Chicago. Unmittelbar vor Beginn des NATO-Gipfels in Chicago hat sich die Sicherheitslage in der Millionenstadt zugespitzt. Die Polizei vereitelte offensichtlich mehrere geplante Brandanschläge unter anderem auf ein Wahlkampfbüro von US-Präsident Barack Obama. Drei junge Männer stehen unter Terrorverdacht. Bei den Festgenommenen seien Brandsätze und Waffen gefunden worden.
In den Wolkenkratzerschluchten Chicagos protestierten am Samstag Tausende gegen die NATO. Sie zogen in mehreren Hundertschaften durch die Metropole am Michigansee. Ihre Plakate trugen Slogans wie "NATO ist gleich dritter Weltkrieg". Für die Nacht wurden Ausschreitungen befürchtet.
Die größte Protestwelle wird für diesen Sonntagmittag (Ortszeit) erwartet. Die Veranstalter haben zu einer Massendemo mitten im Zentrum aufgerufen und erhoffen sich Zehntausende Teilnehmer. Die Polizei verschärfte ihre Sicherheitsmaßnahmen nochmals drastisch. Rund 3.000 Beamte sind im Einsatz.
Die Ermittler beschuldigen die drei Festgenommenen der Beihilfe zu Gewalt und terroristischen Aktionen. Sie hätten Molotow-Cocktails gebaut und mehrere Anschlagziele im Visier gehabt - außer Obamas lokaler Wahlkampfzentrale auch das Haus des Chicagoer Bürgermeisters Rahm Emanuel. Er war einst Obamas Stabschef im Weißen Haus.
Eine Anwältin der nach Gerichtsunterlagen 20, 24 und 27 Jahre alten Männer wies die Vorwürfe zurück. Laut Ermittlern soll das von US-Medien "NATO-3" genannte Trio gedroht haben: "Nach der NATO wird diese Stadt niemals mehr dieselbe sein." Staatsanwältin Anita Alvarez sagte: "Diese Männer waren hier, um Menschen zu verletzen."
Die drei stammen nicht aus Chicago im US-Bundesstaat Illinois, sondern aus anderen Bundesstaaten. Sie seien gemeinsam aus Florida nach Chicago gekommen und Mitte der Woche bei einer Hausdurchsuchung festgenommen worden. Sie wurden am Samstag einem Richter vorgeführt.
Der Festnahme waren laut Polizei und Medien monatelange Ermittlungen vorausgegangen. Bei den Männern entdeckten die Fahnder nach eigenen Angaben auch eine Pistole, ein Schwert, einen Jagdbogen, Messer und andere Waffen. Sie sollen zum radikalen schwarzen Block gehören - vermummte und oft gewaltbereite Aktivisten.
Die Anwältin der Männer sagte, sie seien Anti-NATO-Demonstranten. In den gefunden Flaschen hätten sie aber nur Bier brauen wollen. Die Benzinbomben hätten ihnen verdeckte Ermittler untergeschoben. "Wir können nicht oft genug sagen, dass wir glauben, dass diese Anklagen sehr aufgebläht sind", sagte Anwältin Sarah Gelsomino.