Kairo/Kabul/Washington. Auch am Samstag kam es zu gewaltätigen Demonstrationen gegen den Mohammed-Schmähfilm in muslimischen Ländern, sie erreichten jedoch nicht die Dimensionen des Vortages. In Kairo stürmten Sicherheitskräfte den Tahir-Platz nahe der US-Botschaft, um eine Menge von mehreren Hundert Demonstranten auseinanderzutreiben. In Afghanistan riefen die radikal-islamische Al-Kaida Muslime weltweit zu weiteren Angriffen auf Botschaften und Diplomaten der USA auf.
Ein Taliban-Sprecher appellierte in Afghanistan, "die Botschaften Amerikas aus muslimischen Ländern rauszuwerfen". Wer immer auf amerikanische Botschafter oder Diplomaten treffe, solle diese töten.
In Kairo war in der Nacht zum Samstag ein 35 Jahre alter Mann in der Nähe der stark gesicherten US-Botschaft erschossen worden. Seit Dienstag wurden bei den Protesten nach offiziellen Angaben 250 Menschen verletzt. Ägyptens neuer Präsident, der Muslimbruder Mohammed Mursi, versprach die Botschaft zu schützen, forderte die USA aber auch auf, Ermittlungen gegen die Urheber des Films einzuleiten.
Vier Tote in Tunesien
In Tunesien stieg die Zahl der Todesopfer bei den Attacken auf die dortige US-Vertretung auf vier. Die Polizei war gegen Hunderte von Demonstranten in Tunis vorgegangen, die Fenster des Gebäude einschlugen und die Sicherheitskräfte mit Steinen und Brandsätzen bewarf. Ein Reuters-Reporter wurde Zeuge, wie die Polizei das Feuer auf Kundgebungsteilnehmer eröffnete.
Westerwelle warnt vor weiteren Angriffen auf die deutsche Botschaft im Sudan. In Khartum hatte am Freitag eine Menschenmenge die vorher geräumte deutsche Botschaft teils demoliert und ein Feuer gelegt.
Proteste auch in Australien
Die Proteste erfassten sogar Australien. In Sydney versammelten sich Hunderte von Demonstranten und lieferten sich Auseinandersetzungen mit der Polizei. Steine und Flaschen flogen, auf Plakaten wurde gefordert, die Beleidigung des Propheten Mohammed mit Enthauptung zu bestrafen.
In Kalifornien wurde unterdessen ein Mann im Zusammenhang mit der Produktion des Films von der Polizei befragt. Der 55-Jährige sei freiwillig auf das Polizeirevier gekommen, sagte ein Sprecher des Sheriffs in einem Vorort von Los Angeles. Er könnte gegen Bewährungsauflagen verstoßen haben. Der Film selbst ist nicht Gegenstand von Ermittlungen, weil die Darstellungen unter den starken Schutz der Meinungsfreiheit in der amerikanischen Verfassung fallen. Auch Blasphemie und die Verunglimpfung von Religionsgemeinschaften sind in den USA nicht strafbar.
US-Präsident Barack Obama bekräftigte, das amerikanische Volk habe tiefen Respekt für Menschen aller Glaubensrichtungen. Allerdings: "Es gibt keine Entschuldigungen für die Angriffe auf unsere Botschaften und Konsulate." Die USA entsandten Marineinfanteristen in den Sudan, um ihre Gesandtschaft zu schützen. Bereits zuvor waren Marines nach Libyen und in den Jemen geschickt worden.