• vom 23.08.2012, 17:45 Uhr

Weltpolitik

Update: 23.08.2012, 18:53 Uhr

Russland

Tscherkessen kehren zurück




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Von Veronika Eschbacher

  • Freude bei Präsident Putin hält sich in Grenzen



Naltschik. Bereits Ende 2011 wandten sich die ersten syrischen Tscherkessen um Hilfe an Russland. Und es werden immer mehr. Denn: der sunnitisch-arabische getragene Aufstand in Syrien schürt die Angst vor Repressionen unter der ursprünglich aus dem Nordkaukasus stammenden Minderheit. Eine Rückkehr nach Russland wird zur Option.

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Schätzungen zufolge leben zwischen 50.000 und 150.000 Tscherkessen in Syrien mit Konzentration auf die Städte Damaskus, Homs und Aleppo. Den Russen selbst ist über die Tscherkessen, die 1864 vertrieben wurden, wenig bekannt. Russische Medien haben die Berichterstattung über die ungeliebten volatilen Teilrepubliken fast eingestellt.

Nach Angaben ziviler tscherkessischer Organisationen sind bisher 400 Tscherkessen im Kaukasus eingetroffen. Die Einheimischen stehen den Rückkehrern positiv gegenüber, sammelten bereits Geld für die Neuankömmlinge. Wie jedoch Iwan Suchow, Kaukasusexperte und Blogger in Moskau, erklärt, befinden sich unter den Flüchtlingen auch radikal-islamische Elemente, die schnell Verbindungen mit Gleichgesinnten in der Region geknüpft hätten und die lokalen Behörden vor Probleme stellen. "Ja, es gab schon Vorfälle", so Suchow, ohne Details zu nennen. Nicht zu unterschätzen sei darüber hinaus die Radikalisierung, die Studenten aus dem Kaukasus erfahren, die sich in arabischen Ländern ausbilden lassen: Dies bilde in der Tat einen gefährlichen Kontaktkanal zum Ideengut des globalen Jihad.

Weitere 1000 syrische Tscherkessen haben ihr Interesse an einer Rückkehr bekundet. "Viele der bereits eingetroffenen Flüchtlinge wollen bleiben, vor allem die Jungen", erzählt Naima Nefljaschewa, Historikerin in Moskau und selbst Tscherkessin. Bisher läuft die Betreuung über private Initiativen und öffentliche Organisationen. Der russische Staat hält sich, abgesehen von der Ausstellung der zur Einreise nötigen Touristenvisa, heraus.

Dass gerade die Jugend bleiben will, ist nicht problemlos. Die Arbeitslosigkeit ist erdrückend hoch. Probleme sieht Nefljaschewa aber nicht: "Wir haben Erfahrung mit syrischen Tscherkessen. Diese zeigt uns, dass sie sehr moderate Ansichten haben und sehr arbeitsam sind." Angst vor radikalen Islamisten lässt sie nicht aufkommen. "Syrien war bis jetzt ein säkularer Staat. Die Tscherkessen vor Ort sind radikaler als die, die jetzt eintreffen".




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Dokument erstellt am 2012-08-23 17:50:14
Letzte Änderung am 2012-08-23 18:53:48




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