• vom 25.09.2012, 17:17 Uhr

Weltpolitik

Update: 26.09.2012, 20:37 Uhr
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Porträt

Gambias Staatschef Jammeh


Von Klaus Huhold

  • Diktatorischer Wunderheiler mit Hang zur Todesstrafe.

Jammeh ließ nun Oppositionelle hinrichten.

Jammeh ließ nun Oppositionelle hinrichten.© EPA Jammeh ließ nun Oppositionelle hinrichten.© EPA

Banjul. Er könne Aids heilen, meinte einmal Gambias Präsident Yahya Jammeh. Und zwar mittels Gespräche und eines von ihm entworfenen Gebräus, dessen Rezept er nicht verraten will. Also ließ er Aids-Kranke zu sich kommen. Eine UN-Mitarbeiterin, die die wundersame Methode des Präsidenten kritisierte, wurde kurzerhand aus dem Land geworfen.

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Der unter anderem in den Vereinigten Staaten ausgebildete ehemalige Soldat Jammeh putschte sich 1994 in Gambia an die Macht. Seitdem diktiert er, was zu geschehen hat und wie die Wahlen enden sollen - natürlich zu seinen Gunsten. Dass er sich dann auch noch zum Aids-Heiler aufschwang, ließ den Herrscher in dem westafrikanischen Kleinstaat endgültig größenwahnsinnig erscheinen. Der weltliche Diktator machte sich damit zum größten Wunderheiler und laut Beobachtern in der ihm eigenen Logik auch zum spirituellen Herrscher des Landes.


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Jammehs Glaube an übernatürliche Symbolik und Wunderkräfte ist bekannt. Nun wird vermutet, dass dieser Glaube auch der Grund dafür war, warum er im September plötzlich die ersten Hinrichtungen seit 1985 durchführen ließ. Neun Oppositionelle mussten sterben. Der Schritt war irrational und brachte Gambia international nichts als Kritik und Isolation ein.

Skurriler Gnadenakt nach Kritik aus dem Ausland
Die Hinrichtung von etwa 40 weiteren Häftlingen hat der Herrscher aber nach dem Druck vieler Staaten vorerst ausgesetzt. Jedoch: Sobald die Kriminalitätsrate im Land steige, werde das Moratorium beendet, hieß es in einer Aussendung. Eine skurrile Ankündigung: Die Entwicklung der Kriminalitätsstatistik können eingesperrte Menschen schwerlich beeinflussen.

Jammeh liebt seine Allmacht und hasst Widerspruch. Der von der Universität Saint Mary’s im kanadischen Halifax mit einem Ehrendoktor Geadelte ließ Journalisten ausrichten, dass sie gefälligst seiner Regierung dienen sollen. Ferner meinte er, dass er allen Homosexuellen im Land den Kopf abschneiden werde.

Die zehntausenden Touristen, die jährlich an Gambias Küste in die Ressorts strömen, bekommen von den Zuständen im Land außerhalb der Hotelanlagen freilich wenig mit. Traumstrände für ausländische Besucher, der Kerker für Oppositionelle und Menschenrechtler, die unter einem irrationalen Präsidenten leiden - das ist Gambia unter dem Präsidenten Jammeh.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-09-25 17:23:09
Letzte Änderung am 2012-09-26 20:37:00


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