• vom 29.05.2017, 19:27 Uhr

Weltchronik


Laptop-Verbot

"Es gibt eine echte Bedrohung"




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  • Die USA erwägen ein Laptop-Verbot für alle Flüge in das und auch aus dem Land.

Laptop-Verbot: Längere Wartezeiten und strengere Kontrollen. - © Michaela Rehle/Reuters

Laptop-Verbot: Längere Wartezeiten und strengere Kontrollen. © Michaela Rehle/Reuters



Washington. (ast) "Das ist die Sache, von der sie besessen sind, die Terroristen: die Idee, ein Flugzeug im Flug in die Luft zu sprengen, insbesondere, wenn es eine US-Fluglinie ist, voll mit US-Amerikanern." US-Heimatschutzminister John Kelly verteidigte mit diesen Worten am Wochenende im regierungsnahen konservativen US-Fernsehsender Fox News die geplante Ausweitung des Laptop-Verbots auf Transatlantikflüge.

Seit der Republikaner sein Amt im Jänner übernommen hat, war er bereits für das Verbot elektronischer Geräte im Handgepäck auf Flügen von zehn Flughäfen - vornehmlich aus dem Mittleren Osten - verantwortlich. Seit März sind auf Nonstop-Flügen in die USA aus Jordanien, Kuwait, Ägypten, Türkei, Saudi-Arabien, Marokko, Katar, Dubai und den Vereinigten Arabischen Emiraten täglich 350 Flüge von vornehmlich Nicht-US-Airlines betroffen.


Wird das Verbot auf alle internationalen Flüge ausgeweitet, werden auch auf Flügen von europäischen Flughäfen höchstwahrscheinlich elektronische Geräte wie Laptops, Tablets, E-Reader, Kameras, tragbare DVD-Player und Spielkonsolen, die größer als ein übliches Smartphone sind, aus dem Handgepäck verbannt. Grund dafür ist die Befürchtung, dass in ihnen Sprengsätze versteckt werden könnten - und sie somit eine Terrorbedrohung darstellen.

EU wehrt sich
Vor knapp zwei Wochen hatten die EU und die USA über die Ausweitung des Verbots in Brüssel debattiert - und die Gespräche ohne Ergebnisse vertagt. Die hochrangigen EU- und US-Vertreter einigten sich jedoch darauf, im Bereich der Luftfahrtsicherheit weiter eng zusammenzuarbeiten. Trotz Widerstands aus der EU werden die USA nun wohl das geplante Laptop-Verbot auf Transatlantikflügen verhängen.

Kelly begründete dies mit einer höheren Sicherheit: "Es gibt eine echte Bedrohung - zahlreiche Drohungen gegen die Luftfahrt." Die USA planen die "Messlatte anzuheben" in Sachen Flugsicherheit - auch mit einer verstärkten Kontrolle des Handgepäcks, sagte der Minister dem Sender. Um zusätzliche Gebühren zu vermeiden, würden Passagiere ihr Handgepäcksstück oftmals "vollstopfen" bis zu dem Punkt, wo es schwer werde, den "Kram" an den Monitoren zu durchleuchten, so Kelly. Die TSA (Transportation Security Administration) habe bereits damit begonnen, neue Verfahren an bestimmten Flughäfen zu testen, etwa weitere Gegenstände im Handgepäck separat zu screenen. Dass die US-Regierung dieses Vorgehen landesweit ausweiten werde, ist laut Kelly sehr wahrscheinlich. Über die Frage, ab wann genau, welche Bestimmungen gelten werden, sei jedoch noch keine Entscheidung getroffen worden, so der Heimatschutzminister.

Massive wirtschaftliche Folgen
Die Folgen eines ausgeweiteten Verbots wären jedenfalls massiv: Nach Berechnungen des Fluggesellschaften-Dachverbands Iata würde eine Ausweitung des Verbots auf europäische Flughäfen die Zahl der betroffenen Flüge auf 390 steigen - täglich. Gleichzeitig nehmen 60 bis 90 Prozent der Passagiere, die in Europa starten, einer Studie des Flughafenverbands ACI Europe zufolge ein größeres elektronisches Gerät mit ins Flugzeug.

Die wirtschaftlichen Einbußen für Fluggesellschaften wären groß. Die Verbindungen von Europa nach Nordamerika sind eine der lukrativsten Routen für die Lufthansa, da dort viele Geschäftsleute mit teuren Business-Class-Tickets unterwegs sind. Manager und Vertriebsleute arbeiten häufig an Bord und wären von einem Laptop-Verbot stark betroffen. Die Fluglinie betreibt auf den Strecken ein Joint Venture mit dem US-Partner United Airlines und Air Canada.

Deutschlands Innenminister Thomas de Maiziere hat sich bereits offen für verschärfte Sicherheitsmaßnahmen gezeigt. Es gebe "viele Argumente, die dafür sprechen", die Laptops statt in der Kabine im Frachtraum zu transportieren, sagte er kürzlich in Brüssel.

Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries kritisierte hingegen das geplante Verbot bei ihrem Besuch in den USA und verwies auf "Millionenschäden" für Unternehmen, deren Mitarbeiter nicht mehr im Flugzeug arbeiten können. Der Chef von United Airlines, der größten Airline der USA, Oscar Munoz, gab sich einsichtig: "Was immer dabei herauskommt, wir werden es befolgen müssen."




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