• vom 07.07.2015, 17:40 Uhr

Weltchronik

Update: 07.07.2015, 18:28 Uhr

Papst

Koka für Papst Franziskus




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Von WZ-Korrespondent Tobias Käufer

  • Bolivien träumt von einer wirkungsvollen Kaubewegung beim Besuch des katholischen Oberhaupts.

Der Strauch, aus dem die Träume sind: Erythroxylum coca.

Der Strauch, aus dem die Träume sind: Erythroxylum coca.© H. Zell - Creative Comons Der Strauch, aus dem die Träume sind: Erythroxylum coca.© H. Zell - Creative Comons

La Paz. Boliviens Präsident Evo Morales ist ein Medienprofi. Wo immer das sozialistische Staatsoberhaupt die Gelegenheit sieht, für die Anerkennung der Kulturpflanze Koka zu kämpfen, legt er sich mächtig ins Zeug.

Unvergessen der legendäre Auftritt des ehemaligen Koka-Bauern vor den verdutzten Diplomaten der UN-Vollversammlung in New York, als Morales im Jahr 2009 ein Koka-Blatt aus heimischem Anbau aus der Tasche zog. Eigentlich streng verboten, denn in den USA ist die Einfuhr von Koka-Blättern streng verboten. Morales wollte mit seiner kleinen Provokation so den feinen, aber entscheidenden Unterschied zwischen Koka und Kokain demonstrieren. Für seinen smarten Auftritt bekam Morales damals spontanen Applaus, geändert hat sich an der Ächtung der Pflanze trotzdem nichts. Morales Haltung ist unmissverständlich: "Koka-Blätter sind kein Kokain, sie sind für die Gesundheit nicht schädlich und verursachen weder psychische Störungen noch Abhängigkeit."


Nun könnte Morales einen mächtigen Fürsprecher gewinnen. Zumindest erweckt die bolivianische Regierung den Eindruck, als könne sich Papst Franziskus bei seinem am Mittwoch beginnenden dreitägigen Besuch in Bolivien zu einer kleinen, aber sehr wirkungsvollen Geste hinreißen lassen. Boliviens Kulturminister Marko Machicao behauptet, der Papst werde in Bolivien Koka-Blätter kauen, zum einen, weil das erste Kirchenoberhaupt aus Lateinamerika generell gerne ein Freund von lokalen Spezialitäten ist, ganz besonders von seinem Heimatkontinent. Zum anderen auch weil Franziskus auf dem Flughafen El Alto landen wird. Und der liegt rund 4000 Meter hoch. Für Menschen, die Höhenluft nicht gewohnt sind, gehören Kopfschmerzen dazu. Dagegen hilft seit Jahrhunderten: das Kauen der Kokablätter.

atikan-Sprecher Federico Lombardi wollte nach dem Wirbel um die Aussagen von Machicao kein weiteres Öl ins Feuer gießen, schloss aber nicht aus, dass sich Franziskus zum Kauen der Koka-Blätter entschließen wird: "Weil sich Papst Franziskus gerne an den örtlichen Traditionen orientiert. Es ist ja auch bekannt, dass der Papst gerne Mate trinkt", so Lombardi.

Indigene Traditionen
Für Morales, dessen politischer Aufstieg als Gewerkschaftsboss der Koka-Bauern begann, geht es um mehr als nur eine Geste. Es geht darum, wer in der internationalen Gemeinschaft die Regeln festlegt und wer nicht. Einerseits dient die Pflanze als Rohstoff für Kokain und fällt damit unter das internationale Einheitsabkommen über Betäubungsmittel von 1961. Andererseits ist das Kauen der Blätter eine jahrhundertealte indigene Tradition und ist legal. Vor allem Boliviens Indigene nutzen die Wirkung der Blätter gegen Erschöpfung, Hunger und die Höhenkrankheit. Morales sieht die Rechte der indigenen Bevölkerung eingeschränkt und fordert die internationale Anerkennung der Pflanze als Heilmittel.

"Wir werden Koka-Plätzchen, Koka-Tee und andere Koka-Produkte an unseren Bruder den Papst überreichen", sagte ein Vertreter der Koka-Produzenten aus Cochabamba. Die Geschenke sollen im Rahmen des "Treffens der Volksbewegungen" übergeben werden, an dem auch Papst Franziskus teilnehmen wird.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2015-07-07 17:44:06
Letzte nderung am 2015-07-07 18:28:32



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