New York.

Ein Jahr später ist der Kampfgeist nur noch bei einzelnen Aktivisten zu spüren; Occupy verschwand zwischenzeitlich in der Versenkung. Bei den Feiern zum Jahrestag am Wochenende war das Interesse gering. Am gestrigen Montag - dem Jahrestag - marschierten nur etwa 300 Demonstranten durch die Wall Street; es gab rund 30 Festnahmen. Gerne erinnern sich die Protestierenden an die erfolgreicheren Zeiten, an die zweimonatige Besetzung des Zuccotti Parks, die letztlich von der Polizei aufgelöst wurde. Rasch breitete sich die Bewegung auf andere Städte in den USA und schließlich auch weltweit aus. In New York, Frankfurt, Berlin bis hin zu Hong Kong demonstrierten die Menschen, auch in Wien. Mehr als 1400 Protestierende haben hier teilgenommen.
"Die Leute haben begonnen, über soziale Verantwortung und Ungerechtigkeiten des Systems nachzudenken", zählt Soziologe Todd Gitlin von der Columbia Universität die Erfolge der Bewegung auf. Auch hätten sie mit ihrem Ausdruck der "99 Prozent" (die dem einen Prozent der reichen Amerikaner gegenüberstehen) den politischen Diskurs geprägt.
"Probleme nicht verschwunden"
Konkrete Forderungen und Ziele hatte die Bewegung aber nie. Das Themenspektrum reichte von Umweltschutz bis hin zu Kritik am Bildungssystem. Zusammengehalten wurde die bunte Gruppe nicht etwa durch eine Führung - eine traditionelle Hierarchie gibt es bei Occupy nicht - sondern durch die gemeinsame Kritik an der herrschenden sozialen Ungerechtigkeit. "Die Probleme, die uns vor einem Jahr zusammengeführt haben, sind nicht verschwunden", sagt die Aktivistin Amin Husain. Doch die Occupy-Bewegung tut sich schwer, weiterzukämpfen: Hunderte Aktivisten wurden festgenommen und angeklagt. Das schreckt viele Mitstreiter ab, erneut auf die Straßen zu gehen.
Die Occupy-Bewegung verfügt nach eigenen Angaben über ein Vermögen von 40.000 Dollar. Man wolle das Geld nutzen, um sich auf Gebiete zu spezialisieren, wie etwa Häuserräumungen oder gezielte Aktionen gegen einzelne Banken. Von der allgemeinen Systemkritik wolle man weggehen. "Wir sind nicht stärker und nicht schwächer als vor einem Jahr, wir sind heute einfach anders", sagt ein Aktivist.