• vom 01.07.2015, 15:04 Uhr

Weltchronik

Update: 01.07.2015, 15:35 Uhr

Interview

"Sterben der Mitwelt bringt uns den Tod"




  • Artikel
  • Lesenswert (13)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Heiner Boberski

  • Bischof Erwin Kräutler freut sich über die Enzyklika "Laudato Si" und ist besorgt über Entwicklungen in Brasilien.

Protest gegen den Mega-Staudammes Belo Monte am Rio Xingu.

Protest gegen den Mega-Staudammes Belo Monte am Rio Xingu.© Renata Pinheiro - http://riverwatch.eu Protest gegen den Mega-Staudammes Belo Monte am Rio Xingu.© Renata Pinheiro - http://riverwatch.eu

Zur jüngst publizierten Ökologie-Enzyklika "Laudato Si" hat auch Erwin Kräutler, der aus Vorarlberg stammende Bischof vom Xingu (Brasilien) beigetragen. Im Interview mit der "Wiener Zeitung" nimmt er zur Enzyklika, zur Lage in Brasilien, insbesondere im Hinblick auf die indigenen Völker und die Olympischen Spiele 2016, zur Befreiungstheologie und zur Seligsprechung von Bischof Oscar Romero Stellung.Diesen Sonntag bricht der Papst zu einer achttägigen Lateinamerika-Reise mit Fokus "Armut und Umwelt" auf.

"Wiener Zeitung":Wie gefällt Ihnen die neue Enzyklika "Laudato Si"? Kommt Amazonien darin so vor, wie Sie es erhofft haben?
Bischof Erwin Kräutler: Als mich Papst Franziskus am 4. April 2014 in Privataudienz empfing und ich ihm über Amazonien und die indigenen Völker berichten konnte, verriet er mir, dass er an eine Enzyklika über die Ökologie denke und auch schon Kardinal Turkson beauftragt habe, ein Arbeitspapier zu erstellen. Er empfahl mir auch gleich, meine Gedanken und Wünsche dem Kardinal mitzuteilen, was ich unverzüglich getan habe. Meine Vorschläge sind nun alle in "Laudato Si" eingeflossen.

Werbung

Es ist ein wunderbares Gefühl für einen Priester, der seit 50 Jahren in Amazonien daheim ist, 35 Jahre davon als Bischof, und diese Region und seine Einwohner kennt und immer verteidigt hat, sich vom Papst verstanden zu wissen. Wie ein roter Faden zieht sich durch die Enzyklika die Überzeugung, dass unsere Sorge nicht einer anonymen Umwelt gehört, sondern unserer Mitwelt, der Welt, in der und mit der wir leben und für die wir verantwortlich sind. Der Papst räumt mit einer Fehlinterpretation von Genesis 1,28 auf. Die Übersetzung "Macht euch die Erde untertan" im Sinne von Dominanz und Ausbeutung war immer schon abzulehnen. Es geht nicht um Unterwerfung, sondern um Sorge für das anvertraute Gut in einer Perspektive des "Bebauens", "Hütens" und "Pflegens".

Der Papst spricht vom Hl. Franz von Assisi der in "wunderbarer Harmonie mit Gott, mit den anderen, mit der Natur und mit sich selbst lebte (LS 10). Diese Sichtweise erinnert mich auch an das "Sumak Kawsay", das "gute Leben", das die indigenen Völker der Anden seit jeher kennen und die Harmonie aller Menschen unter sich und mit der Schöpfung besingt. Mit der Ausrottung auch nur einer einzigen Spezies geht jedes Mal unwiderruflich ein Stück von uns selbst verloren. Das Sterben unserer Mitwelt bringt uns selbst den Tod.

weiterlesen auf Seite 2 von 4




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2016
Dokument erstellt am 2015-07-01 15:07:14
Letzte ─nderung am 2015-07-01 15:35:43



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Jemens Regierung verkündet Abbruch von Friedensgesprächen
  2. Der große Mut zum kleinen Servus
  3. Kampf um US-arabische Stimmen
  4. "In Rio ist nichts vorhersehbar"
  5. Al-Nusra-Chef gab Bruch mit Al-Kaida bekannt
  6. 55 Tote bei Anschlag in Qamishli
  7. Vereint frustriert

Werbung




Todesfall

Peter Fröhlich verstorben

20160726Fröhlich - © APAweb / Hans Klaus Techt Wien. Der Schauspieler Peter Fröhlich ist unerwartet im Alter von 77 Jahren gestorben. Wie der ORF von Angehörigen erfuhr, verstarb er bereits am 11... weiter




Todesfall

Sayed Haider Raza gestorben

Neu-Delhi. Der Maler Sayed Haider Raza, ein Pionier der modernen indischen Kunst, ist im Alter von 94 Jahren gestorben. Als S.H... weiter




Todesfall

Clown Dimitri gestorben

20160720dimitri - © APAweb / AP, Michel Lipchitz Bellinzona. Der Schweizer Clown Dimitri ist in der Nacht auf Mittwoch im Alter von 80 Jahren verstorben. Eine Agentin der Künstlerfamilie bestätigte... weiter




Geh no net furt

Sigi Maron ist tot

20160719marn - © APA/RUBRA Wien. Sigi Maron ist tot. Der sozialkritische Liedermacher verstarb im Alter von 72 Jahren in Baden bei Wien. Dies vermeldet die "... weiter