
Washington/Damaskus/Moskau. (schmoe) Die US-Regierung deutet jetzt erstmals die Möglichkeit an, die syrische Opposition militärisch zu unterstützen. Man favorisiere zwar immer noch eine politische Lösung, heißt es im Weißen Haus, wolle aber "zusätzliche Schritte" nicht ausschließen.
Sollten die USA tatsächlich damit beginnen, die tausenden syrischen Deserteure mit Waffen zu versorgen, wäre Syrien bald in eine Art Stellvertreter-Krieg verwickelt - was an Zeiten des Kalten Krieges erinnert. Denn Russland, das sich immer mehr als Gegenpol zum Westen begreift und militärisch aufrüstet, liefert bereits Waffen an das syrische Regime. Und das in beachtlichem Ausmaß: Allein 2011 soll Moskau Kriegsgerät im Wert von fast einer Milliarde Dollar (756 Millionen Euro) an Machthaber Bashar al-Assad verschickt haben. Das sagen Vertreter des syrischen Regimes, die die Seite gewechselt haben. Seit Ausbruch des Aufstands soll Russland die Waffenlieferungen aufgestockt haben. Unter den Importen befinden sich angeblich auch komplexe Raketensysteme, aber vor allem kleinere Waffen, deren exakter Ursprung nur schwer nachverfolgt werden kann. Rund 50 Prozent des gesamten syrischen Waffenarsenals stammen aus russischen Quellen, 30 Prozent aus China, etwa 20 Prozent vom Verbündeten Iran. Eine Resolution im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen, die den Weg für ein internationales Waffenembargo hätte frei machen können, scheiterte im vergangenen Jahr am Veto Russlands und Chinas.
Rotes Kreuz

verlangt Kampfpause
Unterdessen verschlechtert sich die Situation für die syrische Bevölkerung dramatisch. Am Dienstag sollen landesweit mindestens 100 Menschen ums Leben gekommen sein, 56 allein in der Provinz Homs, dem Zentrum des Aufstandes gegen Assad. Bei einem Großteil der Toten handelt es sich um Zivilisten, mehr als 5000 sollen bis jetzt umgekommen sein, 2000 Bewaffnete sind gefallen. Die Zivilisten sterben, weil syrische Regierungstruppen Wohnviertel, wo sie Rebellen vermuten, wahllos unter Beschuss nehmen. Oft werden auch Zivilisten gezielt erschossen, um Angst zu schüren. Immer öfter werden Krankenhäuser von Schergen des Diktators durchkämmt und Verletzte verschleppt. Die UNO fordert jetzt, dass Hilfsorganisationen Zugang zur notleidenden Bevölkerung erhalten, das Rote Kreuz verlangt eine Kampfpause. Frankreich plant die Schaffung von "humanitären Korridoren", damit Hilfslieferungen ihr Ziel erreichen können. Die Frage ist, in welchem Umfang Moskau und Damaskus das zulassen.
Am Mittwoch wurden in Homs zwei westliche Journalisten von syrischen Streitkräften getötet. Es handelt sich dabei um die US-amerikanische Redakteurin Marie Colvin von der "Sunday Times" und den französischen Fotografen Remi Ochlik. Ihr Haus war zunächst beschossen worden, dann wurden sie auf der Flucht von einer Rakete getroffen.