• vom 13.08.2012, 12:01 Uhr

Weltpolitik

Update: 13.08.2012, 12:10 Uhr
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Israel über Entmachtung des ägyptischen Militärs besorgt

"Mursi will zeigen, wer Herr im Hause ist"



  • Noch keine offizielle Reaktion der israelischen Regierung.

Ägyptens Präsident Mohammed Mursi (Mitte) mit der entmachteten Militärspitze Verteidigungsminister Mohammed Hussein Tantawi (links) und Generalstabschef Sami Enan. - APAweb / Reuters, Sherif Abd Monam, Egyptian Presidency

Ägyptens Präsident Mohammed Mursi (Mitte) mit der entmachteten Militärspitze Verteidigungsminister Mohammed Hussein Tantawi (links) und Generalstabschef Sami Enan. APAweb / Reuters, Sherif Abd Monam, Egyptian Presidency

Tel Aviv. Israel hat mit Sorge und Zurückhaltung auf die Entmachtung der alten Offiziersgarde in Ägypten reagiert. Die Absetzung der eher israelfreundlichen Militärspitze durch den islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi sowie die Annullierung der Beschneidung seiner Befugnisse seien überraschend früh gekommen, schrieb die Zeitung "Jerusalem Post" am Montag.

"Dies ist einer der größten, überraschendsten und bedeutsamsten Höhepunkte der ägyptischen Revolution", kommentierte die Zeitung "Yedioth Ahronoth". "Mursi will zeigen, wer Herr im Hause ist", fasste die Zeitung zusammen. Eine offizielle Reaktion der Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu stand zunächst aus.

Sorge vor Annäherung an den Iran
In Israel waren nach der Wahl Mursis immer wieder Stimmen laut geworden, die ein Ende des "kalten Friedens" mit Ägypten und eine Annäherung Kairos an den Iran befürchtet hatten. Angesichts der Gewalt auf der Halbinsel Sinai sei die Regierung in Jerusalem nun besorgt über die Entwicklung, die aber noch nicht ganz absehbar sei, schrieb "Yedioth Ahronoth" unter Berufung auf einen ungenannten Sprecher. Zugleich wurde aber auch daraufhin gewiesen, dass die neue Militärspitze ebenfalls über gute Beziehungen zu Israel verfüge.

"Die Muslimbruderschaft hat die Gunst der Stunde genutzt, während die Bevölkerung über die Entwicklung auf dem Sinai besorgt ist und die Schuld dem Sicherheitsapparat gibt", zitierte die Zeitung den Regierungsvertreter: "Mursi präsentiert sich als der Retter in der Not, der nach vorne tritt und Rechnungen mit dem Sicherheitsapparat begleicht." Jetzt bleibe abzuwarten, ob das Militär sich das bieten lasse oder den Konflikt mit Mursi suche. Der israelische Kommentator Ehud Yaari sprach von einem "zivilen Staatsstreich".

Überrascht über Entmachtung des Militärs
Der oppositionelle Parlamentarier und frühere Vize-Chef des Inlandsgeheimdienstes Shin Bet, Israel Hasson, zeigte sich überrascht über den frühen Zeitpunkt der Entmachtung des Militärs. Mursis Schachzug sei das, "was das Militär befürchtet" habe. Die Entwicklung sei zunächst nicht gegen Israel gerichtet. Das könne sich aber ändern, wenn Mursi nun auch anders gegenüber Israel auftreten sollte. "Ich denke, unsere Entscheidungsträger sollten versuchen, einen Dialog mit dem ägyptischen Präsidenten aufzunehmen. Das Land (Israel) muss mit dem Staatschef (Mursi) vorsichtig und vernünftig sprechen", wurde Hasson zitiert. Bisher hat Mursi den Dialog mit Israel den Militärs überlassen.




Schlagwörter

Mohammed Mursi, Ägypten, Israel

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-08-13 12:05:35
Letzte Änderung am 2012-08-13 12:10:19


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