Istanbul. Der Konflikt in Syrien droht, sich zum Flächenbrand auszuweiten. Nach früheren Scharmützeln nahe der türkischen und der libanesischen Grenze wurden nun auch Gefechte an der jordanisch-syrischen Grenze gemeldet. Nach Angaben aus jordanischen Sicherheitskreisen eröffneten syrische Soldaten auf eine Gruppe von etwa 500 Flüchtlingen das Feuer. Die jordanischen Grenzwachen schossen zurück, da die Flüchtlinge schon auf jordanischem Boden waren. Es habe einen etwa 30 Minuten dauernden heftigen Schusswechsel gegeben. Neue Gefechte lieferte sich die syrische Armee auch in den umkämpften Städten Aleppo und Damaskus.
Laut syrischen Aktivisten befanden sich unter den an der Landesgrenze zu Jordanien beschossenen Flüchtlingen auch Dutzende hochrangige Offiziere der Assad-Armee. Die jordanischen Sicherheitskreise konnten nichts über die Identität der Flüchtlinge sagen. Einige der Ankommenden hätten jedoch eine Vorzugsbehandlung erhalten. Sie seien an einen geheimen Ort gebracht worden, an dem syrische Deserteure beherbergt würden.
Gefechte an der syrisch-jordanischen Grenze sind nicht selten, doch der 30-minütige, intensive Feuerwechsel beim Grenzdorf Al-Schadshirah war einer der schwersten dieser Art, unterstrichen die jordanischen Sicherheitskreise. Auf jordanischer Seite wurde niemand verletzt, hieß es.
Zahlreiche Todesopfer in Aleppo und Damaskus
Indes gehen die Kämpfe in der Wirtschaftsmetropole Aleppo und in der Hauptstadt Damaskus weiter. Ein Anführer der Freien Syrischen Arme sagte, die Rebellen hätten "einige strategische Positionen" im Stadtteil Salaheddin zurückerobert. "Die Kämpfe sind heftig und dauern seit 24 Stunden an. Mehrere Gebiete in Aleppo werden beschossen."
Die Aufständischen hatten sich am Donnerstag zunächst vollständig aus Salaheddin zurückgezogen. Die syrischen Regierungstruppen gingen am Samstag mit Kampfflugzeugen, Helikoptern, Panzern und schwerer Artillerie gegen die Stellungen der Aufständischen vor. "Die Belagerung durch die Regimetruppen erschwert es uns, ausreichenden Nachschub an Munition in die Stadt zu bringen", sagte der Rebellenkommandant Abu Omar al-Halebi. Auch mache sich die waffentechnische Überlegenheit des angreifenden Militärs bemerkbar.
In Damaskus lieferten einander Rebellen und Armee nach Angaben der in London ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte heftige Kämpfe um den im Süden gelegenen Stadtteil Tadamun. Im Stadtteil Kabun waren demnach Schüsse und Explosionen zu hören. Die syrische Armee hatte Anfang August erklärt, nach heftigen Kämpfen wieder die vollständige Kontrolle über die Hauptstadt errungen zu haben.