• vom 29.11.2015, 16:53 Uhr

Weltchronik

Update: 29.11.2015, 16:58 Uhr

Klima-Gipfel

Proteststimmung im Treibhaus




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Von WZ Online, APA/dpa/Reuters/AFP

  • Der Klima-Gipfel in Paris beginnt mit einer globalen Demonstrationswelle.

Paris. Demonstrieren war in Paris verboten, immer noch herrscht Ausnahmezustand. Die Pariser Polizei ließ am Sonntag dennoch mehrere Tausend Menschen gewähren, die einem Aufruf der Bürgerbewegung Avaaz folgten und auf den Gehsteigen mehrerer Straßen in der Innenstadt Menschenketten bildeten. Die Umweltschützer reichten einander die Hände, um gemeinsam eine Begrenzung der Erderwärmung zu fordern. Einige von ihnen wiesen mit blauen Schildern auf die Gefahr eines ansteigenden Meeresspiegel hin. Am Montag werden in Paris 147 Staats- und Regierungschefs zum Auftakt der UN-Klimakonferenz erwartet.

Doch wie so oft eskalierte der friedliche Protest: Auf dem Platz der Republik warfen Dutzende Vermummte Flaschen und andere Geschoße auf Polizisten. Die Sicherheitsbeamten antworteten mit Tränengas und setzten Schlagstöcke ein. Nach Angaben eines Behördensprechers wurden 50 Menschen vorübergehend festgenommen. Niemand sei ernsthaft verletzt worden.

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Weltweiter Protest

Nicht nur in Paris, auch in vielen anderen Städten von Sydney bis Wien wurde für einen schonenderen Umgang mit dem Weltklima demonstriert. Allein in der australischen Metropole kamen am Sonntag schätzungsweise 45.000 Menschen zusammen und forderten ambitionierte Klimaschutzziele.

In Wien setzte sich der "Climate March Vienna" am Sonntagnachmittag vom Sigmund-Freud-Park in Bewegung. Teilnehmer hatten Transparente und Schilder dabei, die Aufschriften trugen wie "Es gibt keinen Planeten B". Der Demonstrationszug bewegte sich über den Ring, flankiert von Musikdarbietungen und Kunstaktionen. Vor dem Parlament fand dann unter dem Motto "System Change, Not Climate Change" ein Straßenfest statt.

In Berlin waren es nach Polizeiangaben mindestens 5.000 Menschen. Protestmärsche sollten auch in London, Sao Paulo und New York stattfinden. In Paris platzierten Klimaschützer 20.000 Paar Schuhe auf dem Place de la Republique. Damit protestierten sie gegen das Verbot von Demonstrationen nach den islamistischen Anschlägen vor gut zwei Wochen.

Weltklimavertrag gesucht

Die Gipfelteilnehmer wollen einen neuen Weltklimavertrag vereinbaren, der ab 2020 gelten soll. Die bisherigen Zusagen der einzelnen Staaten zur Reduzierung ihrer Treibhausgas-Emissionen reichen allerdings nicht aus, um das kritische Zwei-Grad-Ziel zu erreichen. Mehrere Inselstaaten sehen ihre Existenz schon bei einem Temperaturanstieg von mehr als 1,5 Grad gefährdet. Wie das UN-Klimasekretariat mitteilte, wollen Ban, der indische Premierminister Narendra Modi und Präsident Hollande am Montag eine Solar-Allianz mit dem Ziel gründen, den Anteil "sauberer" Energiequellen global zu steigern.

International vereinbart ist, die Erderwärmung bis Ende des Jahrhunderts auf zwei Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit zu begrenzen. Die EU hat eine Kohlendioxid-Reduzierung um 40 Prozent bis 2030 gegenüber 1990 zugesagt. China hat erklärt, dass es um 2030 damit beginnen werde, die CO2-Werte zu senken. Aufgabe der Konferenz ist es, die Versprechungen vergleichbar zu machen, um damit Druck auf die Länder auszuüben, die hinterherhinken.

Österreicher beurteilen Erfolgschancen skeptisch

Eine Mehrheit der Österreicher beurteilt die Gipfel-Erfolgschancen skeptisch: 62 Prozent gingen in einer Umfrage der Österreichischen Gesellschaft für Europapolitik (ÖGfE) nicht davon aus, dass die Ergebnisse der Konferenz dazu geeignet sind, den globalen Temperaturanstieg einzudämmen.

"Der Klimawandel stellt für den Großteil der Befragten eine akute Gefahr dar", analysierte ÖGfE-Generalsekretär Paul Schmidt die Ergebnisse der Umfrage mit etwas mehr als 500 Befragten: Rund zwei Drittel der Österreicher (64 Prozent) würden den Klimawandel "eher als akute Gefahr" betrachten, 27 Prozent "eher nicht", acht Prozent äußern sich zu dieser Frage nicht.

Die Rolle der Europäischen Union in der internationalen Klimapolitik werde ambivalent beurteilt. 31 Prozent denken, dass die EU "eine Vorreiterrolle" einnimmt, 27 Prozent meinten, sie "hinkt eher hinterher", 30 Prozent äußerten sich neutral ("keines von beiden").

Nur 22 Prozent der Befragten sind optimistisch und glauben, das Ziel des UN-Klima-Gipfels - die Beschränkung des globalen Temperaturanstiegs auf maximal zwei Grad Celsius bis zum Jahr 2100 - werde durch eine Einigung der Konferenzteilnehmer auf geeignete Maßnahmen möglich werden. 62 Prozent erwarten eher keinen Durchbruch, 15 Prozent meinten "weiß nicht" oder machten dazu keine Angabe.




Schlagwörter

Klima-Gipfel, Paris, Protest

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2015-11-29 16:54:32
Letzte ─nderung am 2015-11-29 16:58:44



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