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Weltchronik

Update: 07.09.2017, 20:33 Uhr

Hurrikans

Intensiver, nicht häufiger




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  • Hurrikans wie "Irma" folgen Zeitzyklen von mehreren Jahrzehnten. Der Klimawandel sorgt für heftigere Stürme.

"Irma" tobt derzeit in der Karibik. - © afp/nasa

"Irma" tobt derzeit in der Karibik. © afp/nasa

Vom Sturm zerstörte Autos auf Saint-Martin.

Vom Sturm zerstörte Autos auf Saint-Martin.© reu Vom Sturm zerstörte Autos auf Saint-Martin.© reu

Miami. (afp/apa/red) Erst "Harvey", dann "Irma" - mit zerstörerischer Kraft haben die beiden Wirbelstürme binnen weniger Tage Tod und Verwüstung gebracht. Mindestens sechs Menschen starben bisher aufgrund von "Irma" in der Karibik. "Die meisten Leute entlang der Küsten haben noch nie einen so schweren Hurrikan wie diesen erlebt", sagte der Chef der US-Katastrophenschutzbehörde Fema, Brock Long. Den Bundesstaat Florida wird "Irma" wohl am Samstag erreichen, zuvor wird es die Nordküsten der Dominikanischen Republik und Haitis sowie Kuba treffen. Dabei tobt der Hurrikan den Prognosen nach mit unverminderter Stärke, Böen bis zu 300 km/h sind auch in den kommenden Tagen zu erwarten.

Von "extremen und potenziell lebensgefährlichen Witterungsbedingungen" warnt das österreichische Außenministerium. Derzeit befinden sich 542 Auslandsösterreicher und 147 Urlauber in Florida, die sich auf der Homepage des Außenministeriums registriert haben.

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Laut dem französischen Wetterdienst ist "Irma" der weltweit am längsten jemals beobachtete Wirbelsturm der Stärke 5. Das heißt, er kann Bäume entwurzeln und Dächer abdecken. Seit 1851 hatten nur drei Wirbelstürme der Kategorie 5 das Festland der Vereinigten Staaten erreicht.

Auf Antigua und Barbuda finden bereits Aufräumarbeiten statt.

Auf Antigua und Barbuda finden bereits Aufräumarbeiten statt.© ap/Jno-Baptiste Auf Antigua und Barbuda finden bereits Aufräumarbeiten statt.© ap/Jno-Baptiste

Forscher gehen davon aus, dass die Intensität solcher Stürme weiter zunehmen wird, sind sich ob deren Häufigkeit aber nicht einig. Angesichts fehlender Satellitenbilder für alle Weltregionen vor dem Jahr 1970 kann keine Aussage darüber getroffen werden, wie sich die Wirbelstürme über das 20. Jahrhundert hinweg entwickelt haben. Im Nordatlantik wird seit rund 20 Jahren eine Zunahme von Hurrikans registriert. Franck Roux von der Universität Paul-Sabatier im französischen Toulouse zufolge war aber zwischen 1970 und 1995 das Gegenteil der Fall. Einig sind sich Forscher, dass die Aktivität von Wirbelstürmen in dieser Region Zeitzyklen von mehreren Jahrzehnten folgt. Sie können deshalb noch nicht sicher sagen, ob die gegenwärtige Zunahme der Stürme einem natürlichen Zyklus oder dem Klimawandel geschuldet ist.

Im nordwestlichen Pazifik wiederum etwa war im Zeitraum von 1998 bis 2010 ein leichter Rückgang an Wirbelstürmen zu verzeichnen.

Anstieg der Meeresspiegel
"Heftigere Wirbelstürme sind eine der erwarteten Konsequenzen des Klimawandels", sagt Valerie Masson-Delmotte, Mitglied der internationalen Expertengruppe zum Klimawandel (Giec). Wirbelstürme erlangen ihre Kraft durch die von den Ozeanen freigesetzte Energie. Der Klimaforscherin zufolge werden die Stürme mit der Erwärmung der Meere und der zunehmenden Feuchtigkeit in der Atmosphäre immer heftiger. "Der Klimawandel lässt diese Stürme nicht entstehen, aber er verschärft ihre Auswirkungen", sagt Anders Levermann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung.

Der Anstieg der Meeresspiegel ist eines der Anzeichen für die Erderwärmung. Lag der Anstieg im 20. Jahrhundert noch bei durchschnittlich 20 Zentimetern, könnte er bis zum Jahr 2100 knapp einen Meter erreichen. Darüber hinaus produzieren die Wirbelstürme Wellen, die wiederum "Wogen an Stürmen" verursachen. Küstengebiete werden den Unwettern durch beide Phänomene künftig stärker ausgesetzt sein.

Gerade arme Inselstaaten wie Haiti, die ohnehin kaum gewappnet sind, zählen zu den Leidtragenden. Als Hurrikan "Matthew" im vergangenen Jahr tobte, starben dort 500 Menschen. Beim schwersten Beben in der Geschichte Nord- und Südamerikas kamen in Haiti 2010 mehr als 300.000 Menschen ums Leben. Wird Haiti von "Irma" nicht nur gestreift, droht abermals eine humanitäre Katastrophe.

Telefon-Bereitschaftsdienst der österreichischen Botschaft Washington:
001 202 413 81 81




Schlagwörter

Hurrikans, Irma, Klimawandel

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-09-07 18:03:11
Letzte nderung am 2017-09-07 20:33:09



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