Damaskus. Es ist das größte Blutbad seit Beginn des Aufstandes gegen Syriens Machthaber Bashar al-Assad vor 16 Monaten: In der westsyrischen Ortschaft Taramseh wurden 150 bis 250 Personen ermordet; Männer, Frauen, Kinder und Greise. "Zutiefst besorgt" zeigte sich UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon, "tief schockiert" die Außenbeauftragte der EU, Catherine Ashton. US-Außenministerin Hillary Clinton sagte am Freitag, der UN-Sicherheitsrat müsse nun deutlich handeln.
Kein Zweifel besteht an der Tat, jedoch Unklarheit bei den Mördern - auch wenn Clinton von "unbestreitbaren Beweisen" für die Ermordung von Zivilisten durch das Regime sprach. Die oppositionelle "Allgemeine Kommission für die Syrische Revolution" schildert, die Armee habe das Dorf am Donnerstag zuerst belagert und unter Beschuss genommen. Dann seien Milizionäre des Regimes aus umliegenden Dörfern in den Ort gekommen, um die Menschen in ihren Häusern umzubringen. Die Rebellen fordern angesichts der Toten - wie seit Monaten - eine militärische Intervention zum Sturz Assads. Das Regime macht hingegen die Opposition für die Tat verantwortlich. Diese wolle nach Leseart von Assads Getreuen die Weltöffentlichkeit gegen den Präsidenten aufhetzen.

"Je vehementer ein Konflikt, desto intensiver dessen Symbolik, um internationale Unterstützung zu erreichen", analysiert der Syrien-Experte Michael Zürn im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Zum jetzigen Stand könne niemand beurteilen, wer für das Massaker verantwortlich ist - ein Missbrauch durch die Opposition sei genauso möglich wie ein Angriff des Militärs samt der gefürchteten Shabiha-Milizen, so der Forscher des Wissenschaftszentrum Berlin. Berichte von Aktivisten und mit ihnen kooperierender Gruppen können nur selten überprüft werden. Sowohl Regime als auch Opposition versuchen immer wieder, sich als Opfer, die Gegenseite als Täter darzustellen. Syriens Machthaber und die staatlichen Medien bezeichnen etwa die Aufständischen stets als "Terroristen" - und spannen damit für die TV-Konsumenten eine gedankliche Brücke von Syrien zum Kampf gegen das Terrornetzwerk Al-Kaida.
Militärisches Patt
Reguläre Streitkräfte und die Rebellen befinden sich in einer blutigen Pattstellung. Die Oppositionellen können Assad nicht aus eigener Kraft stürzen, aber auch nicht bezwungen werden. Dieses Patt spiegelt sich im UNO-Sicherheitsrat wider: Die westlichen Vetomächte USA, Frankreich und Großbritannien scheiterten auch mit ihrem neuesten Vorschlag. In diesem wurde die syrische Regierung aufgefordert, binnen zehn Tagen den Gebrauch schwerer Waffen einzustellen und die Truppen aus den Städten abzuziehen. Moskau ist weiter strikt gegen jeden Druck von außen auf Assad.