• vom 12.08.2017, 10:45 Uhr

Weltchronik


Indien

Die letzten Juden von Kalkutta




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Von Nick Kaiser

  • Von fast 5000 Mitgliedern ist die Gemeinde auf knapp zwei Dutzend Menschen geschrumpft.

Die Neveh Shalom Synagoge in Kalkutta.

Die Neveh Shalom Synagoge in Kalkutta.© Mint via Getty Images/Indranil Bhoumik Die Neveh Shalom Synagoge in Kalkutta.© Mint via Getty Images/Indranil Bhoumik

Kalkutta. (dpa) Es wirkt, als gehe die Neveh Shalom Synagoge im Gewimmel von Kolkata unter: Das jüdische Gotteshaus ist von einem Basar umzingelt, der Eingang ist nur durch ein Geschäft für Kochtöpfe zu erreichen. Es gibt in der ostindischen Metropole drei Synagogen. Genutzt werden sie kaum - das Quorum von zehn Männern für einen Gottesdienst erreicht die Gemeinde hier längst nur noch, wenn Besuch kommt.

Bis vor 70 Jahren lebten noch fast 5000 Juden in der Stadt, die viele noch immer Kalkutta nennen. Heute sind es nur noch rund zwanzig, und fast alle sind älter als 70 Jahre.


Die Synagoge ist trotzdem gut in Schuss, dank des muslimischen Hausmeisters Masood Hussein, der sich in dritter Generation seiner Familie um das Haus kümmert. Er weist darauf hin, dass es in der unmittelbaren Umgebung eine katholische Kathedrale, eine Moschee, eine armenische Kirche sowie hinduistische, jainistische und zoroastrische Tempel gibt. "Nur in Kalkutta können so viele Religionen so nah beieinander leben, ohne dass es Probleme gibt", meint Hussein.

Die Mitglieder der Gemeinde von Kolkata werden Bagdadi-Juden genannt, weil sie ursprünglich aus der Region um den heutigen Irak stammten. Der erste von ihnen, ein Kaufmann namens Shalom Cohen, kam im Jahr 1798 aus dem syrischen Aleppo nach Kolkata. Aus einer kleinen Gruppe von Händlern entwickelte sich eine vielfältige Gemeinde, die auch prominente Persönlichkeiten hervorbrachte. Pramila etwa, die eigentlich Esther Victoria Abraham hieß, war eine Schauspielerin und Produzentin in den frühen Bollywood-Tagen der dreißiger und vierziger Jahre sowie 1947 die erste Siegerin des Miss India Schönheitswettbewerbs.

Im selben Jahr wurde Indien von Großbritannien unabhängig, und ein großer Teil der jüdischen Gemeinde zog ins Ausland. Den Juden sei es unter den Briten in der langjährigen Hauptstadt des Kolonialreiches gut gegangen, doch ihre Zukunft in der neuen Nation sei ungewiss gewesen, wie Flower Silliman erzählt, die damals 17 Jahre alt war.

So wanderten Angehörige der jüdischen Gemeinde wie auch anderer Minderheiten mit ihren britisch-indischen Reisepässen vor allem nach England und in die Commonwealth-Länder Kanada und Australien aus. "Für sie entsprach das mehr ihrem Lebensstil als das, was sie sich unter einem indischen Indien vorstellten", erklärt die 87-Jährige.

Davidstern auf der Uniform
Ein Jahr nach dem Ende Britisch-Indiens wurde Israel gegründet. "Dann sind diejenigen emigriert, die beim Aufbau der neuen Nation helfen wollten", sagt Aileen "Jo" Cohen, Vorsitzende der Treuhandgesellschaft der jüdischen Einrichtungen in Kolkata. "Viele der ärmeren Mitglieder der Gemeinde haben außerdem die Chance ergriffen, sich dort ein besseres Leben aufzubauen."

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Schlagwörter

Indien, Juden, Kalkultta

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Dokument erstellt am 2017-08-11 22:06:06



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