• vom 12.01.2012, 18:50 Uhr

Weltpolitik

Update: 12.01.2012, 20:11 Uhr

Taiwan

"Parteien verbindet in China-Frage mehr, als sie trennt"




  • Artikel
  • Kommentare (3)
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief





Gunter Schubert ist Professor für Greater China Studies an der Universität Tübingen und Direktor des European Research Center on Contemporary Taiwan.

Gunter Schubert ist Professor für Greater China Studies an der Universität Tübingen und Direktor des European Research Center on Contemporary Taiwan. Gunter Schubert ist Professor für Greater China Studies an der Universität Tübingen und Direktor des European Research Center on Contemporary Taiwan.

Das hängt davon ab, wer in Taiwan an der Regierung ist. Aber auch China weiß, dass Taiwan eine Demokratie ist und dass ein von Peking bevorzugter Kuomintang-Kandidat eine Wahl verlieren kann. Die Volksrepublik stellt sich also auch darauf ein, dass Tsai Ing-wen von der DPP die nächste Präsidentin werden könnte. Peking wird aber bestimmt nicht von seiner wichtigsten Bedingung für bilaterale Gespräche abrücken: dass Taiwan sich zum Ein-China-Prinzip bekennen muss. Und wenn dies nicht mehr geht, dann kann ich mir vorstellen, dass bestimmte Gesprächskanäle wieder geschlossen werden.

Ist es nicht auch ein Dilemma für Taiwan, dass etwa wirtschaftlich China ohne Taiwan, aber Taiwan nicht ohne China kann?

Das betrifft ja nicht nur Taiwan, sondern auch alle anderen umliegenden Länder und eigentlich die ganze Welt. Wenn Taiwan nicht mehr so wichtig wäre für China, wäre das ja eigentlich nur gut für Taiwan, weil dann viel Spannung aus dem Kessel genommen würde. Da sollte man sich aber nichts vormachen. Zwar ist Taiwan in ökonomischer Hinsicht ein kleiner Fisch, aber ideologisch für die Volksrepublik von enormer Bedeutung. Taiwan ist ein wichtiger Bestandteil der Selbstlegitimation der Kommunistischen Partei und man wird insofern auch nicht von dem Ein-China-Prinzip abrücken.

Können sich Politiker in Taiwan mit dem Modell "Ein Land - zwei Systeme", wie es China in Hongkong praktiziert, anfreunden?

Nein, dieses Modell hat in Taiwan überhaupt keinen Markt, und das über die Parteigrenzen hinweg. Aber die Volksrepublik will genau dorthin. China will eine spezifische Variante von "Ein Land - zwei Systeme", das Taiwan mehr Rechte geben soll als Hongkong. Im Prinzip ist dieses Modell das, was man unter Wiedervereinigung versteht.

Wie stark ist eine spezifisch taiwanesische Identität ausgeprägt?

Es gibt zahlreiche seriöse Erhebungen, in denen regelmäßig die Frage gestellt wird: Fühlen Sie sich eher als Taiwanese, Chinese oder als Taiwanese und Chinese? Der Anteil derjenigen, die sich nur als Taiwanese sehen, ging in den vergangenen 20 Jahren kontinuierlich nach oben und beträgt heute knapp 55 Prozent. Früher entfiel der größte Prozentsatz auf diejenigen, die sich gleichzeitig als Taiwanese und Chinese betrachteten. Er steht heute bei knapp 40 Prozent. Als Chinesen fühlen sich nur noch knapp 5 Prozent. Insofern gibt es eine taiwanesische Identität, aber es stellt sich die Frage, wie man diese definiert. Ich würde mal so sagen: Man versteht Taiwan mehrheitlich als Teil des chinesischen Kulturkreises. Aber eine Nation ist auch an einen Staat gebunden. Und wenn die Nation nicht nur kulturnationalistisch, sondern auch staatsnationalistisch definiert ist, dann bildet Taiwan eine eigene Nation, die sich entweder über die existierende Republik China oder über eine imaginäre Republik Taiwan definiert.

zurück zu Seite 1




Schlagwörter

Taiwan, China

3 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2012-01-12 18:20:05
Letzte ─nderung am 2012-01-12 20:11:04




Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Keine Scheu vor Deal mit Rechten
  2. "Nächstes Nordkorea vor der Tür"
  3. Militärbündnis erklärt Rakka für befreit
  4. Iran steht nach wie vor zum Atom-Deal
  5. Die großen Visionen von Präsident Xi
  6. Shinzo Abe steht in Japan vor einem klaren Wahlsieg
  7. Täglich sterben 15.000 Kleinkinder


Werbung


Werbung