• vom 19.06.2017, 12:25 Uhr

Weltchronik

Update: 19.06.2017, 16:43 Uhr

Raubkunst

Alt, kostbar, illegal




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Archäologen wie Schmidt-Colinet beobachten die Angebote in den Katalogen der großen Auktionshäuser. Immer wieder entdecken sie dabei Stücke, die aus Syrien oder dem Irak stammen. Aber auch wenn vielfach der Verdacht im Raum steht, dass es sich um Raubgut handelt: Strafrechtlich relevant wird es erst, wenn eindeutig nachgewiesen werden kann, dass das Objekt aus einem konkreten Museum oder von einer Ausgrabung gestohlen wurde.

Da Museumsstücke in der Regel inventarisiert und bei Diebstahl auf rote Listen gesetzt werden, sei es eher unwahrscheinlich, dass diese im Handel auftauchen, sagt Schmidt-Colinet. In den Katalogen und im offiziellen Handel erscheine daher nicht einmal die Hälfte dessen, was verschwindet. "Die interessanteren Stücke, ich sag mal ab 100.000 Euro, die wandern in einen Bunker, dort liegen sie fünf bis zehn Jahre. Wenn sie dann wieder auftauchen, heißt es: alter Familienbesitz."

Abgesehen vom Wert der geraubten Stücke, ist die Situation vor allem für die Forschung eine Katastrophe: Schmidt-Colinet verweist auf Apameia, eine bedeutende antike Stätte im Norden Syriens. Satellitenbilder aus dem Jahr 2013 zeigen einen von Raubgrabungslöchern verwüsteten Ort. "Der historische Zusammenhang der ganzen Stadtgeschichte ist für immer kaputt", so der Archäologe. "Es ist ein Raub an unserer eigenen Vergangenheit und Geschichte. Das ist eine Sauerei."

Geheimdienst verdient mit
Aber nicht der IS alleine ist für den Antikenraub in Syrien und dem Irak verantwortlich. In Palmyra gab es schon illegale Grabungen, bevor der IS die Stätte im Mai 2015 eroberte. Ein Antikenhändler aus Nordsyrien, der sich Ismail nennt, berichtet, dass neben diversen Oppositionsgruppen auch syrische Regierungsvertreter am Geschäft beteiligt seien. Wenn es ums große Geld gehe, schneide immer auch der syrische Geheimdienst mit. "Ohne Geheimdienst läuft das alles nicht", schreibt er in einem E-Mail. Die Objekte, die er von Raubgräbern ankaufe, gehen an einen Händler in Istanbul. Oft erhalte er Aufträge, ganz bestimmte Stücke zu beschaffen. Die Gewinnspannen seien hoch. Der Preis vom Ausgräber bis zum Großhändler könne sich verzwanzig-, aber auch verhundertfachen.

Von der Türkei aus gelangen die Stücke nach Europa. Vieles bleibt aber auch im Nahen Osten oder wird über Zwischenstationen weiterverhandelt. Jerusalem, wo der Handel mit Antiken kaum eingeschränkt ist, und Dubai mit seinem riesigen Freihafen sind wichtige Umschlagplätze für den illegalen Handel mit Kunstgegenständen.

Im Herbst 2016 bekam Bacher in seiner Galerie Besuch von einem Mann mit Verbindungen in den Irak. Der habe ihm archäologische Objekte aus der Umgebung von Bagdad angeboten. "Was das für Stücke waren, weiß ich nicht", so Bacher. "Ich schau mir das nicht einmal an."

Viele Käufer am internationalen Markt sind aber durchaus bereit, für interessante Objekte viel Geld zu bezahlen. Damit nehmen sie in Kauf, dass der Irak und Syrien nach der menschlichen Katastrophe, die die Kriege mit sich brachten, am Ende auch noch ihres kulturellen Erbes beraubt werden.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-06-19 12:47:06
Letzte Änderung am 2017-06-19 16:43:17



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