• vom 10.01.2018, 20:46 Uhr

Weltchronik


Regenfälle

Schlammschlacht




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  • Nach Dürre und Waldbränden kämpft Kalifornien mit der nächsten Katastrophe.


© ap/Michael Baker © ap/Michael Baker

Santa Barbara. Kalifornien kommt nicht zur Ruhe. Nach einer extremen Dürreperiode und den größten Wald- und Buschbränden in der Geschichte des US-Bundesstaates rollen nun die Schlammlawinen an. Ganze Regionen im Süden des Sonnenstaates sind im Dreck regelrecht versunken. Ausgelöst wurde die jüngste Naturkatastrophe durch sintflutartige Regenfälle. Die Böden hielten den gigantischen Wassermassen nicht Stand, ganze Hügel rutschten ab. Mindestens 16 Todesopfer wurden bisher gemeldet, ihre Zahl dürfte sich aber noch deutlich erhöhen, warnten die Behörden. Hunderte Rettungskräfte waren am Mittwoch im Einsatz, um Bewohner, die von den Schlammmassen eingeschlossen waren oder in ihren Häusern festsaßen, in Sicherheit zu bringen. Erschwert wurden die Rettungseinsätze durch die Sturmschäden. Straßen waren überflutet oder durch umgestürzte Bäumen blockiert. Eine wichtige Schnellstraße entlang der Küste war auf einer Länge von etwa 50 Kilometern unbefahrbar.

Die meisten der Toten wurden in Montecito, rund 150 Kilometer nordwestlich von Los Angeles, gefunden. Ihre Häuser seien vom Wasser mitgerissen worden, berichtete der Sender CBS. Mehrere Gebäude wurden dort von Wasser und Geröll mitgerissen. Teilweise stand der Schlamm hüfthoch in den Straßen. Die Polizei des umliegenden Bezirks Santa Barbara berichtete US-Medien zufolge, rund zwei Dutzend Menschen würden noch vermisst. Die Retter befürchteten deshalb, dass die Zahl der Opfer noch steigen könne. Mindestens 25 Menschen seien verletzt worden.


Montecito ("Bergstadt") gehört zu den Gebieten, in denen Ende 2017 die Brände besonders heftig getobt hatten. In knapp vier Wochen hatte sich das Feuer durch insgesamt 1140 Quadratkilometer Wald und Buschwerk gefressen. Vor allem in Hanglagen hatte die Oberfläche den Schlamm- und Wassermassen daher nichts mehr entgegenzusetzen.

Auf dem internationalen Flughafen von Los Angeles musste wegen Überschwemmungen ein Zollabfertigungsbereich im Terminal 2 geschlossen werden. In Burbank, einem Vorort von Los Angeles, fiel durch ein Gasleck die Gasversorgung in bis zu 45 Häusern aus. Der Erdrutsch hatte auch zahlreiche Autos mit sich gerissen und mehrere Häuser beschädigt. Die Behörden ordneten eine Evakuierung des betroffenen Gebietes an.

Die Schlammlawinen überraschten die Menschen Augenzeugenberichten zufolge mitten in der Nacht. "Ich habe meine Frau geweckt und wir wussten einfach nicht, was wir tun sollten - wir waren einfach umgeben von Schlamm", sagte Ben Hyatt aus Montecito dem Sender ABC. "Ich bin gerannt und aufs Bett gesprungen - quasi in Sekunden stand der Schlamm in der Küche bis zu den Arbeitsplatten", fügte Geoff Gray, ein weiterer Anrainer, hinzu.

"Ich dachte, ich sei tot"
Einsatzkräfte retteten in der Stadt ein 14 Jahre altes Mädchen aus Schlammfluten, die sein Haus weggerissen hatten. Das zeigen Fernsehbilder des US-Senders NBC. Die 14-Jährige war mehrere Stunden in den Trümmern gefangen gewesen. Nachdem Suchhunde sie gefunden hatten, dauerte ihre Rettung laut NBC weitere sechs Stunden. "Ich dachte, ich sei tot", sagte die Jugendliche, nachdem Feuerwehrleute sie befreit hatten.

Die bei Santa Barbara lebende Talk-Showmoderatorin Ellen DeGeneres postete eine Luftaufnahme von der überschwemmten Region. "Dies ist kein Fluss. Das ist die Autobahn 101 in meiner Nachbarschaft", schrieb sie zu dem Foto von einer schlammbedeckten Straße. In Los Angeles fiel Angaben des US-Wetterdienstes zufolge so viel Regen wie seit Monaten nicht mehr - mehr als 12 Zentimeter pro Quadratmeter innerhalb von 15 Minuten gefallen. Ausgestanden ist die Schlammschlacht für Kalifornien offenbar noch nicht. Meteorologen sagten gestern weitere Regenfälle und Gewitterstürme in der Region voraus.




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Dokument erstellt am 2018-01-10 20:50:10



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