• vom 21.12.2016, 21:00 Uhr

Weltchronik

Update: 23.12.2016, 09:30 Uhr

China

Die Smog-Katastrophe




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  • Die Luft ist in Nordchina so verpestet wie noch nie in diesem Jahr. Die Umweltverschmutzung ist auch politisch brisant.

Smog hüllt derzeit Nordchina ein.

Smog hüllt derzeit Nordchina ein. Smog hüllt derzeit Nordchina ein.

Peking/Wien. (klh) Tritt man in Peking an solchen Tagen auf die Straße, sieht man die Gebäude an der gegenüberliegenden Straßenseite oft nur noch verschwommen. Vor sie hat sich eine graue Nebelsuppe geschoben. An solchen Tagen trägt ein Großteil der Bewohner eine Atemschutzmaske, es wird viel gehustet und manchem Bürger ist auch übel. An solchen Tagen hüllt der Smog Chinas Hauptstadt ein.

Momentan ist es wieder so weit und ganz besonders schlimm. Nordchina kämpft gerade mit der schlimmsten Luftverschmutzung des Jahres, weshalb in Peking und 20 anderen Städten "Alarmstufe Rot" ausgerufen wurde. Messungen für gefährlichen Feinstaub ergaben am Mittwochabend in der Millionen-Metropole rund 451 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft - das Neunzehnfache des Grenzwertes der Weltgesundheitsorganisation. Wenn man so einer Feinstaubbelastung ausgesetzt ist, ist das in etwa so, als würde man mehr als eine Packung Zigaretten am Tag rauchen.

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Zum Vergleich: In Wien wurde zur gleichen Zeit ein Mittelwert von 20 Mikrogramm pro Kubikmeter gemessen. Smogalarm gab es in Europa dieses Jahr in Paris, weshalb vorübergehend ein teilweises Fahrverbot - Autos mit bestimmten Kennzeichen durften nicht benutzt werden - ausgesprochen wurde. Doch auch in Paris waren die Werte damals etwa vier Mal niedriger als derzeit in Nordchina.

Es ist kein Zufall, dass die Smogwerte nun im Winter derartige Höhen erreichen: Denn jetzt kommt zu dem Ausstoß der Fabriken und dem dichten Autoverkehr noch hinzu, dass in China viel mit Kohle geheizt wird, was ebenfalls zur Feinstaubbelastung beiträgt. Bleibt es dann noch ein paar Tage eher windstill, ist die Feinstaub-Konzentration besonders hoch.

Umweltverschmutzung sorgt für Empörung
Die Umweltverschmutzung ist für die Kommunistische Partei politisch brisant. Denn kaum ein Thema macht die Chinesen wütender. Schließlich beeinträchtigt die Luftverschmutzung den Alltag der Bürger und gefährdet sie gesundheitlich. Der Feinstaub kann über die Lunge ins Blut gelangen und Krebs verursachen.

Die Partei hat daher Anstrengungen im Umweltschutz zu einer ihrer Prioritäten ernannt. Fabriken werden umgerüstet oder auch Elektroautos gefördert.

Allerdings steht hier der Staat angesichts des Ausmaßes der Verschmutzung vor einer Mammutaufgabe. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace kritisierte wiederum, dass mittlerweile viel Elan verloren gegangen sei. Fortschritte, die Peking in den vergangenen zwei Jahren beim Kampf gegen die schlechte Luft erzielt habe, seien praktisch wieder zum Erliegen gekommen.

Außerdem befindet sich die Regierung hier in der Zwickmühle: Für einen bessern Umweltschutz müssten viele Fabriken ganz geschlossen werden. Doch das würde wiederum jede Menge Jobs kosten.

Viele Fabriken scheinen sich aber ohnehin nicht sonderlich um die Vorgaben der Behörden zu scheren. So haben offenbar zahlreiche Fabriken weitergearbeitet, obwohl wegen des derzeitigen Smog-Alarms ein Produktionsstopp über sie verhängt worden war. Allein in der Provinz Henan waren es laut der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua 3000. Diese sollen nun bestraft werden. Wie, war aber vorerst unklar.

Zudem hat die Regierung Fahrverbote erlassen und Schulen geschlossen. Eltern, die die Möglichkeit haben, schicken ihre Kinder aufs Land. Außerdem werben Reisebüros nun für Kurzurlaube an Orten mit besserer Luft. So versuchen die Städter, dem Smog kurzfristig zu entkommen. Langfristig glauben sie offenbar nicht mehr an Änderung. "Der Smog ist so üblich geworden, dass viele die Hoffnung aufgegeben haben, dass etwas dagegen getan werden kann", schrieb Xinhua.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-12-21 17:50:07
Letzte ─nderung am 2016-12-23 09:30:18



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