• vom 17.02.1999, 00:00 Uhr

Weltpolitik

Update: 07.04.2005, 10:14 Uhr

Öcalan: Operation des türkischen Geheimdiensts in Kenia

Öcalan verhaftet: Kurden besetzen Botschaften in Wien




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  • Ankara/Nairobi/Wien · Nach der spektakulären Festnahme von Kurdenführer Abdullah Öcalan in Kenia durch den türkischen Geheimdienst kam es in der Nacht auf Dienstag in mehreren europäischen
  • Städten, darunter auch in Wien, zu Besetzungen von griechischen und kenianischen Botschaften durch Anhänger der Kurdenpartei PKK. Öcalan wartet indes in der Türkei auf seinen Prozeß.

In Wien besetzten rund 30 Aktivisten die griechische Botschaft und hielten den Botschafter, dessen Gattin und drei weitere Mitarbeiter fest.


Auch in die Botschaft Kenias drangen Kurden ein, um gegen die Festnahme Öcalans in Kenia zu protestieren. In der Botschaft Kenias zeichnete sich Dienstag nachmittag ein friedliches Ende der Besetzung

ab.

Die Besetzer ließen erklären, sie seien verhandlungsbereit und wollten bei ihren Aktionen in Wien keine Gewalt mehr anwenden. Der griechische Botschafter in Wien, Ioannis Yennimatas, rechnet mit

einer längeren Dauer der Aktion. Das erklärte er in einem Telefonat mit dem griechischen Fernsehen.

Wie Polizei-Vizepräsident Günther Marek mitteilte, forderten die Besetzer vor allem freies Geleit. Dies sei nicht möglich, meinte Marek. Er hoffe auf eine gütliche Lösung, derzeit laute die Weisung

auf Festnahme wegen des Delikts des Hausfriedensbruchs. An eine Stürmung der Botschaftsgebäude werde derzeit nicht gedacht. Zu den in der griechischen Vertretung festgehaltenen Botschaftsangehörigen

meinte Marek, es handle sich bisher nicht um eine Geiselnahme.

Die Bundesregierung richtete "einen eindringlichen Appell an die in Österreich lebenden Kurden", "von gewalttägigen Aktionen unverzüglich Abstand zu nehmen und die österreichische

Rechtsordnung zu respektieren". Bundeskanzler Viktor Klima und Vizekanzler Wolfgang Schüssel brachten in einer gemeinsamen Erklärung die Erwartung zum Ausdruck, daß die Türkei ein faires Verfahren

gegen den festgenommenen PKK-Chef Öcalan gewährleiste, das europäischen rechtsstaatlichen Kriterien entspreche.

Die kurdischen Botschaftsbesetzer stellten bei ihrer europaweit konzertierten Aktion am Dienstag mehrere Bedingungen zur Beendigung der Aktionen. Wie der Leiter des Wiener Büros der Nationalen

Befreiungsfront Kurdistans (ERNK), Eröl Polat, erklärte, wollten die Besetzer mit Behördenvertretern verhandeln. Weiters müsse die völlige Sicherheit Öcalans vor Todesstrafe und Folter in der

Türkei garantiert werden. Dessen "gesundheitlicher Zustand" müsse gewährleistet werden. Die Rechtsstaatlichkeit des Gerichtsverfahrens müsse überwacht werden. Die ERNK ist der politische Arm der

Kurdischen Arbeiterpartei (PKK).

Europaweit besetzten die aufgebrachten Kurden mehr als ein Dutzend diplomatische Vertretungen Griechenlands und Kenias, so in Den Haag, London und in mehreren Städten Deutschlands. In den Städten

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Dokument erstellt am 1999-02-17 00:00:00
Letzte Änderung am 2005-04-07 10:14:00



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