Wien/Washington (APA) - Die Vorwahlen (primaries) und Wahlversammlungen (caucuses) in den einzelnen Staaten sind ein wesentlicher Teil des komplizierten Verfahrens zur Auswahl der Präsidentschaftskandidaten in den USA. Die erste Wahlversammlung findet traditionell im Farmerstaat Iowa statt, die erste Vorwahl im kleinen Neuengland-Staat New Hampshire. Sie markieren den offiziellen Beginn des langen Kampfes um das Weiße Haus, an dessen Ende - stets am Dienstag nach dem ersten Montag im November (diesmal am 6. November 2012) - schließlich die Wahl des Präsidenten steht.
Bedeutung werden diese Vorwahlen diesmal nur für die Republikaner haben, die aus einer großen Auswahl an Herausforderern zu wählen haben, während bei den Demokraten der Kandidat mit Amtsinhaber Barack Obama bereits feststeht. Trotzdem werden aber auch letztere Vorwahlen abhalten, teils deshalb, weil sich auch bei ihnen der eine oder andere mit Obama unzufriedene Gegenkandidat - obschon chancenlos - zur Wahl stellen will, teils um ihn Vorwahlzeiten nicht gegen die Republikaner medial ins Hintertreffen zu geraten und die Möglichkeit zu nutzen, die eigenen Anhänger zu mobilisieren.
Die Ergebnisse, die die Bewerber bei der Kandidatenkür in den ersten kleinen Staaten einfahren, haben zunächst nur symbolische Bedeutung: Wer hier gewinnt, sichert sich im Kandidatenrennen die erste Spitzenposition und damit die Aufmerksamkeit nationaler und internationaler Medien. Diesen Vorsprung aufzuholen ist für die Mitbewerber zwar nicht unmöglich, aber auch nicht leicht.
Die Vorwahlen wurden zu Beginn des vorigen Jahrhunderts mit dem Ziel eingeführt, dem Volk statt dem jeweiligen Parteiapparat die Entscheidung über einen Kandidaten zu ermöglichen. An ihnen können sich sowohl Amtsinhaber als auch von örtlichen Parteigremien nominierte Bewerber mit erwiesener Unterstützung innerhalb ihres Wahlkreises beteiligen.
Der Ablauf der Vorwahlen ist, da verfassungsrechtlich nicht geregelt, in den einzelnen Staaten unterschiedlich. Prinzipiell werden nicht die Präsidentschaftskandidaten selbst bestimmt, sondern Delegierte für den jeweiligen Wahlparteitag im Sommer. Diese Delegierten sind dann allerdings in der Regel auf einen bestimmten Kandidaten festgelegt. Da in den USA fast ausschließlich nach dem reinen Mehrheitsprinzip gewählt wird, erhält der Sieger in der Regel alle Delegiertenstimmen eines Staates für den Parteitag. Auf diesem "Konvent" wird dann der Herausforderer offiziell in volksfestähnlicher Stimmung gekürt.
In den meisten Staaten der USA erfolgt die Auslese in Form der "primary". Dahinter steht die Idee, dass prinzipiell alle Bürger an der Kür der Kandidaten beteiligt werden sollen. Die meisten Staaten haben aber eine "geschlossene Vorwahl", bei der nur eingeschriebene Parteimitglieder an die Urnen ihrer jeweiligen Partei dürfen. Demgegenüber steht die "offene Vorwahl", wie sie derzeit 17 Staaten praktizieren: Hier dürfen sich wirklich alle Bürger an den Vorwahlen beteiligen. Die Folge ist, dass bisweilen auch viele Nicht-Parteimitglieder aktiv werden, um das Ergebnis beim politischen Gegner zu beeinflussen. Als Konsequenz führten etliche Staaten "halboffene" primaries ein, bei der sich die Wähler an nur einer Vorwahl beteiligen können und diese vor Betreten der Wahlzelle auch festlegen müssen.
In den "Caucus"-Staaten dagegen wählt überhaupt eine reine Parteiversammlung den jeweiligen Delegierten für den Wahlkonvent in schriftlicher oder offener Abstimmung, um die Unterstützung Unentschlossener zu gewinnen.
Der Stimmenanteil der Staaten auf dem Nominierungsparteitag hängt vor allem von ihrer Bevölkerungsstärke und ihrem Wähleranteil bei den letzten drei Präsidentenwahlen ab. Nicht alle Delegierten werden aber auch durch die Vorwahlen bestimmt, es gibt mehrere hundert sogenannte "Superdelegierte" - die Kongress-Mitglieder und Gouverneure sowie Vertreter des Parteiapparats. Sie sind nicht an Entscheidungen in ihren Bundesstaaten gebunden und könnten daher ein nach den primaries klar erscheinendes Ergebnis noch verändern - zumindest theoretisch.