
Teheran. Der Iran zeigt im Atomstreit mit dem Westen Zähne: Im Gegenzug für die Zutrittserlaubnis zur umstrittenen Militäranlage Parchin fordert Teheran Einblick in westliche Geheimdienstdokumente. Gleichzeitig wurde ein wissenschaftlich-technologisches Kooperationsabkommen mit Nordkorea verkündet. Und auch für den Fall einer militärischen Intervention des Westens baut Teheran vor: Die Streitkräfte bereiten sich auf ein Großmanöver zur Luftverteidigung vor.
Der iranische IAEO-Botschafter Ali Asghar Soltanieh bestätigte den Wunsch Teherans, im Gegenzug für einen Besuch der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) in Parchin Einblick in westliche Geheimdienstdokumente zu erhalten. In diesen vertraulichen Unterlagen seien Vorwürfe einiger westlicher Staaten gegen Teheran enthalten. Parchin sei zudem nicht als Nuklearanlage registriert, die IAEO deshalb nicht autorisiert, den Komplex zu inspizieren. Im jüngsten Iran-Bericht der IAEO heißt es, Spuren vermuteter Experimente mit Atomwaffen in Parchin seien verwischt worden.
Gemeinsame Feinde
Indes verkündete Teheran, mit Nordkorea ein wissenschaftliches und technologisches Kooperationsabkommen unterzeichnet zu haben. Sowohl der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad als auch Nordkoreas Nummer zwei, Kim Yong-nam, seien dabei anwesend gewesen. Der geistliche Führer des Irans, Ayatollah Ali Khamenei, sagte Kim, die Islamische Republik und Nordkorea hätten gemeinsame Feinde und beide sollten sich gegen Drohungen und Druck zur Wehr setzen, um ihre Ziele zu erreichen. In der Vergangenheit hatten Vertreter beider Länder erklärt, ihre Nationen säßen im Kampf gegen die Westmächte in "einem Schützengraben".
Und schließlich hat der Iran ein Großmanöver zur Luftverteidigung der Islamischen Republik angekündigt. Bei der Übung solle eine Notfallsituation simuliert werden, sagte der Chef der Luftwaffe, Farsad Esmaili, dem englischsprachigen iranischen Sender Press TV.
An dem Manöver würden sowohl die Armee als auch das Korps der Islamischen Revolutionsgarden beteiligt. Im Juli hatte der Iran den Test einer mit einem neuen Steuerungssystem versehenen Kurzstreckenrakete gemeldet, die Ziele auf See und an Land treffen könne.
Wegen des Atomprogramms des Landes sind in jüngster Vergangenheit verstärkt Sorgen laut geworden, Israel könne iranische Nuklearanlagen angreifen. Der jüdische Staat und der Westen verdächtigen den Iran, heimlich an einer Atombombe zu arbeiten. Die Führung in Teheran betont dagegen stets, mit dem Programm ausschließlich friedliche Ziele zu verfolgen.
Leises Säbelrasseln?
Das Säbelrasseln von israelischer und US-amerikanischer Seite könnte jedoch leiser ausfallen, als erwartet: Eine für Oktober geplante gemeinsame Übung der Streitkräfte Israels und der USA fällt laut einem Medienbericht wesentlich kleiner aus. Weil die US-Regierung einen israelischen Militärschlag gegen iranische Atomanlagen ablehne, nähmen deutlich weniger US-Soldaten an dem Manöver teil, berichtete das US-Magazin "Time". Demnach sollen zu der Übung 1200 bis 1500 statt der vorgesehenen 5000 US-Militärangehörigen entsandt werden. Zudem würden für das Manöver von US-Seite weniger Waffen zur Verfügung gestellt.
Israel und westliche Staaten werfen dem Iran vor, unter dem Deckmantel seines zivilen Atomprogramms am Bau einer Atombombe zu arbeiten. Israel sieht sich durch das iranische Programm in seiner Existenz bedroht und erwägt einen militärischen Angriff gegen Teherans Atomanlagen. Die US-Regierung lehnt dies jedoch derzeit ab.
Ein hochrangiger israelischer Armeeangehöriger sagte dem "Times"-Magazin, die geringere US-Truppenbeteiligung signalisiere ein Misstrauen Washingtons gegenüber Israel. Offiziell sei die Maßnahme mit Budgetkürzungen begründet worden. Das Verhältnis zwischen US-Präsident Barack Obama und Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu gilt derzeit als angespannt.