• vom 18.08.2015, 17:14 Uhr

Weltchronik

Update: 30.11.2015, 13:23 Uhr

China

Schwarzes Wasser, weiße Flocken




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  • Neben ökologischen hat China nach der Explosion von Tianjin auch mit wirtschaftlichen Folgen zu kämpfen.

Der Umkreis von drei Kilometern um die Unglücksstelle ist Sperrgebiet und wird von Polizisten mit Spezialmasken bewacht.

Der Umkreis von drei Kilometern um die Unglücksstelle ist Sperrgebiet und wird von Polizisten mit Spezialmasken bewacht.© reuters/Kim Kyung-Hoon Der Umkreis von drei Kilometern um die Unglücksstelle ist Sperrgebiet und wird von Polizisten mit Spezialmasken bewacht.© reuters/Kim Kyung-Hoon

Peking. (red) Tianjin heißt übersetzt eigentlich "Himmels-Furt". Doch die Berichte eines Spezialisten, der mit schwerem Atemschutzgerät die verwüstete Kraterlandschaft nach Überlebenden durchforstet, hören sich anders an: "Es ist, als würde man auf dem Mars arbeiten. Oder in der Hölle." Eine Woche ist vergangen, seitdem am vergangenen Mittwoch eine mit Chemikalien gefüllte Lagerhalle am Hafengelände der nordchinesischen Stadt in die Luft geflogen ist. Zurück blieben ein riesiger, mit schwarzem Wasser gefüllter Krater und ein Trümmerfeld: "Sich in dem Explosionsgebiet zurechtzufinden, ist wegen der immer noch brennenden Chemikalien und ineinander verkeilten Container, die jeden Moment wegbrechen können, extrem gefährlich", schilderte Wang Ke, Chef der Chemie-Spezialisten nach Angaben der Nachrichtenagentur Xinhua die Aufräumarbeiten. "Wir mussten Markierungen anbringen, um uns nicht zu verlaufen."

Immerhin machten die Beamten erstmals offizielle Angaben, was denn nun eigentlich in dem Lagerhaus der Firma Ruhai Logistics in die Luft geflogen sei: Insgesamt seien dort 3000 Tonnen hochgefährlicher Chemikalien gelagert worden; bestätigt wurden 40 Kategorien verschiedener Giftstoffe, darunter 700 Tonnen Natriumcyanid, 800 Tonnen Ammoniumnitrat und 500 Tonnen Kaliumnitrat. "Es ist schwierig, diesen Stoffen beizukommen, noch dazu in dieser Größenordnung", sagte der stellvertretende Transportminister Niu Yueguang. Er korrigierte auch die Opferzahl mit 114 Toten nach oben, 70 Personen gelten weiter als vermisst, während 700 Menschen, darunter 57 Schwerverletzte, weiterhin in den Krankenhäusern behandelt werden.


Import-Export-Drehscheibe, speziell für die Autoindustrie
Neben den menschlichen Verlusten zeichnen sich auch immer mehr die schweren, materiellen Schäden ab. So wurden beispielsweise durch die Wucht der Explosionen mehrere tausend Autos zerstört, die in den Verkauf gehen sollten. Als zehntgrößter Hafen der Welt - hier werden mehr Container bewegt als in Hamburg oder Rotterdam - und auch aufgrund der Nähe zur Hauptstadt ist Tianjin ein wichtiges Importzentrum für zahlreiche internationale Fahrzeugproduzenten. Mindestens zehn Hersteller sind von den Verwüstungen betroffen: Während Volkswagen 2700 zerstörte oder beschädigte Fahrzeuge der Typen Beetle und Touareg gemeldet hat, soll Hyundai nach unbestätigten Medienberichten sogar 3950 Autos verloren haben. Doch die Autobauer haben noch weitere Probleme: Während etwa VW angesichts des völlig zerstörten Hafens bei seinem China-Umschlag nun nach Shanghai und Guangzhou ausweichen muss, hat Toyota seine Produktion in Tianjin auf unbestimmte Zeit stillgelegt.

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Dokument erstellt am 2015-08-18 17:17:05
Letzte nderung am 2015-11-30 13:23:37



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