• vom 07.09.2012, 18:30 Uhr

Weltpolitik

Update: 07.09.2012, 19:39 Uhr
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Avner Cohen, Experte für Israels Atomprogramm, übt massive Kritik an Netanyahus Iran-Politik

"Sehen Scheitern des Zionismus"


Von Alexander U. Mathé und Michael Schmölzer

  • US-Professor hält irrationale Angst vor nuklearem Holocaust für gefährlich.

"Wiener Zeitung":Sie vertreten die Ansicht, dass der Iran in Sachen Atompolitik eigentlich nichts anderes tut, als Israel zu kopieren. Wie meinen Sie das?

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Avner Cohen: Was ich sage ist, dass Israel in den Iran schaut und das sieht, was Israel selbst vor 30 bis 40 Jahren getan hat. Was der Iran betreibt, ist tatsächlich in manchen Aspekten eine Imitation Israels. Der Iran will die Unterscheidung zwischen Bomben-Besitz und Nicht-Besitz verwischen. Das unterminiert die Basis des Atomwaffensperrvertrags. Es gibt da also Ähnlichkeiten, aber es ist nicht das Gleiche. Israel hat zum Beispiel nie gesagt, dass seine Atom-Agenden nur friedlichen Zwecken dienen.

Sie plädieren dafür, dass Israel kein Geheimnis mehr um seine Atomwaffen-Kapazität macht, wenn ich Sie richtig interpretiere?


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Ich meine, dass Israel mit der Hilfe anderer Staaten in der Frage Fortschritte machen sollte. Israel sollte sich als das darstellen, was es ist: Eine nukleare Macht wie Pakistan und Indien. Die Realität sollte auch als Realität anerkannt werden. Ich plädiere nicht dafür, dass Israel die Bombe testet. Ich bin aber für einen Nahen Osten ohne Nuklearwaffen, parallel zu einer Welt ohne Nuklearwaffen. Ich sehe auch nicht, dass Israel und der Iran miteinander reden, da ist zu viel Misstrauen. Es ist schwer, mit einem Land zu reden - dem Iran - das wünscht, dass das andere Land, - Israel - von der Landkarte verschwindet. Ich sage aber ausdrücklich nicht, dass der Iran Pläne hat, Israel tatsächlich auszulöschen. Doch der Iran hofft, dass Israel nur eine kleine Episode ist und irgendwie wieder von der Bühne abtritt. Ich rede nicht von nuklearem Holocaust und ich will auch auf keinen Fall, dass Israel quasi "nackt" dasteht.

Die israelische Strategie der Verleugnung der eigenen atomaren Macht stammt aus den 60er-Jahren. Damals, so ihre Ansicht, war sie effektiv. Jetzt ist sie es nicht mehr. Warum?

Die Strategie war effektiv, weil sie sicherstellte, dass die Sache die geringst mögliche Aufmerksamkeit erhielt. Es war ein Deal mit den USA, zwischen Golda Meir und Richard Nixon. Israel konnte so anders behandelt werden, es fiel nicht unter den Atomwaffensperrvertrag. Es war ein gewisses Maß an Weisheit in dieser Lösung, doch irgendwann wurde es zur Last. Es entwickelte sich zu einer Blase. Ein öffentliches Thema - und es gibt wohl kaum ein wichtigeres - ist der Öffentlichkeit völlig entzogen. Ich glaube nicht, dass das gesund ist, auch in einem weiteren, globalen Sinn. Jeder weiß es, aber Du kannst es offiziell nicht ansprechen. Es hat etwas Krankhaftes. Es ist wie der König, der nackt ist und keiner darf es sagen. Es ist für die internationale Gemeinschaft die Zeit gekommen, einen besseren Weg zu finden. Israel muss neben seinen Rechten auch seine Verpflichtungen annehmen. Das Outing als Atommacht durch Israel muss freilich im richtigen, passenden Moment geschehen. Vielleicht im Zusammenhang, mit einer Iran-Einigung, oder auf globaler Ebene.

Demonstration gegen Islamismus: Cohen vermisst ein selbstbewussteres Israel.

Demonstration gegen Islamismus: Cohen vermisst ein selbstbewussteres Israel.© EPA Demonstration gegen Islamismus: Cohen vermisst ein selbstbewussteres Israel.© EPA



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Dokument erstellt am 2012-09-07 18:38:08
Letzte Änderung am 2012-09-07 19:39:49


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