• vom 17.05.2017, 10:18 Uhr

Weltchronik

Update: 17.05.2017, 10:28 Uhr

Bananenwirtschaft

Chiquita zahlte Millionen an bewaffnete Akteure




  • Artikel
  • Kommentare (3)
  • Lesenswert (9)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von WZ Online, APA

  • Rechercheportal veröffentlichte Auszüge aus Akten der US-Börsenaufsicht.

 2007 wurde Chiquita in den USA für Zahlungen an den Dachverband der kolumbianischen Paramilitärs zu einer Geldstrafe verurteilt.

 2007 wurde Chiquita in den USA für Zahlungen an den Dachverband der kolumbianischen Paramilitärs zu einer Geldstrafe verurteilt.© APAweb/dpa  2007 wurde Chiquita in den USA für Zahlungen an den Dachverband der kolumbianischen Paramilitärs zu einer Geldstrafe verurteilt.© APAweb/dpa

Bogota. Der Bananenriese Chiquita Brands International hat jahrzehntelang mehrere Millionen US-Dollar an Akteure des bewaffneten Konflikts in Kolumbien gezahlt. Das Geld ging sowohl an linke Guerillagruppen als auch an rechte Paramilitärs und zivile Milizen sowie an Brigaden der kolumbianischen Armee in den Bananenanbauregionen des Landes, wie das Internet-Portal "www.amerika21.de" meldete.

Seit kurzem einsehbare Dokumente der US-Börsenaufsichtsbehörde (SEC) zeigen laut der auf Lateinamerika spezialisierten Plattform, dass Unternehmen seit Ende der 1980er Jahre bis Anfang der 2000er Jahre regelmäßig Zahlungen vornahm. Vor allem in den kolumbianischen Verwaltungsbezirken Antioquia und Magdalena.

Verurteilung 2007

Links

  • www.amerika21.de
  • www.VerdadAbierta.com
  • VerdadAbierta.com ist ein investigatives Nachrichtenportal, welches die Aufarbeitung des kolumbianischen Konflikts intensiv begleitet. Neben der Sammlung und Überprüfung von Daten, trägt die Redaktion auch Berichte von Opfern des Konflikts zusammen und berichtet über die juristische Aufarbeitung. Ziel von VerdadAbierta ist es, die Vergangenheit möglichst umfassend zu dokumentieren und die Information frei zugängliche zu machen.

Chiquita gehört zu den größten Bananenexporteuren der Welt und machte nach eigenen Angaben 2014 rund 3,1 Milliarden US-Dollar Umsatz. Bereits 2007 wurde das Unternehmen als erster multinationaler Konzern dafür verurteilt, einer internationalen terroristischen Organisation Geld gezahlt zu haben.

In dem Verfahren ging es um Zahlungen von rund 1,7 Millionen US-Dollar zwischen 2001 und 2004 an den nationalen Dachverband der rechtsgerichteten kolumbianischen Paramilitärs (AUC). Die Geldstrafe die Chiquita in den USA entrichten musste, betrug 25 Millionen US-Dollar. Allerdings wurde bisher kein Angestellter des Unternehmens zur Verantwortung gezogen und die meisten Namen in den Gerichtsdokumenten sind geschwärzt.

Das investigative Nachrichtenportal "www.VerdadAbierta.com" beschäftigt sich laut "www.amerika21.de" nun in ausführlichen Artikeln mit den sogenannten Chiquita Papers und berichtet über Zahlungen an weitere am kolumbianischen Konflikt beteiligte Akteure. Die seit kurzem einsehbaren Dokumente der US-Börsenaufsicht, die zahlreiche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Chiquita Brands International unter Eid aussagen ließ, zeigen das Bild eines routinierten Systems geheimer Transaktionen auf allen Seiten des Konflikts.

Probleme mit Gewerkschaften

Chiquita versuchte anscheinend durch die Zahlungen, die Geschäfte im Land so normal wie möglich aufrechtzuerhalten und in einer der konfliktreichsten Regionen der Welt Profite zu erwirtschaften. Zudem sollten dadurch Probleme mit Gewerkschaften gelöst werden. Die Zahlungen wurden dabei als notwendige aber zu verschmerzende Kosten angesehen und unter dem Titel "Zahlungen für die öffentliche Sicherheit" abgerechnet. VerdadAbierta geht davon aus, dass die Zahlungen die Menschenrechtsverbrechen, die die bewaffneten Akteure in den Regionen Antioquia und Magdalena verübten, direkt unterstützten.

2007 wurde Chiquita in den USA für Zahlungen an den Dachverband der kolumbianischen Paramilitärs zu einer Geldstrafe verurteilt. Bezüglich der Zahlungen beispielsweise an die Guerillagruppen FARC, ELN und ELP wurden bisher weder in den USA noch in Kolumbien Verfahren eingeleitet. Im Zuge der Ermittlungen zu den Zahlungen an den AUC gab Chiquita auch Geldflüsse an die linken Guerillas zu, jedoch nur im Zeitraum von 1989 bis 1997, als diese von den USA noch nicht als terroristische Gruppen eingestuft wurden waren. Die nun veröffentlichten Dokumente weisen allein zwischen 1991 und 1996 Zahlungen von mehr als 850.000 US-Dollar an linke Guerillagruppen aus.

Werbung




Schlagwörter

Bananenwirtschaft, Chiquita

3 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-05-17 10:22:47
Letzte Änderung am 2017-05-17 10:28:22



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Im Bett mit der "Alt-Right"-Bewegung
  2. Aufstand der Namenlosen
  3. Anti-rassistisch zwitschert besser
  4. Wahlkampf-Manager Silberstein verhaftet
  5. Nur der Ku-Klux-Klan jubelt
  6. Selbstmordanschlag in Nigeria mit 28 Toten
  7. Trump verteidigt erste Reaktion auf Gewalt bei Rechten-Demo

Werbung




Todesfall

Staatsanwalt ermittelt

Berüchtigt: Die Garde-Kaserne in Horn ist wegen der dortigen Ausbildungsmethoden bei Rekruten gefürchtet. - © apa/Herbert Pfarrhofer Wien. Im Falle des am Donnerstag vergangener Woche während eines Übungsmarschs nahe Horn in Niederösterreich verstorbenen Rekruten gibt es neue... weiter




Todesfall

Nostalgie im Kuchlradio

- © Reuters/Phil Mccarten (a.r.) Erst im Juni erschien sein letztes Album "Adiós". Es entstand ab 2012, als Glen Campbell gerade noch arbeitsfähig war... weiter




Bundesheer

Tödlicher Marsch

Todesfall bei der Garde in Horn. Das Bundesheer verspricht "keine Toleranz bei Fehlverhalten". - © apa Horn. Der Tod des 19-jährigen Rekruten in Horn dürfte die Folge eines erbarmungslosen Drills gewesen sein. Diesen Verdacht legen zumindest der... weiter




Todesfall

Erster Godzilla-Darsteller starb an Lungenentzündung

20170808godzilla - © APAweb/AP, Junji Kurokawa Tokio. Der erste Mann, der sich in den Plastikanzug von Godzilla quetschte, ist tot: Haruo Nakajima starb am gestrigen Montag mit 88 Jahren in Japan... weiter






Werbung