinnert daran, dass die von Musk vorgeschlagene Technik gar nicht neu sei. Den Ansatz für ein so gewaltiges System hält er allerdings für etwas naiv. Es werde nicht nur schwer sein, Investoren und Zulieferer zu finden. Auch sei unklar, wer die Regulierungen für ein solch neues System festlegen werde. "Angenommen, es wird gebaut. Wo bekommt man Teile für den Hyperloop her?" Die Welt sei voller guter Idee, "aber die meisten werden nicht verwirklicht". Rod Diridon von Mineta Transportation ist da optimistischer. "Elon Musk ist schon sehr glaubwürdig. Er hat Sachen gemacht, die unmöglich erschienen. Und wir brauchen das Unmögliche, um endlich wegzukommen vom Erdöl. Wir müssen alle für seinen Erfolg beten."



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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2013-08-13 18:20:05
Letzte Änderung am 2013-08-13 21:32:06



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