
Caracas. Brasilianische Goldschürfer haben im Süden Venezuelas nahe der brasilianischen Grenze ein ganzes Indianerdorf ausgelöscht. Die einzigen drei Überlebenden der Ortschaft entdeckten die rund 80 Opfer, als sie von einer tagelangen Jagd zurückgekehrt sind, berichtet die Organisation Survival International zum Schutz von Ureinwohnern. Das Massaker hatte sich bereis am 5. Juli ereignet, wurde aber jetzt erst bekannt.
Bei den Opfern handelt es sich um Yanomami; sie bilden mit rund 30.000 Mitgliedern die größte indigene Volksgruppe im Amazonas-Gebiet. Immer wieder kommt es zu brutalen Übergriffen von Garimpeiros - großteils aus Brasilien stammende illegale Goldgräber, die mit ihrer Gier nach schnellem Reichtum den Lebensraum der Ureinwohner zerstören. Diesmal gingen die Schürfer besonders gründlich vor: Sie griffen die Bewohner im abgelegenen Momoi-Gebiet mit einem Helikopter an und setzten deren Gemeinschaftshaus in Brand, als sie sich dort versammelt hatten. Die Opfer sind bis zur Unkenntlichkeit verbrannt, berichtet Luis Ahiwei von der Horonami Organización Yanomami (HOY). Ihm zufolge brach der Konflikt einige Tage zuvor aus, als die Garimpeiros eine Yanomami-Frau verschleppten und die Ureinwohner sie befreiten.
HOY und andere Indigenenverbände übergaben Staatsanwaltschaft und Regierung in Caracás eine Resolution, in der sie Massaker anprangern. Die Behörden in Brasilien und Venezuela wurden aufgefordert, zur Aufklärung der Bluttat eine binationale Untersuchungskommission einzurichten. Survival International forderte, die venezolanischen Behörden müssten die Täter vor Gericht bringen und im Amazonas ein "Zeichen dafür setzen, dass Mord an Indianern nicht länger ungestraft" bleibe. Die Schürfarbeiten und die Abholzung müssten aufhören, denn sie führten "zwangsläufig zu Massakern an indigenen Kindern, Frauen und Männern".
Das Blutbad von Momoi im Südosten Venezuelas erinnert an den Fall von Haximú, wo 1993 in Brasilien 16 Yanomami getötet wurden, als Bergarbeiter ebenfalls eine Siedlung angegriffen hatten. Caracás und Brazilia gingen daraufhin zunächst härter gegen Goldgräber vor, seit 2009 hätten die illegalen Aktivitäten und damit die Übergriffe der Garimpeiros in der Grenzregionaber wieder deutlich zugenommen, klagen die Indigenen. Die Regierung von Präsident Hugo Chávez in Caracás habe dennoch bislang nichts unternommen, um die Bedrohung für die Ureinwohner zu beenden, so ihr Vorwurf. Der erste Goldgräber-Boom begann in den 1970er Jahren - in Spitzenzeiten waren bis zu 65.000 mit der Ausbeutung beschäftigt.