Kairo. Die einen haben sich seit Wochen auf ihn gefreut und seit Tagen vorbereitet. Andere empfinden ihn als ein Gräuel. Für mehr als eine Milliarde Menschen auf unserem Planeten beginnt in diesen Tagen der muslimische Fastenmonat Ramadan. Einen Monat lang wird die Nacht zum Tage, der Alltag auf den Kopf gestellt. Von Tagesanbruch bis zum Sonnenuntergang darf weder gegessen, getrunken, noch geraucht werden. Auch Sex ist verboten. In der Nacht ist dagegen alles erlaubt.
"Die Vorfreude ist das Beste", antwortet Fatma auf die Frage, was ihr der Ramadan bedeute. "Es ist ein Familienfest." Viele Stunden lang hat die Ägypterin in den vergangenen Tagen spezielles Ramadan-Gebäck gebacken, Datteln eingelegt und Aprikosen getrocknet, Fleisch mariniert und Fisch eingekauft. Ihre beiden Kinder sind zwar schon erwachsen, kommen aber während des Ramadan zum Fastenbrechen nach Hause.
Das Iftar-Mahl wird kurz nach Sonnenuntergang gemeinsam eingenommen. In den Emiraten am Golf machen die Menschen nun Urlaub. Viele Geschäfte sind geschlossen, die Straßen tagsüber menschenleer. Alkohol bekommen nur christliche Ausländer in Fünf-Sterne-Hotels. An Muslime darf kein Tropfen ausgeschenkt werden, auch nachts nicht. Der heilige Fastenmonat steht für innere Einkehr und intensive Zwiesprache mit Allah. Koranstudien werden zum täglichen Ritual. Nichts darf dem im Wege stehen, nicht einmal ein Glas Wasser.
Doch so friedlich wie beabsichtigt ist der Ramadan nicht. Für Syrien ist zu erwarten, dass er sehr blutig wird, so wie schon im irakischen Bürgerkrieg. Selbstmordanschläge haben sich gerade in dieser Zeit gehäuft. So konnten im Ramadan 2005 unbemerkt zwei Lastwagen voller Sprengstoff auf den Parkplatz zwischen den beiden größten Hotels am Tigrisufer in Bagdad gelangen und explodieren. Die heftige Detonation ließ im Umkreis von 200 Metern alle Fensterscheiben der Häuser bersten. In den Hotels selbst starben fast 100 Menschen, viele wurden verletzt. Der Sachschaden ist noch heute zu sehen. Die unteren Etagen wurden komplett zerstört. Der Kontrollpunkt bei der Einfahrt zu den Herbergen war nicht besetzt, die Sicherheitsleute aßen gerade Iftar.
Kein friedlicher Fastenmonat
Ein Jahr später gelangte ein Selbstmordattentäter in die Lobby eines anderen Hotels, nachdem der Sicherheitsbeamte vor Erschöpfung eingeschlafen war. Der Attentäter zündete seinen Sprengstoffgürtel und riss fast 30 Menschen mit in den Tod. Bombenanschläge in den Nachmittagsstunden auf Marktplätzen im Schiitenviertel Sadr City im Nordosten von Bagdad waren im Ramadan 2007 besonders blutig, da die meisten Bewohner zur gleichen Stunde für das Fastenbrechen einkaufen gingen. Terror-Gruppen nutzen das kollektive Verhalten der Fastenden schamlos aus.