• vom 28.08.2012, 13:20 Uhr

Weltpolitik

Update: 28.08.2012, 13:27 Uhr
  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Bürgerkrieg hat bisher ruhige Stadtteile in Damaskus erreicht

Hunderttausende Syrer auf der Flucht



  • Syrischer Minister weist Forderung nach Rücktritt Assads als Angriff auf nationale Souveränität zurück.

Hunderttausende Menschen verlassen Syrien fluchtartig - viele davon landen in Flüchtlingscamps in Jordanien.

Hunderttausende Menschen verlassen Syrien fluchtartig - viele davon landen in Flüchtlingscamps in Jordanien.APAweb/EPA/Jamal Nasrallah Hunderttausende Menschen verlassen Syrien fluchtartig - viele davon landen in Flüchtlingscamps in Jordanien.APAweb/EPA/Jamal Nasrallah

Kairo. Das UNO-Flüchtlingshochkommissariat (UNHCR) hat inzwischen 214.120 Flüchlinge aus Syrien registriert, die in den Nachbarländern Türkei, Jordanien, Libanon und Irak Zuflucht gefunden haben. Das gab die UNHCR-Sprecherin Melissa Fleming bekannt. Die Kämpfe im Bürgerkrieg in Damaskus erreichten unterdessen in der Nacht Stadtteile, die von der Gewalt bisher weitgehend verschont geblieben waren. Bei Luftangriffen auf Dörfer in der Provinz Idlib sollen am Dienstag zahlreiche Menschen getötet worden sein.

Die Armee beschoss nach Angaben von Aktivisten mehrere Viertel im Osten der Hauptstadt. Vor dem Morgengrauen seien die Stadtteile Samlaka, Kabun, Jobar und Ain Tarma angegriffen worden, teilte die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Der Generalrat der Syrischen Revolution, ein Zusammenschluss von Aktivisten in Syrien, erklärte, Regierungstruppen hätten den Rand der Vorstädte Harasta und Irbin bombardiert. Hubschrauber und Kampfflugzeuge seien im Einsatz. In der Nacht auf Dienstag hörten Bewohner des Viertels Jaramana mehrere Explosionen. Ein Mann wurde in seinem Auto von einer Granate tödlich getroffen.

Tausende Menschen verließen laut Aktivisten die Ortschaft Kafr Batna, die nordöstlich von Damaskus liegt. Dort sollen bei einem Angriff der Regierungstruppen auf mutmaßliche Stellungen der Revolutionsbrigaden neun Menschen ums Leben gekommen sein, darunter drei Kinder.

In Idlib zählten die Gegner des Assad-Regimes 17 Tote. Siee veröffentlichten Videoaufnahmen aus dem Dorf Kafr Nabl in der Provinz, die zerstörte Gebäude und brennende Fahrzeuge zeigen. Insgesamt seien in Syrien am Vormittag 32 Menschen ums Leben gekommen, hieß es. Am Montag hatte die Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter insgesamt 230 Tote in Syrien gezählt.

Rücktrittsforderung als Verletzung der syrischen Souveränität?
Der syrische Staatsminister für nationale Versöhnung, Ali Heidar, bezeichnete die Forderung nach einem Rücktritt von Präsident Bashar al-Assad als "vollkommen unannehmbar". Sie sei vom Ausland aufgestellt worden und stelle eine Verletzung der syrischen Souveränität dar. "Missverständnisse" zwischen dem syrischen Volk und der Regierung seien in eine "gewalttätige Krise" umgeschlagen. Die Regierung strebe jedoch eine politische Lösung an und wolle mit ihren Gegnern verhandeln. Heidar äußerte sich am Montag in Teheran, wo er am Gipfel der Blockfreien-Bewegung teilnimmt. Am Donnerstag berät der UNO-Sicherheitsrat erneut über die Lage in Syrien.

Das UNHCR hatte für das Gesamtjahr 2012 nur 185.000 syrische Flüchtlinge prognostiziert. Diese Zahl sei nun "beträchtlich nach oben revidiert" worden, hieß es aus Genf. Der Zustrom an Flüchtlingen in das Lager Za'atri im Norden von Jordanien allein habe sich zuetzt verdoppelt, sagte Fleming. In der vergangenen Woche seien dort 10.200 Menschen angekommen. Eine weitere Ausweitung wird angenommen: "Wir glauben, dass dies der Beginn eines bedeutenden, noch viel größeren Zustroms nach Jordanien sein könnte."

70.000 syrische Flüchtlinge seien vom UNHCR in Jordanien registriert. Tausende weitere hätten sich nicht offiziell für Unterstützung eingetragen. "Die Flüchtlinge sagen, Tausende mehr warten, die Grenze wegen der Gewalt um Deraa zu überqueren." Es gebe Berichte, wonach Flüchtlinge, die die Grenze überschreiten wollten, bombardiert und auf andere Weise beschossen worden seien. Auch in die Türkei flöhen immer mehr Syrer. In den vergangenen zwei Wochen seien bis zu 5.000 Flüchtlinge täglich dort angekommen.

Mursi fordert Assads Absetzung
Inzwischen hat sich auch der neue ägyptische Präsident Mohammed Mursi für die Absetzung des syrischen Staatschefs Assad ausgesprochen. "Jetzt ist die Zeit gekommen, das Blutvergießen zu beenden, die Rechte des syrischen Volkes wiederherzustellen, und für das Regime, das sein Volk tötet, zu verschwinden", sagte Mursi in einem Interview. "Es gibt keinen Bedarf, über Reformen zu sprechen, wir müssen über einen Wandel reden." Ein militärisches Eingreifen in Syrien lehnt Mursi aber ab.




Schlagwörter

UNHCR, Syrien

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-08-28 13:25:15
Letzte Änderung am 2012-08-28 13:27:56


Beliebte Inhalte



Rede vor symbolträchtiger Kulisse: Barack Obama am Brandenburger Tor. - epa
  • Moskau reagiert kühl auf den Vorstoß Obamas, Atomwaffen zu beschränken.
  • weiter

Die Proteste gehen in Brasilien weiter. Auch in Niteroi gehen die Menschen auf die Straße. - APAweb / AP, Silvia Izquierdo

Taliban Muhamed Naim bei der Büroeröffnung in Doha. - ap
  • US-Regierung bezeichnet Meldungen über Treffen mit Taliban als "ungenau".
  • weiter

Sandstürme gehören in Zaatari zum Alltag. Doch alles ist besser als der Bürgerkrieg in Syrien. - reuters
  • Mit 120.000 syrischen Flüchtlingen ist das in Jordanien gelegene Lager Zaatari das zweitgrößte Camp der Welt.
  • weiter

Ein Demonstrant schwingt die brasilianische Fahne während eines Protests in Sao Paulo, Brasilien. - APAweb / AP / Nelson Antoine
  • Rund 200.000 Menschen taten Ärger über Regierung kund.
  • weiter

Die US-Geheimdienste lesen mit. - © Andrea Danti - Fotolia.com
  • Unter Barack Obama wurde das Programm noch ausgeweitet.
  • weiter

In Hongkong versteckt: Ex-NSA-Mann Snowden. - ap
  • Held oder Verräter: Heftige Reaktionen auf Enthüllungen.
  • weiter

Ein Bub kämpft auf der Seite der Free Syrian Army. - reuters
  • Die UNO berichtet von Kindersoldaten, Exekutionen und warnt vor Massakern.
  • weiter

Die Überwachung des Internets durch den US-Geheimdienst hat bei Politikern kaum für Empörung gesorgt. Die Maßnahmen werden als notwendig im Kampf gegen den Terrorismus erachtet. - APAweb / EPA, Jim Lo Scalzo
  • In Deutschland will sich Innenausschuss des Bundestages damit befassen.
  • weiter

Stets siegessicher - Ahmadinejad konnte sich anfänglich als Anwalt der Armen profilieren. - ap
  • Hohe Inflation, hohe Arbeitslosigkeit, hohe Selbstmordrate - der Iran heute.
  • weiter




Werbung



Umfrage

Werbung


Schwere Unwetterschäden nach einem Murenabgang im Ortskern von Hallstatt aufgenommen am Mittwoch, 19. Juni 2013. Nach einem heftigen Unwetter ist der Mühlbach über die Ufer getreten wobei eine Mure den Ortskern von Hallstatt im oberösterreichischen Salzkammergut beschädigt hat.

Ein Fahrrad an einer Kreuzung mitten im 9. Bezirk war der etwas ungewöhnliche Rastplatz für ein Bienenvolk. Guten Tag, Lubango! Der Giraffen-Junge kam am Samstag, 15. Juni, zur Welt.

20. 6. 2013: Golf ist ein eindeutig ein Sport, wie Maximilian Kieffer beim BMW International in München mit diesem konzentrierten Späh-Liegestütz beweist. Kunstraub der anderen Art: Von einer Hauswand  in London ausgemeißelt wurde im Februar das Banksy-Graffitikwerk "Slave Labour". Kurz darauf tauchte es bei einem Auktions-Haus in Miami in Florida wieder auf. Am 2. Juni wiederum wurde es trotz Proteste um 1,1 Millionen Dollar in London versteigert. Das Kulturbild der Woche geht nun für zwei Wochen auf Urlaub und ist am 24.Juni wieder zurück.

Werbung