• vom 23.02.2012, 15:43 Uhr

Weltpolitik

Update: 23.02.2012, 18:41 Uhr
  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Nach Koran-Verbrennung durch NATO-Soldaten

Afghane erschoss zwei US-Soldaten



  • Taliban riefen zu Angriffen auf.
  • Obama bat Karzai um Entschuldigung für Verbrennung.

Tausende nahmen an den Protesten nördlich von Kabul teil: Ein Afghane hält den Koran in die Luft - die Proteste richtigen sich gegen das US-Militär, nachdem Soldaten Exemplare des Koran verbrannt hatten.

Tausende nahmen an den Protesten nördlich von Kabul teil: Ein Afghane hält den Koran in die Luft - die Proteste richtigen sich gegen das US-Militär, nachdem Soldaten Exemplare des Koran verbrannt hatten.EPAweb /S. SABAWOON Tausende nahmen an den Protesten nördlich von Kabul teil: Ein Afghane hält den Koran in die Luft - die Proteste richtigen sich gegen das US-Militär, nachdem Soldaten Exemplare des Koran verbrannt hatten.EPAweb /S. SABAWOON

Kabul. Die afghanischen Taliban nutzen die Empörung über die Verbrennung von Koran-Schriften, um die Afghanen zu Gewaltakten gegen die ausländischen Truppen aufzustacheln. Am Donnerstag erschoss ein afghanischer Soldat zwei NATO-Soldaten auf einem US-Stützpunkt in der östlichen Provinz Nangarhar.

Werbung

Wie aus Militärkreisen weiter verlautete, hatten sich vor dem Stützpunkt Demonstranten versammelt, um gegen die Verbrennung der Bücher zu protestieren. US-Präsident Barack Obama bat seinen afghanischen Kollegen Präsident Hamid Karzai um Entschuldigung. Der Zwischenfall sei ein unabsichtliches Fehlverhalten gewesen. Karzai sagte dazu, aus seiner Sicht habe der verantwortliche Offizier ignorant und mit wenig Verständnis für die Bedeutung des Korans gehandelt.

Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle äußerte sich bestürzt, dass durch die Koranverbrennung "die Gefühle vieler Menschen in Afghanistan verletzt wurden". "Deutschland und alle unsere Vertreter in Afghanistan empfinden tiefen Respekt für den Islam, seine Anhänger und seine Schriften", erklärte der Minister.

Am Dienstag hatten afghanische Arbeiter beim Durchwühlen einer Müllhalde am Militärstützpunkt Bagram rund 75 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Kabul verkohlte Exemplare des Koran gefunden. Der Koran gilt den Muslimen als direktes Wort Gottes und die Verbrennung des Buches als Schändung. Schon kurz nach dem Bekanntwerden des Fundes gingen in mehreren Landesteilen Tausende Menschen auf die Straße. Bei den Protesten wurden mindestens elf Menschen getötet und 17 verletzt. In mehreren Fällen hatten afghanische Polizisten oder Soldaten auf die Demonstranten geschossen.

Die radikal-islamischen Taliban riefen ihre Landsleute und besonders Soldaten und Polizisten auf, sich gegen die NATO-Truppen und alle westlichen Ausländer zu erheben. "Unsere tapferen Leute müssen die Militärstützpunkte der Eindringlinge ins Visier nehmen, ihre Militärkonvois und Streitkräfte", heißt es in einer im Internet verbreiteten Erklärung der Taliban. Die Afghanen sollten die Ausländer töten, schlagen oder gefangen nehmen, um ihnen eine Lektion zu erteilen, damit sie nie wieder den Koran schändeten. Speziell an die Soldaten und Polizisten erging die Aufforderung, "ihre religiösen und nationalen Pflichten zu erfüllen, indem sie ihre Waffen gegen die ausländischen ungläubigen Eindringlinge richten".

Die Protestaktionen hielten auch am Donnerstag an. In Kabul warf eine kleine Gruppe von etwa 500 Demonstranten dabei mit Steinen und Stöcken. Polizisten und in Zivil gekleidete Sicherheitskräfte trieben sie auseinander, indem sie dicht über ihre Köpfe hinwegschossen.

In der Provinz Farjab an der Grenze zu Turkmenistan demonstrierten rund 400 Menschen vor einem von Norwegen geführten Militärstützpunkt. Sie warfen mit Steinen und setzten Autos in Brand. Auf dem Stützpunkt sind rund 500 Soldaten und Zivilisten aus Norwegen, Lettland, Mazedonien, Island und den USA. In der östlichen Provinz Kapisa richteten sich die Proteste gegen eine französische Militärbasis. Die Demonstranten seien dort aber von der Polizei vertrieben worden, sagte Polizeichef Abdul Hamid.




Schlagwörter

Afghanistan, Taliban, Koran

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-02-23 15:43:45
Letzte Änderung am 2012-02-23 18:41:55


Beliebte Inhalte



Dana Sleiman, Sprecherin des UNHCR im Libanon. - T. Seifert
  • UNO-Flüchtlingshilfswerk rechnet mit einer Verschärfung der Flüchtlingskrise.
  • weiter

Abdo ist mit seiner Familie aus Syrien in den Libanon geflohen und wohnt nun in einer Garage. Vor der Tür seiner Behausung ist eine Zeltstadt für Flüchtlinge entstanden. T. Seifert
  • Kann eine geplante internationale Syrien-Konferenz das Land vor dem völligen Abgleiten ins Chaos bewahren?
  • weiter

PKK-Mitglieder sammeln Unterschriften für die Freilassung Öcalans am Fuße der Zitadelle in Erbil. - sven
  • Syrien-Konflikt beflügelt Frieden zwischen Kurden und Türken.
  • weiter

Istanbul/Damaskus. Die meisten der in Syrien begangenen Kriegsverbrechen werden erst ans Tageslicht kommen, wenn der Krieg zu Ende ist...weiter

Bei der Urteilsverkündung war von "Staatsterrorismus" während seiner Herrschaft die Rede. Videla hatte 1976 einen Putsch mitangeführt und stand bis 1981 an der Spitze der Militärjunta, die noch bis 1983 in Argentinien herrschte. - APAweb/EPA/Enrique Garcia Medina
  • Während seiner Herrschaft wurden 30.000 Menschen ermordet oder verschwanden spurlos.
  • weiter

Israel hat nun einen Militärschlag in Syrien bestätigt. - APAweb/EPA/OLIVER WEIKEN
  • Attacke stelle eine Allianz von islamischen Terroristen mit Israel dar
  • weiter

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan will ein härteres Vorgehen gegen Syrien. - APAweb / Reuters, Umit Bektas
  • USA setzen auf politische Lösung.
  • weiter

Der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad soll verschiedenen Medienberichten zufolge am 29. April für sieben Stunden verhaftet worden sollen sein...weiter

PKK-Mitglieder sammeln Unterschriften für die Freilassung Öcalans am Fuße der Zitadelle in Erbil. - sven
  • Syrien-Konflikt beflügelt Frieden zwischen Kurden und Türken.
  • weiter

Probe für den Ernstfall? Israelische Soldaten stürmen bei einer Übung ein Gebäude. - epa
  • Israels Alleingang kommt angesichts der Sicherheitsrats-Blockade nicht ungelegen.
  • weiter




Werbung



Umfrage

Werbung


Frankreich: Amandine Bourgeois - "L'enfer et moi"

Der Teil einer Installation des pakistanischen Künstlers von Imran Qureshi im Metropolitan Museum in New York. Die letzten Stufen werden noch eingekleidet, und dann kanns los gehen:

18. 5. 2013: Ein lesbisches Paar in Myanmar: Der "Internationale Tag gegen Homophobie" geriet weltweit zu einem bunten und eindringlichen Protest gegen Diskriminierung. Noch herrscht auf der Croisette vor dem Palais des Festivals in Cannes die Ruhe vor dem Sturm.

Werbung