Johannesburg. (klh) Die Ungewissheit bleibt. Zwar wird die Anklage wegen Mordes gegen 270 südafrikanische Bergarbeiter, die nach den tödlichen Zusammenstößen in der Platinmine Marikana verhaftet worden waren, vorerst ausgesetzt. Die Staatsanwaltschaft schloss aber nicht aus, dass nach Abschluss der Ermittlungen die Mordanklage wieder steht. Zudem bleiben andere Vorwürfe aufrecht - etwa die Teilnahme an illegalen Zusammenkünften. Vorerst sollen die Kumpel rasch auf freien Fuß gesetzt werden, bereits am Montag wurden die ersten Arbeiter freigelassen.
Die Anklage gegen die Minenarbeiter hatte in Südafrika vielerorts Empörung ausgelöst. Sie folgte auf blutige Zusammenstöße während eines Streiks, bei denen vor zwei Wochen 44 Menschen getötet worden waren, wovon laut ersten Berichten 34 die Polizei erschossen hatte. Die Mordanklage gegen die Minenarbeiter fußte auf einem Gesetz aus der Apartheid.
Im Bergbausektor brodelt es weiter, nun wurden auch in einer Goldmine bei Johannesburg während eines Streiks vier Arbeiter verletzt, die Polizei soll Tränengas eingesetzt haben. Präsident Jacob Zuma wirkt laut Kommentatoren unentschlossen, während andere Politiker in die Offensive gehen. Einer davon ist der Populist Julius Malema. Der 31-Jährige war im April 2012 aus der Regierungspartei ANC ausgeschlossen worden, deren Jugendliga er anführte. Nun tourt er zu streikenden Bergarbeitern, brüllt unter Jubel "Nieder mit Zuma" und fordert die Kumpel auf, sämtliche Minen "unregierbar" zu machen.
Malema droht Verhaftung
Der Zuma-Rivale dürfte sich aber bald vor Gericht wiederfinden. Die südafrikanische Zeitung "Mail & Guardian" berichtete unter Berufung auf offizielle Kreise, dass Malema wegen Korruption angeklagt und gar ein Haftbefehl gegen ihn erlassen werden soll. In Südafrika wird schon lange darüber berichtet, dass Malema dubiose Geschäfte betreibt. Für seine Anhänger wäre er aber im Falle einer Verhaftung wohl endgültig ein politischer Märtyrer.