• vom 11.03.2017, 10:46 Uhr

Weltchronik

Update: 14.03.2017, 16:47 Uhr

Wilderei

Jagd auf die letzten Seegurken




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Von Claudine Wery, AFP

  • Die Bestände der in Asien beliebten Delikatesse schrumpfen, bei der Suche nach den Stachelhäutern riskieren viele Fischer ihr Leben.

Eine weißgefleckte Seegurke und eine Gefleckte Wurmseegurke im Wasser.

Eine weißgefleckte Seegurke und eine Gefleckte Wurmseegurke im Wasser. © Von Original uploader was Elapied at fr.wikipedia - Transferred from fr.wikipedia; transferred to Commons by User:Korrigan using CommonsHelper., CC BY-SA 2.0 fr, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4815456 Eine weißgefleckte Seegurke und eine Gefleckte Wurmseegurke im Wasser. © Von Original uploader was Elapied at fr.wikipedia - Transferred from fr.wikipedia; transferred to Commons by User:Korrigan using CommonsHelper., CC BY-SA 2.0 fr, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4815456

Noumea. Sie sehen nicht gerade appetitlich aus: von der Form wie eine dicke Wurst, braun bis schwarz in der Farbe. Doch Seegurken sind in Asien als Delikatesse begehrt. Vielerorts sind diese Bewohner des Meeresgrundes bereits selten geworden. In den Gewässern Neukaledoniens, der zu Frankreich gehörenden Inselgruppe im Südpazifik, leben sie noch zuhauf. Das haben nun auch vietnamesische Wilderer entdeckt.

"Seit etwa neun Monaten beobachten wir das", sagt Jean-Louis Fournier, zuständig für die Überwachung der neukaledonischen Gewässer. "70 Schiffe haben wir entdeckt, 55 mit einem Bußgeld verwarnt und fünf zum Anlegen gezwungen." Mehrere Tonnen illegal gefischter Seegurken wurden beschlagnahmt und fünf vietnamesische Kapitäne sitzen inzwischen im Gefängnis.

Stachelhäuter

"Blue Boats" werden die Schiffe wegen ihres blauen Rumpfes genannt. Drei bis vier Wochen sind sie meist im Norden Neukaledoniens unterwegs und plündern die Bestände dort. Die Fischer haben keine Papiere, kein Geld, nicht einmal eine Karte. "Aber sie sind sehr entschlossen", sagt Fournier. Bei der Suche nach den Seegurken riskieren sie ihr Leben. Sie springen ins Wasser, tauchen bis zu 40 Meter tief und versorgen sich durch ein dünnes, mit dem Schiff verbundenes Röhrchen mit Sauerstoff.

Nach dem Fang werden die Tiere, die genauso wie Seesterne zur Familie der Stachelhäuter gehören, ausgenommen, gekocht und getrocknet. Vor allem in China ist die Seegurke sehr beliebt - als Zutat für Eintöpfe und Suppen oder als Heilmittel und Aphrodisiakum. "Alle kleinen Inselstaaten im Pazifik und die asiatischen Länder haben ihre Bestände erschöpft", sagt Pascal Dumas, Wissenschafter in der neukaledonischen Hauptstadt Noumea. Inzwischen würden teilweise bis zu 2.000 Euro pro Kilo bezahlt.

  Genehmigungen

Neukaledonien versucht, mit seinen Beständen sorgsam umzugehen. An der Westküste der Nordprovinz wurde ein Gebiet für nachhaltige Seegurken-Fischerei eingerichtet. Acht Arten dürfen erst ab einer bestimmten Mindestgröße gefangen werden. Außerdem sind Genehmigungen für das Fischen vorgeschrieben und die Bestände werden regelmäßig überwacht. Neukaledonien exportiert jährlich etwa 50 Tonnen getrocknete Seegurken nach Asien und versucht diesen Wirtschaftszweig auszubauen - ohne die Vorkommen zu dezimieren.

Die illegale Fischerei der Vietnamesen durchkreuzt diese Pläne und erregt den Zorn der einheimischen Fischer. "Wir sind beunruhigt, die Piraten gefährden unsere Bestände und der Staat ist nicht in der Lage, die Überwachung zu gewährleisten", sagt Yann Moilou, Vorsitzender eines Fischereiverbandes. Einige seiner Kollegen seien von den "vietnamesischen Wilderern" auf dem Meer bereits direkt angegriffen worden.

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Schlagwörter

Wilderei, Seegurke, Artenschutz

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-03-11 10:16:40
Letzte Änderung am 2017-03-14 16:47:21



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