Tunis. Tunesische Frauen- und Menschenrechtsvereinigungen laufen Sturm gegen islamistische Versuche, die Gleichberechtigung von Mann und Frau in der künftigen Verfassung des Landes zu relativieren. Die tunesische Sektion von Amnesty International protestiert insbesondere gegen einen Artikel des Verfassungsentwurfs, der das Prinzip der "Komplimentarität" der Frau enthält, die als "Assoziierte" des Mannes "an der Entwicklung des Vaterlandes mitzuwirken" habe.
Der kritisierte Artikel wurde von den Abgeordneten der islamistischen Mehrheitspartei Ennahda in der Kommission für Rechte und Freiheiten der Verfassunggebenden Nationalversammlung formuliert. Ennahda, die mit 89 der 217 Sitze stärkste Partei in der Versammlung, bildet gemeinsam mit dem linken "Kongress für die Republik" (CPR) von Staatspräsident Moncef Marzouki und der ebenfalls linken Ettakatol-Partei die Regierung. Zuletzt hatten die Islamisten einen Gesetzentwurf eingebracht, um Gotteslästerung unter Strafe zu stellen. Die säkulare Opposition äußerte scharfe Kritik an dem Vorhaben.
Die gesetzliche Gleichberechtigung der Frau und das Verbot der Polygamie bestehen in Tunesien seit 1956.
Einer der Gründer der Ennahda, Abdelfattah Mourou, wurde am Montag nach Angaben seines Sohnes in Kairouan von Angreifern verletzt. Mourou hatte sich in den 1990er Jahren von der Islamisten-Partei getrennt. Am Montag kam es in einer Moschee von Beja im Nordosten des Landes zu Schlägereien zwischen Anhängern verfeindeter salafistischer Gruppierungen. Die Salafisten gliedern sich in Pietisten und Jihadisten.