• vom 08.01.2018, 18:16 Uhr

Weltchronik

Update: 08.01.2018, 22:19 Uhr

China

Wettlauf gegen die Zeit




  • Artikel
  • Lesenswert (7)
  • Drucken
  • Leserbrief





  • Der in Flammen stehende Öltanker "Sanchi" droht zu explodieren.

China hat bereits zehn Schiffe zur "Sanchi" geschickt. Das Feuer konnte aber auch nach 48 Stunden nicht unter Kontrolle gebracht werden. - © afp

China hat bereits zehn Schiffe zur "Sanchi" geschickt. Das Feuer konnte aber auch nach 48 Stunden nicht unter Kontrolle gebracht werden. © afp

Shanghai. Mittlerweile sind es schon zehn Schiffe, die China zur Unglücksstelle geschickt hat. Doch möglicherweise könnte auch das nicht genug sein. Denn auch 48 Stunden, nachdem die 274 Meter lange "Sanchi" mit einem Frachtschiff kollidiert war, ist es den Löschmannschaften nicht gelungen, das gewaltige Feuer an Bord des iranischen Öltankers unter Kontrolle zu bekommen.

Unter den Einsatzkräften wuchs daher am Montag schon die Sorge, dass man den sich immer stärker abzeichnenden Wettlauf gegen die Zeit verlieren könnte. Denn mit jeder Stunde, die das Feuer weiter wütet, steigt auch die Gefahr, dass das Schiff explodiert und mitsamt dem verbliebenen Öl untergeht. Eine großflächige und schwerwiegende Ölpest wäre dann wohl unvermeidlich, denn die "Sanchi" hatte 163.000 Tonnen Kondensat geladen, ein sehr hochwertiges, aber auch ausgesprochen toxisches und nur schwierig aufzuspürendes Leichtöl.


Laut chinesischen Staatsmedien gestaltete sich der Einsatz vor allem deshalb so schwierig, weil die Mannschaften der Löschschiffe nicht nur mit den viele Meter hohen Flammen zu kämpfen hatten. Auch giftige Gase und die schlechten Wetterbedingungen sowie starker Seegang erschwerten die Bemühungen, das Inferno einzudämmen.

Dass jemand von der 32-köpfigen, überwiegend iranischen Crew das Unglück überlebt haben könnte, galt am Montag zunehmend als unwahrscheinlich. Laut dem Außenministerium in Peking wurde inzwischen schon eine Leiche gefunden, die nun aber noch identifiziert werden muss. Neben der chinesischen Marine hatten sich auch die südkoreanischen Küstenwache und ein US-Aufklärungsflugzeug an der Suche nach den Vermissten beteiligt. Nachdem die Maschine vom Typ P-8A Poseidon ein Gebiet von 12.000 Quadratkilometern abgesucht hatte, musste sie allerdings ohne einen Hinweis auf Überlebende zum Stützpunkt in der japanischen Hafenstadt Okinawa zurückkehren. Die 21 Crew-Mitglieder des chinesischen Getreidefrachters CF Crystal" waren schon unmittelbar nach der Kollision, die sich am Samstagabend rund 300 Kilometer östlich von Shanghai ereignet hatte, unversehrt gerettet worden.

Weniger Tankerunglücke
Wie es zu dem Zusammenstoß kam, ist noch ungeklärt. Sollte die am Montag mit massiver Schlagseite treibende "Sanchi" tatsächlich untergehen oder große Mengen Öl verlieren, wäre es aber die erste große durch einen Tanker verursachte Katastrophe seit Jahren. Denn laut den Daten der International Tanker Owners Pollution Federation (ITOPF) sind Tankerunfälle mit schweren Umweltschäden in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zurückgegangen. Gab es in den 1970er Jahren noch durchschnittlich 24,5 schwere Unglücke pro Jahr, so sank diese Zahl im aktuellen Jahrzehnt auf gerade einmal 1,7. Auch hinsichtlich der Menge des ausgetretenen Öls gingen die Unglücke zuletzt deutlich glimpflicher aus als früher. So traten beim letzten großen Unfall, der Havarie der "Hebei Spirit" vor Südkorea, 11.000 Tonnen Öl aus. Als die "Prestige" 2002 vor der Nordwestküste Spaniens sank, waren es 63.000 Tonnen gewesen, beim Untergang der "ABT Summer" vor Angola im Jahr 1991 sogar 260.000 Tonnen.




Schlagwörter

China, Sanchi, Tankerunglück

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-01-08 18:20:04
Letzte ─nderung am 2018-01-08 22:19:39



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. "Wir haben einen Deal mit Russland"
  2. Erdogan bastelt am Kriegshelden-Mythos
  3. Der große Unterbrecher. Ein Jahr Donald Trump
  4. Vulkan spuckt Lava 700 Meter in den Himmel
  5. Budgetnotstand in den USA beendet
  6. Delegation aus Seoul auf Besuch in Nordkorea
  7. Starkes Erdbeben vor Alaska

Werbung




1926-2018

Spitzenkoch Paul Bocuse ist tot

20180120Bocus - © APAweb / AP Photo, Laurent Cipriani Paris. Der französische Spitzenkoch Paul Bocuse ist tot. Er starb im Alter von 91 Jahren, wie der französische Innenminister Gerard Collomb am Samstag... weiter




1942 - 2018

Flüchtlingshelferin Ute Bock verstorben

20180119UteBock - © APA/ROLAND SCHLAGER Wien. Sie war Österreichs berühmteste Flüchtlingshelferin. Am Freitag verstarb die 75-jährige Ute Bock im nach ihr benannten Ute-Bock-Haus... weiter




Todesfall

"Oh Happy Day"-Sänger Edwin Hawkins gestorben

20180116Hawkins - © APAweb/Brad Barket/Invision/AP San Francisco. Weltbekannt wurde er mit dem Gospel-Song "Oh Happy Day" aus dem Jahr 1969: US-Sänger Edwin Hawkins ist tot... weiter




1971-2018

Sängerin der Cranberries gestorben

20180115FRANCE-MUSIC-FESTIVAL-COGNAC - © APAweb/ AFP, GUILLAUME SOUVANT Dublin. Wie der irische Rundfunk berichtet ist die irische Sängerin und Frontfrau der  "Cranberries" Dolores O'Riordan im Alter von 46 Jahren... weiter






Werbung


Werbung