• vom 12.09.2017, 19:32 Uhr

Weltchronik


Sicherheit

Mauern, Poller und Zäune




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  • Weltweit werden Regierungssitze auf unterschiedlichste Weise geschützt - und manche gar nicht.

Sicherheitsschleuse in der Downing Street in London. - © afp/Daniel Leal-Olivas

Sicherheitsschleuse in der Downing Street in London. © afp/Daniel Leal-Olivas

Manche Städte setzen auch einfach auf versenkbare Poller.

Manche Städte setzen auch einfach auf versenkbare Poller.© CC/Johann H. Addicks Manche Städte setzen auch einfach auf versenkbare Poller.© CC/Johann H. Addicks

Wien. (ast/puma) Der geplante Mauerbau in Wiens Regierungsviertel wurde zum großen Aufreger. Nicht zuletzt, weil die Kosten für das umstrittene Bauvorhaben geheimgehalten wurden. Nach Kritik ruderte schließlich die Regierung zurück, Kanzler Christian Kern und Kanzleramtsminister Thomas Drozda verfügten den Stopp des Mauerbaus. Das Vorhaben sollte vor Terror-Angriffen auf dem Ballhausplatz in Österreichs Hauptstadt schützen. Statt der ursprünglich geplanten fünf Mauerblöcke, jeweils rund acht Meter lang und 80 Zentimeter hoch, sollen nun fixe, nicht versenkbare Poller errichtet werden.

Weltweit zählen die Regierungssitze zu den am besten bewachten Gegenden und Gebäuden. So auch der Sitz der US-Regierung, das Weiße Haus in Washington. Der Sitz von Donald Trump ist von einem Zaun umgeben und wird vom Secret Service geschützt. Außerdem gibt es ein Überflugverbot und Scharfschützen auf dem Dach, die die Umgebung beobachten. Vor Zwischenfällen ist es dennoch nicht gefeit. So schaffte es im vergangenen März ein 26-jähriger Kalifornier, sich mehr als 16 Minuten auf dem Gelände des Weißen Hauses aufzuhalten, ehe er in der Nähe des Eingangs festgenommen wurde.

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Schon im September 2014 war es einem verwirrten Ex-Soldaten gelungen, mit einem Klappmesser bewaffnet ins Weiße Haus einzudringen. Er kletterte ebenfalls über den Sicherheitszaun und wurde erst überwältigt, nachdem er durch eine Tür in den Nordflügel des Gebäudes gelangt war. Der Zaun um das Weiße Haus gilt daher generell als Schwachstelle bei den Sicherheitsmaßnahmen für den US-Präsidenten. 2015 wurde der Zaun mit 18 Zentimeter langen Zacken versehen, damit er schwerer zu überwinden ist. Kommendes Jahr soll er nun nochmals verstärkt und auch erhöht werden.

Fahrverbot und Wachdienst
Auch die Downing Street, der offizielle Amts- und Wohnsitz der zwei wichtigsten britischen Regierungsmitglieder - der Premierminister des Vereinigten Königreichs und des Schatzkanzlers - wird streng bewacht. Vor den zwei Zugangstoren zur "Number 10" stehen fünf Polizisten des britischen Inlandsgeheimdienstes MI5. Vor dem Granatenanschlag 1991 der Provisional Irish Republican Army (IRA) auf den damaligen Premier John Major war es jedermann möglich, die Straße bis zur Haustür zu betreten. Nach der Explosion im Garten des Amtssitzes wurden umzäunte und bewachte Zugänge errichtet und die Haustür, die zuvor aus Eiche war, durch eine aus explosionsfestem Stahl ersetzt.

Sicherheit durch Straßenmöbel
Großbritannien hat durch die IRA jahrzehntelange Erfahrung mit Anti-Terrormaßnahmen im eigenen Land. Die britische Architektenkammer plädiert seit Jahren dafür, Gebäude und Plätze so zu konstruieren, dass sie vom Verkehr und parkenden Autos abgeschottet sind.

Lässt es sich nicht vermeiden, sollte vor Gebäuden ein Sicherheitsabstand von mindestens 30 Metern zwischen Eingangshalle und Auto eingehalten werden. Außerdem sollen Straßenmöbel wie Sitzbänke, Pflanzen und Poller so eingesetzt werden, dass sie als Schutzschild dienen könnten.

Stadtplaner weltweit lieben jedenfalls den Poller, ob aus Stahl oder Metall, fix oder versenkbar - er schützt effektiv und diskret im Anti-Terror-Kampf. Meterhohe Mauern und zahlreiche Videoüberwachung verursachen bei den zu schützenden Bürgern nämlich nicht nur das Gefühl von Sicherheit, sondern sorgen auch für Angst und Schrecken.

Ganz anders geht Islands Regierung mit dem Thema Sicherheit um, der Regierungssitz in Reykjavik gleicht einem soliden Schulgebäude - ohne Zäune, Poller oder Mauern. Bei bestimmten Anlässen, etwa dem Besuch von ausländischen Staatsgästen, werden allerdings Polizisten auf der Straße postiert. Das Land setzt vielmehr auf symbolische Absperrungen aus Holz.

In dem Inselstaat hat es aber auch noch nie einen Terroranschlag gegeben, statistisch ereignet sich weniger als ein Mord pro Jahr, Diebstähle, etwa von Autos, kommen so gut wie nie vor.




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Sicherheit, Mauerbau

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Dokument erstellt am 2017-09-12 18:15:11



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