• vom 29.12.2011, 09:16 Uhr

Weltpolitik

  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Nicht die Partei, sondern das Wahlvolk bestimmt, wer kandidiert

Die komplizierten US-Vorwahlen



Wien/Washington (APA) - Die Vorwahlen (primaries) und Wahlversammlungen (caucuses) in den einzelnen Staaten sind ein wesentlicher Teil des komplizierten Verfahrens zur Auswahl der Präsidentschaftskandidaten in den USA. Die erste Wahlversammlung findet traditionell im Farmerstaat Iowa statt, die erste Vorwahl im kleinen Neuengland-Staat New Hampshire. Sie markieren den offiziellen Beginn des langen Kampfes um das Weiße Haus, an dessen Ende - stets am Dienstag nach dem ersten Montag im November (diesmal am 6. November 2012) - schließlich die Wahl des Präsidenten steht.

Werbung

Bedeutung werden diese Vorwahlen diesmal nur für die Republikaner haben, die aus einer großen Auswahl an Herausforderern zu wählen haben, während bei den Demokraten der Kandidat mit Amtsinhaber Barack Obama bereits feststeht. Trotzdem werden aber auch letztere Vorwahlen abhalten, teils deshalb, weil sich auch bei ihnen der eine oder andere mit Obama unzufriedene Gegenkandidat - obschon chancenlos - zur Wahl stellen will, teils um ihn Vorwahlzeiten nicht gegen die Republikaner medial ins Hintertreffen zu geraten und die Möglichkeit zu nutzen, die eigenen Anhänger zu mobilisieren.

Die Ergebnisse, die die Bewerber bei der Kandidatenkür in den ersten kleinen Staaten einfahren, haben zunächst nur symbolische Bedeutung: Wer hier gewinnt, sichert sich im Kandidatenrennen die erste Spitzenposition und damit die Aufmerksamkeit nationaler und internationaler Medien. Diesen Vorsprung aufzuholen ist für die Mitbewerber zwar nicht unmöglich, aber auch nicht leicht.

Die Vorwahlen wurden zu Beginn des vorigen Jahrhunderts mit dem Ziel eingeführt, dem Volk statt dem jeweiligen Parteiapparat die Entscheidung über einen Kandidaten zu ermöglichen. An ihnen können sich sowohl Amtsinhaber als auch von örtlichen Parteigremien nominierte Bewerber mit erwiesener Unterstützung innerhalb ihres Wahlkreises beteiligen.

Der Ablauf der Vorwahlen ist, da verfassungsrechtlich nicht geregelt, in den einzelnen Staaten unterschiedlich. Prinzipiell werden nicht die Präsidentschaftskandidaten selbst bestimmt, sondern Delegierte für den jeweiligen Wahlparteitag im Sommer. Diese Delegierten sind dann allerdings in der Regel auf einen bestimmten Kandidaten festgelegt. Da in den USA fast ausschließlich nach dem reinen Mehrheitsprinzip gewählt wird, erhält der Sieger in der Regel alle Delegiertenstimmen eines Staates für den Parteitag. Auf diesem "Konvent" wird dann der Herausforderer offiziell in volksfestähnlicher Stimmung gekürt.

In den meisten Staaten der USA erfolgt die Auslese in Form der "primary". Dahinter steht die Idee, dass prinzipiell alle Bürger an der Kür der Kandidaten beteiligt werden sollen. Die meisten Staaten haben aber eine "geschlossene Vorwahl", bei der nur eingeschriebene Parteimitglieder an die Urnen ihrer jeweiligen Partei dürfen. Demgegenüber steht die "offene Vorwahl", wie sie derzeit 17 Staaten praktizieren: Hier dürfen sich wirklich alle Bürger an den Vorwahlen beteiligen. Die Folge ist, dass bisweilen auch viele Nicht-Parteimitglieder aktiv werden, um das Ergebnis beim politischen Gegner zu beeinflussen. Als Konsequenz führten etliche Staaten "halboffene" primaries ein, bei der sich die Wähler an nur einer Vorwahl beteiligen können und diese vor Betreten der Wahlzelle auch festlegen müssen.

In den "Caucus"-Staaten dagegen wählt überhaupt eine reine Parteiversammlung den jeweiligen Delegierten für den Wahlkonvent in schriftlicher oder offener Abstimmung, um die Unterstützung Unentschlossener zu gewinnen.

Der Stimmenanteil der Staaten auf dem Nominierungsparteitag hängt vor allem von ihrer Bevölkerungsstärke und ihrem Wähleranteil bei den letzten drei Präsidentenwahlen ab. Nicht alle Delegierten werden aber auch durch die Vorwahlen bestimmt, es gibt mehrere hundert sogenannte "Superdelegierte" - die Kongress-Mitglieder und Gouverneure sowie Vertreter des Parteiapparats. Sie sind nicht an Entscheidungen in ihren Bundesstaaten gebunden und könnten daher ein nach den primaries klar erscheinendes Ergebnis noch verändern - zumindest theoretisch.



Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2011-12-29 09:16:18


Beliebte Inhalte



Immer noch die coolste Präsidentenfamilie der Welt: Die Obamas nach der Landung in Berlin-Tegel. - APAweb / AP / Michael Probst
  • "Prism"-Abhörskandal überschattet Berlin-Besuch Barack Obamas.
  • Hauptthemen sind Freihandel und atomare Abrüstung.
  • weiter

Zum Abschluss des zweitägigen Treffens am Lough Erne verständigten sich die führenden Industriestaaten und Russland (G-8) auf eine engere Zusammenarbeit, um Steuerflucht zu bekämpfen. - APAweb/AP Photo/RIA-Novosti, Alexei Nikolsky, Presidential Press Service
  • Engere Zusammenarbeit bei Steuerflucht und Übergangsregierung in Syrien geplant.
  • weiter

Ein Demonstrant vor dem Rathaus in Sao Paulo. - APAweb / AP / Nelson Antoine
  • Ausschreitungen in Sao Paulo und anderen Städten - nun soll das Militär einschreiten.
  • weiter
  • Update vor 50 Min.

  • "Hoher Friedensrat" soll erstmals direkte Gespräche mit Taliban führen.
  • weiter

Ein Demonstrant schwingt die brasilianische Fahne während eines Protests in Sao Paulo, Brasilien. - APAweb / AP / Nelson Antoine
  • Rund 200.000 Menschen taten Ärger über Regierung kund.
  • weiter

Die US-Geheimdienste lesen mit. - © Andrea Danti - Fotolia.com
  • Unter Barack Obama wurde das Programm noch ausgeweitet.
  • weiter

In Hongkong versteckt: Ex-NSA-Mann Snowden. - ap
  • Held oder Verräter: Heftige Reaktionen auf Enthüllungen.
  • weiter

Ein Bub kämpft auf der Seite der Free Syrian Army. - reuters
  • Die UNO berichtet von Kindersoldaten, Exekutionen und warnt vor Massakern.
  • weiter

Syrische Rebellen sollen mit Waffen unterstützt werden. - APAweb / AP / AP / Aleppo Media Center AMC
  • Obamas "rote Linie" in Syrien überschritten.
  • USA erwägen, eine Flugverbotszone über Syrien einzurichten.
  • weiter

Die Überwachung des Internets durch den US-Geheimdienst hat bei Politikern kaum für Empörung gesorgt. Die Maßnahmen werden als notwendig im Kampf gegen den Terrorismus erachtet. - APAweb / EPA, Jim Lo Scalzo
  • In Deutschland will sich Innenausschuss des Bundestages damit befassen.
  • weiter




Werbung



Umfrage

Werbung


Schwere Unwetterschäden nach einem Murenabgang im Ortskern von Hallstatt aufgenommen am Mittwoch, 19. Juni 2013. Nach einem heftigen Unwetter ist der Mühlbach über die Ufer getreten wobei eine Mure den Ortskern von Hallstatt im oberösterreichischen Salzkammergut beschädigt hat.

Ein Fahrrad an einer Kreuzung mitten im 9. Bezirk war der etwas ungewöhnliche Rastplatz für ein Bienenvolk. Guten Tag, Lubango! Der Giraffen-Junge kam am Samstag, 15. Juni, zur Welt.

18.6.2013: Heute herrscht in Österreich wieder Badewetter: Über 35 Grad Celsius werden erwartet. Kunstraub der anderen Art: Von einer Hauswand  in London ausgemeißelt wurde im Februar das Banksy-Graffitikwerk "Slave Labour". Kurz darauf tauchte es bei einem Auktions-Haus in Miami in Florida wieder auf. Am 2. Juni wiederum wurde es trotz Proteste um 1,1 Millionen Dollar in London versteigert. Das Kulturbild der Woche geht nun für zwei Wochen auf Urlaub und ist am 24.Juni wieder zurück.

Werbung