• vom 19.05.2015, 17:27 Uhr

Weltchronik


Oscar Romero

Späte Kirchenehrung für Oscar Romero




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Von Denis Düttmann

  • 1980 ermordeter Erzbischof und Anwalt der Unterdrückten wird am Samstag in El Salvador seliggesprochen.

Bettmann/Corbis/ap

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San Salvador/Vatikanstadt. (dpa) Für seine Landsleute ist er längst ein Heiliger. In einem der dunkelsten Kapitel der Geschichte von El Salvador erhob Oscar Romero seine Stimme für die Armen und Unterdrückten. In seinen Predigten wetterte der Erzbischof gegen die korrupten Eliten und die brutale Militärdiktatur. Vor 35 Jahren wurde er von einem Mitglied einer rechtsgerichteten Todesschwadron im Auftrag des damaligen Geheimdienstmajors und späteren Gründers der rechtsgerichteten Arena-Partei, Roberto D’Aubuisson Arrieta, erschossen, als er gerade die Messe las. Romera war damals 62 Jahre alt.

Wenn Romero am Samstag seliggesprochen wird, geht für seine Anhänger ein lang gehegter Traum in Erfüllung. Seit Jahren kämpften sie für die Ehrung des Bischofs. Solange die Arena-Parteiin El Salvador an der Macht war, kam das Projekt nie so recht voran. Es brauchte erst eine linksgerichtete Regierung und mit dem Argentinier Franziskus einen lateinamerikanischen Papst, um die Sache ins Rollen zu bringen.

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Zu der Seligsprechung werden hunderttausende Gläubige in San Salvador erwartet. Neun lateinamerikanische Staatschefs, fünf Kardinäle, 15 Erzbischöfe und 60 Bischöfe haben ihre Teilnahme zugesagt. Geleitet wird die Zeremonie auf dem Platz Salvador del Mundo von dem italienischen Kurienkardinal und Präfekten der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse, Angelo Amato.

"Die Welt muss auf Monsenor Romero schauen", sagte der italienische Erzbischof Vincenzo Paglia, der die Seligsprechung im Vatikan vorangetrieben hatte, kürzlich bei einem Besuch beim Grab des ermordeten Bischofs. "Er ist ein Vorbild, dem wir alle nacheifern sollten." San Salvadors Weihbischof Gregorio Rosa Chavez sagte: "El Salvador ist voll der Freude und dankt dem Papst."

Die katholische Kirche sieht Romero als Märtyrer, der aus Hass gegen den Glauben getötet wurde. Tatsächlich waren es die Putschisten, die ein halbes Jahr zuvor die Macht ergriffen hatten. Soldaten und Paramilitärs töteten im salvadorianischen Bürgerkrieg tausende Linke und Christen. "Tue etwas für dein Vaterland - töte einen Priester", war damals ein weitverbreiteter Slogan unter El Salvadors Rechten. So vergewaltigten und töteten Soldaten 1980 drei Nonnen aus den USA. 1989 verübte das salvadorianische Militär ein Massaker an Jesuiten.

Den Hass der Oligarchie zog sich Romero aber weniger wegen seines tiefen Glaubens, sondern vielmehr wegen seiner lautstarken Parteinahme für die unterdrückte Landbevölkerung auf sich. "Ihr seid kein Abfall, ihr gehört nicht an den Rand. Das Gegenteil ist der Fall: Ihr habt eine große, große Bedeutung", rief er im September 1979 den Gläubigen in einer Predigt zu.

Das Land in El Salvador befand sich damals in der Hand weniger reicher Großgrundbesitzer. Streitkräfte und Todesschwadronen unterjochten die Bauern. "Er sprach über Menschenrechte, prangerte Ungerechtigkeiten an", sagte Weihbischof Chavez in einem Interview mit dem katholischen Hilfswerk Adveniat über seinen Freund Romero. "Er sagte die Wahrheit, und das machte den Menschen Mut. Er war ein Samenkorn der Hoffnung. Niemand hat daran gezweifelt, dass dieser Mann von Gott geschickt war."

Auch mehr als 20 Jahre nach dem Ende des Bürgerkrieges stehen sich die politischen Lager in El Salvador noch immer unversöhnlich gegenüber. Mit Salvador Sanchez Ceren rückte im vergangenen Jahr ein ehemaliger Guerillakommandant an die Staatsspitze. Die rechtskonservative Arena-Partei hat aber vor allem unter Militärs und Unternehmern immer noch zahlreiche Anhänger.

"Ich glaube, dass die Gesellschaft noch immer sehr gespalten ist", sagte Generalvikar Jesus Delgado Acevedo kürzlich. "Wir erhoffen uns ein großes Wunder von Monsenor Romero: Dass er uns hilft, uns zu versöhnen, den Weg des Friedens zu finden und die Gewalt zu beenden."




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Dokument erstellt am 2015-05-19 17:32:04



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