Damaskus. Kofi Annan malte in Genf eine düstere Zukunftsperspektive für Syrien. "Ich habe tiefe Sorge, dass das Land voll und ganz in den Bürgerkrieg abrutscht", warnte der Sondergesandte von UNO und Arabischer Liga. Um dies zu verhindern, will der Ex-UN-Generalsekretär in den kommenden Tagen erneut nach Damaskus fliegen, um die Einhaltung des Friedensplans einzumahnen. Sollte der scheitern, hätte dies Auswirkungen nicht nur auf Syrien selbst, sondern auch "auf die gesamte Region".
"Die Militär-Aktionen sind zwar etwas weniger geworden", räumte der Ghanaer in seiner Rede ein. "Aber der vereinbarte Waffenstillstand wird immer noch heftig verletzt. Das Ausmaß der Gewalt bleibt inakzeptabel."
Wie explosiv die Lage ist, davon konnten sich am Mittwoch UN-Beobachter mit eigenen Augen überzeugen. Auf ihren Konvoi wurde am Morgen in der südlichen Stadt Deraa ein Anschlag verübt. Ziel waren zwei Begleitfahrzeuge der syrischen Armee; acht Soldaten wurden leicht verletzt, als der Sprengsatz neben der Straße detonierte. Die 12 UN-Beobachter und die mitreisenden ausländischen Journalisten blieben unversehrt. In dem Konvoi befand sich auch der Leiter der Syrien-Mission, der Norweger Robert Mood. Wer hinter der Tat steht, war zunächst unklar. Der oppositionelle Syrische Nationalrat (SNC) machte das Regime "für die Provokation" verantwortlich. Auch in anderen Landesteilen gab kam es am Mittwoch erneut zu Gewalt. So nahm die Armee Oppositionsangaben zufolge die Rebellenhochburg Duma unter Beschuss.
Das Ergebnis der von der Opposition boykottierten Parlamentswahl vom Montag ließ indes weiter auf sich warten. Vor allem in den Rebellenhochburgen Aleppo, Homs, Hama, Daraa und Idlib dürfte die Beteiligung jedoch sehr gering gewesen sein. Das Regime Bashar al-Assads hatte erstmals Oppositionsparteien zur Wahl antreten lassen. Die Hoffnung, der Volksrevolte damit den Wind aus den Segeln zu nehmen, erfüllte sich freilich nicht.