• vom 15.05.2017, 18:16 Uhr

Weltchronik


Salvador

Gefängnis bei Fehlgeburt




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Von Konstanze Walther

  • In Salvador werden Frauen, deren Schwangerschaft kompliziert verläuft, unter dem Generalverdacht Abtreibung inhaftiert.

"Legale Abtreibung", fordert diese Salvadorianerin bei einer Demo anlässlich des Internationalen Frauentags in San Salvador.

"Legale Abtreibung", fordert diese Salvadorianerin bei einer Demo anlässlich des Internationalen Frauentags in San Salvador.© reuters "Legale Abtreibung", fordert diese Salvadorianerin bei einer Demo anlässlich des Internationalen Frauentags in San Salvador.© reuters

Wien/San Salvador. "Arm, ungebildet, und kriminalisiert." Die spanische Aktivistin Virginia López Calvo fasst die Situation von vielen lateinamerikanischen Frauen zusammen, deren Schwangerschaft sie ins Gefängnis bringen kann.

Die 19-jährige Evelyn Cruz aus Salvador etwa steht derzeit vor Gericht. Sie hat mit 18 eine Fehlgeburt erlitten, allerdings hat sie nach eigenen Angaben nicht gewusst, dass sie schwanger war. Das Spital, in das sie schwer blutend gebracht wurde, musste per Gesetz die Polizei informieren. Die Anklage lautet nun auf Mord, Evelyn drohen bis zu 35 Jahre Haft.


Evelyn ist kein Einzelfall. Salvador hat eines der strengsten Gesetze zum Schwangerschaftsabbruch in der Welt und befindet sich damit in einer Gruppe mit Honduras, Nicaragua und Chile. In diesen Ländern ist ein Abbruch der Schwangerschaft unter keinen Umständen erlaubt - weder bei Vergewaltigungen, noch bei Inzest oder minderjährigen Mädchen. Nicht einmal, wenn das Leben der Frau bedroht ist. López erinnert sich an zwei Fälle, eine Frau aus Salvador, die andere aus Costa Rica, die beide schwanger waren. Bei beiden wurde Krebs diagnostiziert. Für eine Therapie hätte die Schwangerschaft terminiert werden müssen. Am Ende starben die Frauen sowie deren ungeborene Kinder. "Es war sinnlos. Wir haben die Babys nicht retten können, aber wir haben die Frauen getötet. Es gibt sehr viele solcher Fälle, aber die meisten werden nicht öffentlich."



In Zentralamerika sind hunderte Frauen wegen eines Schwangerschaftsabbruchs inhaftiert. Ob es sich um eine bewusste Abtreibung gehandelt hat, oder um eine Frühgeburt, tut dabei wenig zur Sache. Die Frauen werden mindestens vier Jahren Haft bis hin zu lebenslänglich bestraft.

Mirna Ramírez war etwa zwölf Jahre in Haft. Ihr Verbrechen: Sie hatte zuhause eine Frühgeburt. Ihre Tochter überlebte. Doch Ramírez, vertreten von einem gestellten Pflichtverteidiger, wurde vom Gericht binnen von fünf Minuten des Mordversuches schuldig gesprochen.

Den Boden dafür hat die neue Verfassung von Salvador bereitet, die im Artikel Eins festhält, dass Leben mit der Empfängnis beginnt.

"Die betroffenen Frauen sind meistens aus den ärmeren Schichten", erzählt López. Wohlhabende Frauen in Zentralamerika können es sich leisten, ins Ausland, etwa ins US-amerikanische Miami zu fliegen, für einen "Kurzurlaub". Die ärmeren Frauen dagegen "haben keinen Zugang zu Schwangerschaftsuntersuchungen, und sie haben keinen Zugang zu Sexualerziehung, denn dagegen stemmt sich die katholische Kirche."

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Dokument erstellt am 2017-05-15 18:21:20



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