Pjöngjiang/Wien. Kim Jong-un, seit dem Tod seines Vaters Kim jong-il im Dezember 2011 Machthaber in Nordkorea, bereitet seine erste Auslandsreise in seiner neuen Rolle vor. Dass die Fahrt ins Reich der Mitte gehen soll, überrascht dabei nicht, China ist derzeit Nordkoreas einziger Verbündeter und Investor in der Region.
Während der Regierungszeit der eher links stehenden südkoreanischen Präsidenten Kim Dae-jung und dessen Nachfolger Roh Moo-hyeon investierte auch Südkorea kräftig beim Nachbarn im Norden. So entstand etwa der Industriepark Kaesong im Grenzgebiet zwischen Nord- und Südkorea. Der Aufbau von Wirtschaftsbeziehungen zwischen beiden koreanischen Nachbarn sollte die "Sunshine-policy", die "Sonnenschein-Politik" der Präsidenten Roh Moo-hyeon und Kim Dae-jung unterstützen, die eine Normalisierung der Beziehungen anstrebte.
Die für kommenden Monat geplante Reise des jungen Machthabers Kim wäre die erste Auslandsreise, seit er an der Spitze des kommunistischen Staates steht.
Kim Jong-un wolle bei seiner Reise die chinesische Führung kennenlernen und sich selbst in der Volksrepublik vorstellen, sagte eine Person mit guten Kontakten nach Peking und Pjöngjang am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters.
China ist bezüglich der Entwicklung auf der koreanischen Halbinsel auf eines bedacht: Peking will keine Instabilität in Nordkorea und die politische Führung im Regierungssitz Zhongnanhai weiß, dass das Land ohne wirtschaftliche Reformen kollabiert. Die Chinesische Kommunistische Partei versuchte daher bereits Kim jong-uns Vater Kim jong-il vergeblich von der Notwendigkeit wirtschaftlicher Reformen zu überzeugen. Bei dessen China-Aufenthalten führte man ihn durch die Sonderwirtschaftszone in Shenzhen - wo Deng Xiaopings Reformen ihren Anfang genommen haben.
Der Onkel des nordkoreanischen Machthabers, Jang Song Thaek, traf Mitte August in Vorbereitung der Reise von King jong-un den chinesischen Handelsminister Chen Deming in Peking. Die chinesische Seite versprach, bei der Entwicklung von zwei Sonderwirtschaftszonen an der chinesisch-koreanischen Grenze behilflich zu sein. Schon jetzt existieren zwei gemeinsam betriebene derartige Sonderwirtschaftszonen: In der Grenzstadt Rason und auf den im Grenzfluss Yalu gelegenen Inseln Hwanggumphyong und Wihwa.
Nach Meinung von Beobachtern möchte Nordkorea seine Wirtschaft zwar nach außen öffnen, dabei aber möglichst wenig Reformen durchführen. Das sei auch der Grund, warum Pjöngjang besonders auf Sonderwirtschaftszonen setzt.