• vom 13.07.2017, 16:13 Uhr

Weltchronik

Update: 13.07.2017, 16:23 Uhr

China

Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo ist tot




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Von WZ Online, APA, dpa

  • Der 61-Jährige wurde 2009 wegen "Untergrabung der Staatsgewalt" zu elf Jahren Haft verurteilt.

Wie oft die Polizei vor seiner Tür stand, um seine Wohnung zu durchsuchen oder ihn mitzunehmen, wusste der chinesische Dissident Liu Xiaobo vermutlich selbst nicht zu sagen. Mehrmals schickte ihn die Staatsgewalt über Monate und Jahre ins Gefängnis, in den Hausarrest, in das Arbeitslager.

Wie oft die Polizei vor seiner Tür stand, um seine Wohnung zu durchsuchen oder ihn mitzunehmen, wusste der chinesische Dissident Liu Xiaobo vermutlich selbst nicht zu sagen. Mehrmals schickte ihn die Staatsgewalt über Monate und Jahre ins Gefängnis, in den Hausarrest, in das Arbeitslager.© APAweb / AP Photo Wie oft die Polizei vor seiner Tür stand, um seine Wohnung zu durchsuchen oder ihn mitzunehmen, wusste der chinesische Dissident Liu Xiaobo vermutlich selbst nicht zu sagen. Mehrmals schickte ihn die Staatsgewalt über Monate und Jahre ins Gefängnis, in den Hausarrest, in das Arbeitslager.© APAweb / AP Photo

Oslo. Der chinesische Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo ist tot. Das teilte die Justizbehörde der Stadt Shenyang, wo der 61-Jährige unter Bewachung im Krankenhaus behandelt wurde, am Donnerstag mit. Er starb demnach an multiplem Organversagen.

Der chinesische Bürgerrechtler, der 2009 wegen "Untergrabung der Staatsgewalt" zu elf Jahren Haft verurteilt worden war, litt unter Leberkrebs im Endstadium. Mitte Juni wurde sein Gesundheitszustand bekannt gemacht und ihm wurde "Bewährung aus medizinischen Gründen" gewährt. Danach wurde er vom Gefängnis in ein Krankenhaus der nordostchinesischen Stadt Shenyang verlegt.

China lehnte Ausreise ab

China lehnte jedoch die Ausreise des Schwerkranken mit seiner Frau für eine Klinikbehandlung im Ausland ab, wofür es von zahlreichen westlichen Politikern und Menschenrechtlern scharf kritisiert wurde.

Liu Xiaobo hatte 2010 für seinen Einsatz für Demokratie und Menschenrechte den Nobelpreis erhalten, was Chinas Regierung empörte. Während der Autor die vergangenen Jahre im Gefängnis verbrachte, wurde seine Ehefrau Liu Xia in Peking unter Hausarrest gestellt.

Der Gesundheitszustand des Autors hatte sich nach Angaben seiner Ärzte seit vergangener Woche erheblich verschlechtert. Seit Montag schwebte der Patient demnach in Lebensgefahr und wurde intensivmedizinisch behandelt. Einen Tag vor seinem Tod hatten die Ärzte am Mittwoch mitgeteilt, dass seine Atmung versage und er an Organversagen leide. Seine Familie habe eine künstliche Beatmung abgelehnt.

Die Angaben ließen sich nicht überprüfen, weil sowohl Liu Xiaobo als auch seine Familienmitglieder im Krankenhaus unter Bewachung standen und nicht mit Journalisten sprechen durften. Chinas Zensurbehörden verhinderten, dass inländische Medien über den Fall berichteten.

Zwei ausländische Ärzte, die Liu Xiabo am Wochenende in Shenyang besuchen durften, bestätigten die Diagnose, dass er an Leberkrebs im Endstadium litt. Der Heidelberger Experte Professor Markus Büchler und der US-Krebsspezialist Joseph M. Herman kamen jedoch - anders als ihre chinesischen Kollegen - zu dem Ergebnis, dass Liu Xiabo zu diesem Zeitpunkt noch transportfähig gewesen wäre. Die Kliniken der Unis von Heidelberg und Texas erklärten sich bereit, den chinesischen Patienten aufzunehmen - was Peking jedoch ablehnte.

Der Literaturwissenschaftler Liu Xiaobo hatte schon nach der blutigen Niederschlagung der Demokratiebewegung 1989 in Peking wiederholt in Haft gesessen - insgesamt fünf Jahre lang. Sein Leben lang hat sich der Bürgerrechtler friedlich für Demokratie, Menschenrechte und Toleranz in China eingesetzt.

Er war Mitverfasser der 2008 von 300 Intellektuellen unterzeichneten "Charta 08", in der ein "freier, demokratischer und verfassungsmäßiger Staat" in China gefordert wird.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-07-13 16:18:26
Letzte nderung am 2017-07-13 16:23:53



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