Kairo. Angst und Unsicherheit überschatten die zweite Etappe der ägyptischen Parlamentswahl. Am Dienstag - einen Tag vor der Stichwahl für die Direktkandidaten in neun Provinzen - attackierten die Sicherheitskräfte erneut Demonstranten auf dem Tahrir-Platz in Kairo. Nach Angaben von Ärzten auf dem Platz wurden mehrere Aktivisten verletzt. Die ägyptischen Aktien gaben wegen der angespannten Situation erneut nach.
Der Generalsekretär der Arabischen Liga, der Ägypter Nabil al-Arabi, nannte in einem Interview der Tageszeitung "Al-Shorouk" die Gewalt in Kairo sehr bedauerlich. Die Verantwortlichen dafür müssten unbedingt zur Rechenschaft gezogen werden. Das Revolutionsland Tunesien sei "auf dem Weg hin zu einer wirklichen Demokratie", fügte er hinzu. In Ägypten sei die Lage dagegen momentan verfahren und kompliziert.
Nach Informationen lokaler Medien hat die Staatsanwaltschaft festgestellt, dass 25 der insgesamt mehr als 700 Verletzten, die nach den Ausschreitungen der vergangenen Tage medizinisch behandelt worden waren, Schussverletzungen hatten. Ein Sprecher des Obersten Militärrates hatte am Montag bestritten, dass die Militärpolizei mit scharfer Munition auf die Demonstranten geschossen habe. Nach offiziellen Angaben starben bei den Straßenschlachten seit Freitag zwölf Menschen. Aktivisten sprechen jedoch von 13 bis 16 Toten.
In der Provinz Assuan muss die Wahl für die Kandidaten der Parteilisten wiederholt werden. Laut Medienberichten gab ein Verwaltungsgericht der Klage einer Partei statt, deren Name auf dem Wahlzettel in der vergangenen Woche gefehlt hatte. Zwei Drittel der insgesamt 498 Mandate werden an die Kandidaten der Parteilisten vergeben. Ein Drittel ist für Direktkandidaten reserviert.
An diesem Mittwoch und Donnerstag findet in fast allen Wahlbezirken der neun Provinzen der zweiten Etappe eine Stichwahl statt, weil im ersten Wahlgang fast kein Kandidat mehr als 50 Prozent der Stimmen erhalten hatte. Bisher liegen insgesamt die Islamisten vorne. Die Wahl soll am 11. Jänner enden.